Ab April sollen Hausärzte gegen Corona impfen dürfen. Foto:  imago/Mareen Fischinger

Das Impftempo soll zunehmen – vor allem durch den Einsatz der Hausärzte. Sie könnten sofort damit beginnen, sagen sie. Doch die Regierung bremst die Erwartungen. 

Der Start der Corona-Massenimpfungen in Deutschlands Arztpraxen kann sich bis Mitte April verzögern. Ziel sei es, frühestmöglich, jedoch spätestens in der Woche vom 19. April damit zu beginnen. Das beschlossen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Mittwoch als Empfehlung an die Regierungschefs von Bund und Ländern. Einzelne Länder können demnach auch ein „Opt-out“ erklären und im April noch nicht routinemäßig in den Arztpraxen impfen. Zudem soll eine neue Impfverordnung mehr Tempo in die Impf-Kampagne bringen. Der bisher Jüngeren vorbehaltene Impfstoff des Herstellers Astrazeneca kann künftig allen gespritzt werden. 

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Hoffnungen, bereits ab April richtig durchzustarten und wöchentlich 10 Millionen Impfungen vorzunehmen, wurden allerdings von der Regierung bereits vor den Beratungen zunichte gemacht. Das könne man erst ab Juni gewährleisten, sagt Regierungssprecher Steffen Seibert. Für April rechnet er mit fünf Millionen Impfdosen pro Woche.  

In der Pandemie zählt jeder Tag, an dem geimpft werden kann. "

Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender der Hausärzte

Für den Bundesverband der Hausärzte geht das nicht schnell genug. Selbst der April sei noch zu weit weg, kritisiert der Bundesvorsitzende Ulrich Weigeldt. Man könne jetzt schon beginnen. „In der Pandemie zählt jeder Tag, an dem geimpft werden kann.“

Auch der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Berlin/Brandenburg, Wolfgang Kreischer, drängelt: „Wir wollen so schnell wie möglich mit ran“, sagt er dem KURIER. Dafür müsse es allerdings einen „praxisfähigen Impfstoff geben, der nicht bei minus 70 Grad gelagert werden muss.“

Und wie sieht der Ablauf aus? Die Patienten müssten sich, so Kreischer, vor der Impfung einen Termin bei ihrer Praxis besorgen. Die Impfungen sollten dann zu bestimmten Zeiten – mittags oder nach Feierabend – erfolgen, damit nicht noch die anderen Patienten in den Praxen sind. In Berlin könnten sich etwa 3000 Praxen beteiligen, die jeweils 20 bis 30 Impfungen pro Tag schaffen würden.

In Berlin läuft derzeit ein Modellprojekt mit etwa 120 Praxen, in denen seit Montag geimpft wird. Welche Praxen das sind, wird derzeit nicht bekannt gegeben. Sie sollen nicht vom Impfwilligen überrannt werden. Anlaufstellen sind ebenso weiterhin die Impfzentren der Stadt sowie die mobilen Impfteams in Pflegeheimen. 

Die Priorisierung, wer wann dran ist, erfolgt nach der „Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus“, die im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde. Auch bei dem Modellprojekt in Berlin sollen die Ärzte nach dieser Verordnung vorgehen und dann Termine mit den Patienten machen.

Debatte um die Impf-Priorisierung 

„Diese Praxen sollen aber nur ihre eigenen Patienten impfen, keine fremden“, so Kreischer, der die Priorisierung in Frage stellt. Der Vorstandsvorsitzende: „Wir wollen, dass wir keine Priorisierung vornehmen müssen, sondern dass alle Impfwilligen schnellstmöglich hintereinander geimpft werden. Wir wollen alle impfen.“ 

Kreischer sieht den April als realistischen Termin – vor allem, weil es bis dahin ausreichend Impfstoff geben dürfte. Werden die Lieferzusagen der Hersteller eingehalten, könnte es dann zu einem Impf-Stau kommen, weil mehr Serum da ist als die Impfzentren aufbrauchen können. Spätestens dann wären die Hausärzte und andere gefragt. 50.000 Praxen bundesweit könnten täglich bis zu eine Millionen Impfungen schaffen.

Vielleicht wird nach der Gruppe 2 die Priorisierung aufgehoben 

In Berlin sollen alle, die zur Priorisierungsgruppe 2 gehören, zu Ende geimpft werden, hieß es aus der Senatsgesundheitsverwaltung. Eventuell werde danach die Priorisierung aufgehoben.  Zur Gruppe 2 gehören unter anderem über 70-Jährige, Grundschullehrer, Ärzte, Angehörige der Pflegebranche, chronisch Kranke und Streifenpolizisten. Diese Gruppe wird seit vergangener Woche geimpft.

Für Heinz-Peter Meidinger, Präsident des deutschen Lehrerverbands, ist das „erfreulich“.  Dennoch wünscht er sich, dass nicht nur Grundschullehrkräften eine frühzeitige Impfung ermöglicht wird. „Ideal wäre natürlich, wenn die Priorisierung für alle Lehrkräfte gilt, die in den Präsenzunterricht zurückkehren.“ Auch die Polizeigewerkschaft ist zufrieden, dass Polizeikräfte inzwischen prioritär geimpft werden sollen. „Wir haben als deutsche Polizeigewerkschafter immer darauf hingewiesen, dass wir es für fatal gehalten haben, dass die Polizei so weit hinten war. Im Gegensatz zu Schulen und Kitas war die Polizei nie geschlossen. Sie muss immer funktionieren“, sagte Rainer Wendt, Vorsitzender der deutschen Polizeigewerkschaft, dem KURIER.