In der Kreuzberger Bergmannstraße wird dieser Fuchs häufig von Anwohnern beobachtet und fotografiert. Foto: instagram/Der Bergmannfuchsd

Die Berliner Wälder sind schon längst nicht mehr sein Zuhause. Der Fuchs hat inzwischen die Großstadt erobert. Nicht nur in Parkanlagen und in den Gärten der Berliner tauchen die hundeartigen Tiere mit ihrem herrlichen rotbraunen Fell auf. Sogar auf belebte Einkaufsstraßen lassen sie sich blicken. Gerade jetzt sind die Füchse verstärkt in allen Teilen der Stadt unterwegs, kommen ohne Scheu auf die Menschen zu – und das hat einen Grund.

„Es sind die sogenannten Oktoberfüchse, die im Frühjahr zur Welt kamen, und vor wenigen Tagen von ihren Eltern aus den Bauen vertrieben wurden“, sagt Berlins Wildtierreferent Derk Ehlert. „Die geschlechtsreifen Tiere müssen sich jetzt in der Stadt ihr eigenes Revier suchen.“

Immer auf der Suche nach Essbarem: Dieser Fuchs erkundet den Gleimtunnel in Prenzlauer Berg nach Abfällen, die er fressen kann. Foto:  imago images/Zöllner

Das tun sie meist mit knurrenden Mägen. Die Zeiten, in denen die Mütter, Väter oder auch Tanten bis zu vier Jungen in einem Bau mit Nahrung versorgten, sind vorbei. Daher zeigen sich die Oktoberfüchse nun auch recht nah dem Menschen, um Futter zu erbetteln. „Das Füttern der Tiere sollte man aber unterlassen“, sagt Ehlert. Nicht nur, weil dies laut Landesjagdgesetz verboten ist und Strafen von bis zu 5000 Euro bei Verstößen drohen.

Das Füttern der Füchse könnte die Tiere zu zahm machen und zu aggressiven Bettelverhalten führen, so Ehlert. Bissverletzungen bei Menschen wären die Folge, wenn dann einmal so ein kleiner Fuchs unkontrolliert zuschnappt. Furcht vor Tollwut müsse man aber nicht haben, erklärt der Experte. „Seit über 30 Jahren ist bei Füchsen diese tödliche Krankheit nicht mehr festgestellt worden.“

In Parkanlagen sind sogenannte Oktoberfüchse oft anzutreffen. Die etwa sechs Monate alte Tiere sind auf der Suche nach einem eigenen Revier. Foto:  imago images/Gora

Das Füttern der Füchse mache auch keinen Sinn. Denn der Tisch ist für die allesfressenden und recht anspruchslosen Tieren in Berlin reichlich gedeckt. „Der aus dem Wald stammende Jäger ist in der Stadt zum Sammler geworden“, sagt Ehlert. Die Füchse machen sich über die Essensabfälle der Großstädter her, die auf der Straße, in Parks oder im Müll landen, erlegen ab und zu eine Ratte oder Maus. „Sie stürzen sich auch auf das Katzenfutter, das auf manchen Gartenterrassen zu finden ist. Der Fuchs hat sich dem Großstadtleben recht gut angepasst.“

Geschätzt bis zu 2000 Füchse gibt es in Berlin. „Etwa zwei Drittel haben im Laufe der vergangenen 20 Jahre verstärkt die Innenstadt als Revier auserkoren“, sagt Ehlert. „Sie treten nicht nur vermehrt in Reineckendorf auf, wo der Fuchs ja das Wappentier des Bezirkes ist. Man findet sie genauso oft in Charlottenburg-Wilmersdorf, Marzahn oder in Mitte“, sagt Ehlert.

Im Gegensatz zu den Artgenossen aus dem Wald sind die etwa 1400 Reviere der Berliner Stadtfüchse nicht groß. Auf einer Fläche von einem viertel Quadratkilometer leben ein bis zwei Tiere. Schließlich brauchen Füchse in Berlin nicht weit zu laufen, um Essbares zu finden.

Wildtierexperte Derk Ehlert Foto: Otto

Der Bestand der Tiere sei recht stabil, so Ehlert. Das liegt unter anderem daran, dass Füchse in Berlin nicht gejagt werden. Allerdings werden so manche beim Überqueren von Straßen oder Autobahnen getötet. Dennoch kommen diese Tiere mit dem lebhaften Großstadtverkehr gut zurecht. Ihr größter Feind sind Krankheiten wie Staupe oder Räude, mit denen sie sich auf Grund des engen Zusammenlebens in der Stadt häufig anstecken. „Etwa ein Drittel der Oktoberfüchse überlebt den ersten Winter nicht“, sagt Ehlert. Im Schnitt werden Stadtfüchse nur zwei Jahre alt.