Angermünde: Jörg Lüssem, Bundesvorstandsmitglied der Johanniter-Unfall- Hilfe (JUH), steht bei der Vorstellung vor Brandenburgs erstem Rettungswagen im «Anti-Gaffer-Design». Christoph Soeder/dpa

Die Nachrichten von Menschen, die Rettungseinsätze behindern, weil sie mit ihre Handys Aufnahmen machen, sind unerträglich. Ebenso die Tatsache, dass wertvolle Minuten verloren gehen, um leidenden Menschen zu helfen, wenn erst Trauben von Schaulustigen beiseite geschoben werden müssen, bevor der Arzt zu den Verletzten kann. Gegen diese sogenannte Gaffer gibt es in Brandenburg nun einen Einsatzwagen der Klartext spricht. Und zwar in der Sprache der Gaffer.

Neuer Rettungswagen gegen Gaffer - auch in Berlin gibt es zwei

Die Johanniter-Unfall-Hilfe hat einen Rettungswagen mit „Anti-Gaffer-Design“ in Betrieb genommen. Damit will die Johanniter-Unfall-Hilfe das Handy-Filmen von Gaffern bei schweren Unfällen verhindern, wie Landesvorstand David Kreuziger am Donnerstag bei der Vorstellung des Rettungswagens in Angermünde (Uckermark) erklärte. Nach seinen Angaben ist es der erste Rettungswagen mit diesem Design in Brandenburg. Bundesweit seien im Rahmen eines Pilotprojekts bereits 25 so gestaltete Rettungswagen im Einsatz, in Berlin seien es 2.

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QR-Code für Handykamera

Auf den Seiten und dem Heck des Rettungswagens ist ein großer QR-Code aufgemalt. Sobald dieser Code von einer Handykamera erfasst wird, erscheint auf dem Display die Warnung „Gaffen tötet“ und ein Hinweis auf die möglichen juristischen Folgen. Nach wie vor seien Gaffer am Unfallort ein großes Problem, sagte Kreuziger, der selbst Rettungsassistent ist. „Denn die Gaffer stören die Einsatz-Situationen.“

Christoph Soeder/dpa
Ein Rettungssanitäter der Johanniter-Unfall-Hilfe Angermünder, demonstriert bei der Vorstellung von Brandenburgs erstem Rettungswagen im «Anti-Gaffer-Design» mit einem Smartphone die Funktionsweise.

In einer auf zwei Jahre angelegten Untersuchung will die Akkon-Hochschule der Johanniter-Unfall-Hilfe feststellen, die Wirkung der Fahrzeuge mit dem QR-Code prüfen. Die Zugriffe auf den Warnhinweis seien nach jedem Einsatz ablesbar, erläuterte Kreuziger. Zudem würden bei den Einsätzen von den Rettungskräften und Teilnehmern der Studie dokumentiert, wie viele Gaffer mit Handys beobachtet wurden.

Strafe beim Handy-Gaffen bis zu zwei Jahre

Kreuziger wies darauf hin, dass Handy-Gaffen bei Unfällen kein Kavaliersdelikt sei, sondern seit Anfang vergangenen Jahres mit einer Geldstrafe oder mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet werden könne.