Tamara Danz: Auf dem neuen Silly-Album ist die Stimme der legendären Frontfrau wieder zu hören. Imago

Sie stecken mitten in den Vorbereitungen zu ihrer neuen Tour. Dennoch nehmen sich die Silly-Musiker Ritchie Barton (67)  und Uwe Hassbecker (60) die Zeit, sich mit dem KURIER auf ein Käffchen zu treffen. Von Stress keine Spur: Dabei erscheint in diesen Tagen ihr neues Album „Instandbesetzt“, das erste mit den Sängerinnen Anna R. („Rosenstolz“) und Julia Neigel. Und noch jemand ist auf der Platte (wieder) zu hören – die legendäre Silly-Frontfrau Tamara Danz, die vor 25 Jahren starb.

Aus Alt mach Neu: So könnte das Motto des Albums lauten. Denn zehn der 13 neu aufgenommenen Songs stammen aus der über 40-jährigen Silly-Geschichte. Wie „Unterm Asphalt“, „Puppe Otto“, „Wo bist du“, ganz bewusst fehlen die Mega-Hits „Bataillon d’Amour“ oder  „Mont Klamott“. „Wir wollten keine Best-of-Platte machen, sondern haben uns die Perlen aus den vergangenen zehn Alben für die Neuaufnahmen herausgesucht, die uns wichtig waren und die wir wieder zum Glänzen bringen wollen“, sagt Barton.

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Die Silly-Musiker Ritchie Barton und Uwe Hassbecker: Sie waren die beiden wichtigsten Männer im Leben der Sängerin Tamara Danz.
Volkmar Otto

Die Idee dazu kam nach der „10 Alben, 10 Städte, 10 Shows“-Tour, auf der 2019 Silly ihr gesamtes Werk (62 Songs) mit Anna R. und Julia Neigel aufführten. „Ein Album pro Abend pro Stadt: Von den Fans kam der Wunsch, dass wir einen Querschnitt dieser Konzerte doch als Platte herausbringen sollten“, sagt Hassbecker. „Aber in den 2010er-Jahren hatten wir schon genug Live-Alben veröffentlicht und entschieden uns daher für die Neuaufnahmen.“

Die neuen Sängerinnen bei Silly: Anna R. und Julia Neigel. dpa

Die Musiker benutzen bei einigen Songs sogar Instrumente, mit denen sie vor Jahrzehnten die Originale aufgenommen hatten. Auch alte Gesangspuren wurden verwendet. Wer sich die Platte genau anhört, kann daher an einigen Stellen der neuen Versionen von „Unterm Asphalt“, „Bye, bye“ und „Instandbesetzt“ die Stimme von Tamara Danz im Hintergrund erkennen. „Das war Absicht“, sagt Hassbecker. „Auf diese Weise ist Tamara weiter bei uns und das sollen auch die Fans hören.“

KURIER-Reporter Norbert Koch-Klaucke traf sich in Mitte auf ein Käffchen mit Uwe Hassbecker und Ritchie Barton von Silly.
Volkmar Otto

Bleiben Anna R. und Julia Neigel bei Silly?

Nach den zwölf Jahren mit Anna Loos setzen Silly seit 2019 mit Anna R. und Julia Neigel die Bandgeschichte fort. Mit ihnen wurden für die Platte auch drei brandneue Songs aufgenommen, deren Texte Jörn Kalkbrenner (der Vater der DJs Paul und Fritz Kalkbrenner) und der Sänger Max Prosa schrieben. „Sie zeigen schon in die Richtung, wie es musikalisch mit Silly weitergehen kann“, sagt Hassbecker.

Die aktuelle Silly-Besetzung: Uwe Hassbecker, Jäcki Reznicek, Julia Neigel, Anna R. und Ritchie Barton. Fredericke Goeckeler

Heißt das auch, dass die Gastsängerinnen künftig zum festen Band-Kern gehören könnten? „Nach den vergangenen Ereignissen haben wir eigentlich nicht vor, uns neu zu verheiraten“, sagt Barton. Die Sängerinnen werden ja außerdem ihre eigenen Projekte verfolgen. „Wir werden sehen“, sagt der Silly-Keyboarder. Und Gitarrist Hassbecker meint: „Es kann durchaus auch eine langfristige Sache werden.“

Silly will im Herbst mit Anna R. und Julia Neigel wieder auf Tour gehen. Enden soll sie am 27. November im Berliner Tempodrom.

Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker und Studio-Krähe Toni. privat

Übrigens gibt es bei Silly ein neues Band-Mitglied – die Studio-Krähe Toni, verrät Uwe Hassbecker. Im Frühjahr entdeckten die Musiker den Vogel auf ihrem Studio-Areal in Münchehofe, als sie an dem neuen Album arbeiteten. „Wir hatten dort ein Krähennest, aus dem zwei junge Vögel herausgefallen waren. Ich habe die verletzten Tiere dann durchgepäppelt. Leider ist der eine bei einem Flugversuch tödlich verunglückt. Aber die andere Krähe ist nun ständig bei uns.“ Warum sie Toni heißt? Hassbecker lacht: „Wenn die Krähe kräht, klingt es immer wie ,Krahl‘. Daher bin ich auf City-Sänger Toni Krahl gekommen.“