In Berlin und Brandenburg gibt es weniger Kita-Erzieher pro Kind als in Westdeutschland. dpa/Skolimowska

In Berliner Kitas gibt es weniger Erzieher pro Kind als in Westdeutschland. Rechnerisch muss eine Fachkraft in einer Berliner Kita fast zwei Krippenkinder mehr betreuen, wie aus einer Analysen der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh hervorgeht. Dennoch hat sich die Personalausstattung in der Hauptstadt laut der Studie zwischen 2014 und 2020 verbessert. So sei eine vollzeitbeschäftigte Kraft in Krippengruppen rechnerisch noch für 5,2 statt für zuvor 5,9 ganztagsbetreute Kinder zuständig. Im Kindergarten seien es 8,3 statt 8,8 Kinder.

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In Berlin besuchen 45 Prozent der unter Dreijährigen eine Kita oder Kindertagespflege. Im Westen Deutschlands liegt dieser Wert bei nur 31 Prozent, in Ostdeutschland sind es 53 Prozent. Die Zahl der in Kitas betreuten Kinder stieg in Berlin in den zehn Jahren seit 2011 von gut 125.000 auf mehr als 167.000, die des pädagogischen Personals dort von rund 20.500 auf knapp 35.000.

Der von der Stiftung erstellte „Fachkräfteradar für Kita und Grundschule“ hat für die Hauptstadt errechnet, dass bis 2030 mit den bestehenden Ausbildungskapazitäten mehr als 22.000 Personen neu in diesem Berufsfeld starten können - notwendig wären aber 29.000. Diese Lücke lässt sich der Studie zufolge bis 2030 kaum durch die Aufstockung der Ausbildungskapazitäten schließen.

Bis 2030 fehlen mehr als 230.000 Erzieher

Bundesweit fehlen laut Bertelsmann Stiftung für eine kindgerechte Personalausstattung bei gleichzeitigem Kitaplatzausbau bis 2030 mehr als 230.000 Erzieher. Die Lücke zwischen voraussichtlichem Angebot an Fachkräften und prognostiziertem Bedarf für optimale Qualität in der frühkindlichen Bildung bei bedarfsgerechtem Ausbau der Plätze lasse sich dieses Jahrzehnt nicht vollständig schließen, hieß es in der Studie.

Auch in Brandenburg sei der Ausbau des frühkindlichen Bildungssystems noch nicht abgeschlossen, heißt es in der Studie. Noch immer könne nicht jedem Kind, für das die Eltern eine Betreuung wünschten, ein Platz in einer Kita angeboten werden. Auch sei das Angebot an Fachkräften unzureichend.

Zwischen 2011 und 2020 hat sich nach den Angaben in Brandenburg in Zusammenhang mit dem Ausbau des frühkindlichen Bildungssystems der Personalbestand auf 18.370 Beschäftigte um 52 Prozent erhöht. In den Horten sind es 4715 Beschäftigte (+31 Prozent). Die personellen Rahmenbedingungen würden jedoch nach wie vor nicht wissenschaftlich begründeten Standards entsprechen, wird kritisiert. Zu wenig Personal wirke sich insbesondere negativ auf die pädagogische Praxis aus. Der Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsauftrag könne nicht kindgerecht erfüllt werden.

In den Kitas in Brandenburg ist ein Erzieher rechnerisch für 5,3 Kinder zuständig, im Westen für 3,5

In Brandenburg besuchten am 1. März 2020 rund 58 Prozent der Kinder unter drei Jahren eine Kita oder Kindertagespflege. 2007 waren es nur 44 Prozent. Über 64 Prozent der Eltern (2019) wünschten sich für ihre Kinder in der Altersgruppe jedoch eine Betreuung. Gerechnet werde damit, dass der Wunsch bis 2030 weiter steigen werde.

In den Kitas in Brandenburg ist eine Vollzeitkraft rechnerisch für 5,3 ganztags betreute Kinder (2020) zuständig, im Westen für 3,5. Insgesamt sind die Personalschlüssel in Brandenburg für alle Gruppentypen deutlich ungünstiger als im Westen. Im Durchschnitt kümmert sich in deutschen Kindergärten eine Fachkraft um 8,7 Kinder (2013: 9,6). In Krippengruppen ist es eine Erzieherin für 4,1 Kinder (2013: 4,6).

Fachleute empfehlen in Krippen ein Betreuungsverhältnis von einer Fachkraft pro drei Kinder. In Kindergärten sollten es nicht mehr als 7,5 sein, um frühkindliche Bildungschancen, die über reine Betreuung hinausgehen, zu gewährleisten.