Jean-Pascal Hohm, Vorsitzender der AfD in Cottbus, löste die angemeldete Demonstration auf und legte den Protestlern nahe, doch trotzdem durch Cottbus zu spazieren. dpa/Frank Hammerschmidt

Während die Corona-Inzidenz bundesweit immer weiter sinkt, trägt das Land Brandenburg nicht seinen Teil dazu bei. Im Gegenteil: Hier hat die Sieben-Tage-Inzidenz sogar wieder zugenommen und stieg von 566 auf knapp 582, wie das Gesundheitsministerium am Sonntag mitteilte. Treiber ist hier einmal mehr die Stadt Cottbus – und dort demonstrierten am Wochenende zahlreiche Corona-Leugner und bekannte Rechtsextremisten.

Cottbus ist Corona-Hotspot in Brandenburg und bundesweit

Mit einer Inzidenz von 1245 zieht die Stadt Cottbus die Inzidenz von Brandenburg seit Tagen nach oben. Die Stadt ist bundesweit der Kreis, der am zweitmeisten von dem Virus betroffen ist. Nur im südthüringischen Hildburghausen ist die Lage noch dramatischer. In Brandenburg liegen derzeit 858 Menschen mit Covid-19 im Krankenhaus, 190 von ihnen auf Intensivstationen. Damit sind 27 Prozent der Intensivbetten im Land mit Corona-Patienten belegt.

Doch viele Menschen in Cottbus scheinen sich in der Rolle des Pandemietreibers zu gefallen und so gingen am Samstag insgesamt 4000 Menschen auf die Straße um gegen die Corona-Maßnahmen und die Impfungen gegen das Virus zu protestieren. Die Stimmung war laut Polizei und Beobachtern aufgeheizt.

Obwohl die Inzidenz in Cottbus bereits erschreckend hoch ist, gingen zahlreiche Menschen auf die Straße, um gegen die Maßnahmen zu protestieren – Maske trugen die meisten nicht. dpa/Frank Hammerschmidt

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Aus zwei erlaubten Demonstrationen bildeten sich mehrere nicht angemeldete Protestzüge, bei denen gegen die Maskenpflicht und zum Teil gegen die Obergrenze von 1000 Menschen für Demos im Freien verstoßen wurde. 15 Menschen hätten Feuerwerkskörper gezündet, gegen sie seien Strafverfahren eingeleitet worden. Die Beamten rechnen sie der rechtsextremistischen Szene zu. Cottbus gilt beim Verfassungsschutz Brandenburg als Schwerpunkt des Rechtsextremismus im Land.

Auch journalistische Beobachter der Demo bemerkten einen starken rechtsextremen Block unter den Demonstrierenden. So seien bekannte Nazi-Hooligans aus Cottbus und Chemnitz anwesend gewesen, zudem verteilte die rechtsextreme Kleinstpartei Der 3. Weg Flyer unter den Protestierenden. 

Zwei angemeldete Demonstrationen wurden aufgelöst

Der Samstagabend hatte in Cottbus mit zwei angemeldeten Demonstrationen an der Oberkirche und der Stadthalle begonnen. Dort hätten jeweils bis zu 1000 Menschen teilgenommen, sagte ein Polizeisprecher. Hinter der Absperrung an der Oberkirche hätten aber weitere mehrere Hundert Menschen gestanden, auch im Umfeld der Stadthalle. Die Anmelder – in einem Fall der Cottbuser AfD-Chef Jean-Pascal Hohm – lösten die Versammlungen auf, legte den Demonstranten aber nahe, einen Spaziergang durch Cottbus zu machen.

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Um die Corona-Maßnahmen soll es bei der Demo in Cottbus nur am Rande gegangen sein. Vielmehr standen laut Beobachtern Umsturzfantasien im Vordergrund. dpa/Frank Hammerschmidt

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Seit dem vergangenen Jahr wird die Brandenburger AfD vom Landes-Verfassungsschutz als Verdachtsfall für Rechtsextremismus beobachtet. Hohm, dem vom Verfassungsschutz vorgeworfen wird, zeitweise für die rechtsextreme „Identitäre Bewegung“ aktiv gewesen zu sein, hatte im Internet zu einem „3. Cottbuser Abendspaziergang“ unter dem Motto „Unsere Freiheit ist nicht verhandelbar - Gegen Impfzwang, 2G-Irrsinn, Lockdown und Ausgangssperren“ aufgerufen.

Um Corona ging es bei den Demonstrationen in Cottbus offenbar kaum

Um Corona ging es dann aber kaum noch, wie verschiedene Beobachter – unter anderem vom RBB – berichten. Vielmehr schien bei den Demonstranten eine Entmachtung von Ministerpräsident Dietmar Woidtke (SPD) im Fokus zu stehen. Immer wieder wurden Umsturzfantasien artikuliert, Polizisten und Journalisten wurden angepöbelt und bedroht. Zudem soll es Aufrufe gegeben haben ein Team des RBB zu jagen und zu verprügeln. Auch andere Beobachter schildern auf Twitter, dass Corona nur am Rande ein Thema gewesen sei.

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Aufgestachelt zogen nach der Auflösung der Demonstration nun rund 2500 Menschen in größeren Gruppen durch verschiedene Straßen von Cottbus. „In dem Aufzug haben wir sehr viele Verstöße gegen die Maskenpflicht festgestellt“, sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten hätten den größten Aufzug gestoppt, als er zwischen 1000 und 1500 Teilnehmer gehabt habe. Vier Menschen seien wegen Widerstands gegen Polizeibeamte und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz vorübergehend in Gewahrsam genommen worden.