Mutter Ebru und Tochter Irem machen jetzt nicht nur Kosmetik-Behandlungen, sondern auch Abstriche in Mund und Rachen. Foto: Gerd Engelsmann

In diesem Kosmetiksalon bekommen sie nicht nur schöne Nägel und entspannte Gesichtsbehandlungen, sondern erfahren auch, ob sie positiv oder negativ sind. Vor kurzem berichtete der KURIER über Ebru Hücuptan (50) und Tochter Irem (22), die in der Pandemie verzweifelt um ihr Lebenswerk bangen, weil sie ihren Laden monatelang schließen mussten. Nun haben Mutter und Tochter in ihrer Not aus ihrer „Beauty-Bar“ in Friedenau ein Testzentrum für Corona-Schnelltests eröffnet.

„Die Idee ist aus der Verzweiflung heraus entstanden. Wir hätten sonst Insolvenz anmelden müssen“, sagt Ebru Hücuptan. Seit Mittwoch dürfen sie zwar wieder öffnen, aber der Schaden durch die langen Ausfälle, sei immens. Viele Stammkunden seien durch die ständigen Schließungen verunsichert und besonders die Älteren noch immer besorgt, körpernahe Behandlungen zu buchen, sofern sie noch kein zweites Mal geimpft seien. „Ein Problem ist auch, dass manche Frauen bestimmte Leistungen, die aus mehreren Terminen bestehen nicht mehr buchen mögen, aus Sorge, dass wir wieder schließen“, so Hücuptan. Auch nach Maniküre und Pediküre mit Shellac (länger haltbarem Nagellack) werde nun seltener nachgefragt, weil die Kunden Bedenken haben, den Lack ohne ihre Hilfe nicht mehr allein abzubekommen.

Diese existenzbedrohende Situation haben Mutter und Tochter dazu gebracht, neue Wege zu gehen. „Nachdem unser Entschluss fest stand, ein Testzentrum zu eröffnen, haben wir beim Senat die Genehmigung eingeholt“, erklärt Ebru Hücuptan. Sie hätten eine Online-Schulung erhalten, wie sie die Schnelltests durchführen müssen. Neben den strengen Hygiene-Maßnahmen, müssen sich beide auch regelmäßig selbst testen.

Foto: Gerd Engelsmann
Kosmetik dürfen sie seit Mittwoch auch wieder machen, allerdings unter strengen Hygiene-Auflagen. Der Behandlungsstuhl muss für jeden Kunden mit frischer Folie umwickelt werden.

Bevor sie starten konnten, mussten sie in Vorleistung gehen und für 5000 Euro Schnelltests anschaffen. „Wir dürfen erst in zwei Monaten abrechnen“, sagt die Deutsche mit den türkischen Wurzeln. Danach könne sie pro Dienstleistung 12 Euro in Rechnung stellen sowie bis zu sechs Euro für den Test obendrauf. Zum Glück habe sie einen großzügigen Lieferanten, der ihr ein etwas längeres Zahlungsziel gewährt habe.

Nur von temporärer Dauer

Doch das neue Testzentrum in der Schmiljanstraße 18 soll nur von temporärer Dauer sein. „Unsere Leidenschaft ist nach wie vor Kosmetik“, betont Ebru Hücuptan, die ihren Laden (www.beautybarberlin.de) vor zehn Jahren eröffnete. Tochter Irem kam erst später nach ihrer Ausbildung dazu. Momentan ist ihnen die Zukunft aber noch zu ungewiss, wie sie sagen. Die Angst vor einer erneuten Schließung schwebt immer über ihnen. Deshalb fahren sie zweigleisig. Eine macht die Tests, die andere die kosmetischen Behandlungen, immer im Wechsel. „Jedes Mal, wenn ich einen Kunden teste, bin ich angespannt und froh, wenn das Ergebnis hinterher negativ ist“, so Hücuptan.

Sie arbeiten an sieben Tagen in der Woche

Momentan arbeitet das Duo an sieben Tage in der Woche, montags bis samstags von 8 bis 19 Uhr, sonntags von 10 bis 16 Uhr. Die Testung ist kostenlos und kann ohne Termin erfolgen. Viel Freizeit zusammen bleibt Familie Hücuptan in diesem Sommer nicht. „Aber wenn wir dadurch unser Geschäft halten können, sind wir dankbar“, sagt Tochter Irem. Zwar hätten auch sie Hilfen vom Staat erhalten, aber die reichten bei weitem nicht aus, um die monatlichen Fixkosten in Höhe von 3500 Euro zu zahlen.

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Da sie ihr Testzentrum erst vor zwei Wochen eröffnet haben, sind sie noch nicht so bekannt in Friedenau. Zehn bis 20 Kunden pro Tag haben sie im Schnitt. Gestern waren es sogar 30. Sie hoffen nun auf mehr Zulauf am Pfingstwochenende, an dem in Berlin die Außengastronomie wieder öffnen darf. Voraussetzung ist, dass sich jeder Gast vor dem Restaurantbesuch testen lässt. „Wir wären froh, wenn wir mit dem Testzentrum unser Geschäft retten können“, sagt Ebru Hücuptan. Sie hat es über viele Jahre lang mühsam aufgebaut.