Die Anwälte mit den Angeklagten die Angeklagten  Adel E. (26, re.) und Harun K. (24).
Die Anwälte mit den Angeklagten die Angeklagten Adel E. (26, re.) und Harun K. (24). Pressefoto Wagner

Als Clown, Jongleur und Artist stand er jahrelang in der Manege, brachte Freude. Nun ist der Zirkus-Mann einer von drei Angeklagten, die als falsche Polizisten eine Familie überfielen.

Als echte Räuber vor dem Richter: Harun K. (24), Adel El-H. (26) und Germano R. (36), der Ex-Zirkus-Mann. Unbekannt bislang ist ein angeblicher „vierter Mann“, der den Tipp für den Überfall gegeben haben soll. Am 22. Dezember in Wedding. Familie M. in ihrer Wohnung: Mutter, Vater, zwei Töchter – die jüngere sechs Jahre alt. Besuch war gerade da.

Die Mutter (43): „Mein älterer Bruder und ein Neffe waren gekommen.“ Gegen 21.10 Uhr klingelte es an der Tür. Die ältere Tochter öffnete. El-H. soll gerufen haben: „Polizei! Haben Durchsuchungsbefehl.“ Sie drängten in die Wohnung. Die Mutter nun als Zeugin: „Wir wurden ins Wohnzimmer gebracht. Sie zeigten meiner Jüngsten eine Pistole.“

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Ihr Mann wurde gegen eine Wand gedrückt, bedroht: „gib Geld!“ Ein Überfall, den das Trio kurz zuvor ausgeheckt haben soll. El-H.: „K. rief mich an, er bräuchte meine Hilfe, er hätte einen Tipp bekommen, wo eine große Summe Bargeld zu holen ist. Geld, das an der Steuer vorbei gebunkert wurde.“

Falsche Polizisten hatten eine täuschend echt wirkende Soft-Air-Pistole bei sich

Und K. über seinen Anwalt: „War alles sehr kopflos, dem Konsum von Kokain und Alkohol geschuldet.“ Maskiert und bewaffnet fuhren sie zu dem Mehrfamilienhaus in der Maxstraße. Einer hatte eine täuschend echt wirkende Soft-Air-Pistole bei sich, die beiden anderen hatten Messer. Der Clown zum Richter: „Die Waffen hatte uns zuvor der vierte Mann gegeben.“

K. habe mit dem Tippgeber gesprochen. Der habe mit großer Beute gelockt: „Um die 250.000 Euro in 200-Euro-Scheinen, angeblich Schwarzgeld aus dem Betrieb eines Dönerladens.“ Erste Panne an der Haustür: Sie hatten den Namen vergessen, den ihnen der vierte Täter gesagt hatte. Der Zirkus-Mann: „Wir klingelten einfach bei einem Mieter.“ Zweiter Stock, eine Tür öffnete sich, sie gaben sich als Polizisten aus – und bemerkten den Irrtum. R.: „Wir sind dann eine Etage höher.“

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Der Tippgeber war offensichtlich schlecht informiert. R.: „Wir hatten eine Mutter und ihren erwachsenen Sohn erwartet. Als ich dann die vielen Menschen sah, war ich schockiert.“ Er habe die Leute im Wohnzimmer schließlich bewacht – „einem älteren Mann schlug ich das Handy aus der Hand.“

Die Räuber boten jetzt 7500 Euro im Täter-Opfer-Ausgleich an

Adel El-H. und Harun K. hätten nach Geld gesucht – aber nichts gefunden. Es klingelte erneut an der Tür. R.: „Die Kinder sagten, es müsse der Bruder sein.“ Doch es waren echte Polizisten, die der Nachbar alarmiert hatte. Der Zirkus-Mann wollte noch artistisch übers Gelände im Flur springen und entkommen – „ein großer Beamter holte mich aus der Luft“.

Das Trio bat nun um Entschuldigung. R. bot zudem 7500 Euro im Täter-Opfer-Ausgleich an. Der Prozess um erpresserischen Menschenraub und schweren Raub geht am Dienstag weiter.

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