Brandenburg: Die wiederkehrende Trockenheit macht Landwirten, Gärtnern, Obst- und Gemüsebauern zu schaffen. In Zukunft drohen Konflikte um das Trinkwasser. dpa/Pleul

Zu wenige Niederschläge, wasserintensive Industrien und eine immerdurstige Landwirtschaft. Muss es künftig eine Prioritätenliste für die Wasserversorgung rund um Berlin geben? Der Krieg um die letzten Tropfen – er ist schon in vollem Gange.

Die zunehmende Trockenheit in Brandenburg, vor allem im Sommer, wirkt sich auf die Grundwasserneubildung aus. Die Wasserversorger stehen daher auch mit Blick auf Industrieansiedlungen vor schweren Aufgaben. Generell rücke ein intelligentes Wassermanagement immer mehr in den Vordergrund, sagte Turgut Pencereci, Geschäftsführer des Landeswasserverbandstages Brandenburg, der Deutschen Presse-Agentur. „Man muss sich Gedanken machen: Wo bringt man überhaupt wasserintensive Betriebe unter und wo nicht.“

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Ansiedlungen zu verhindern könne nicht Ziel der Sache sein, so Pencereci weiter – gerade wenn es darum gehe, zukunftsträchtige Technologien zu entwickeln. „Die Wasserwirtschaft ist nicht der Gegner der Industrie.“ Allerdings müssten Akteure vor Ort das Thema Wasser rechtzeitig auf der Agenda haben. „Da muss ganz, ganz frühzeitig Kommunikation einsetzen“, sagte Pencereci. Sonst ergäben sich schwer lösbare Konflikte.

Wie man die Bedarfe decken will, ist völlig offen

Beispiel Tesla: Laut des zuständigen Wasserverbands ist bei einem weiteren Ausbau der Fabrik des Autobauers in Grünheide bei Berlin die Trinkwasserversorgung der Region noch nicht gesichert. „Wie man die Bedarfe decken will, ist völlig offen“, hatte der Vorsteher des Wasserverbands Strausberg-Erkner (WSE), André Bähler, der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Er verwies dabei auch auf die Ansiedlung anderer Unternehmen wie Zulieferern sowie auf neue Wohnungen für Beschäftigte.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sieht die Wasserversorgung ebenfalls nur für die erste Ausbaustufe der Tesla-Fabrik gesichert. Keine Garantie gibt er bei einem weiteren Ausbau, sagte Steinbach dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB): Für die erste Ausbaustufe mit bis zu 10.000 Mitarbeitern funktioniere es inklusive der Batterie-Fabrik. „Wir haben aber nie gesagt, dass die in Grünheide direkt vorhandenen Ressourcen in den weiteren Ausbaustufen für 40.000 Mitarbeiter reichen.“

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Zur Wassererschließung für die erste Ausbaustufe der Fabrik in Grünheide liegt bereits ein Vertrag vor. Das Brandenburger Umweltministerium sieht bisher keinen neuen Handlungsbedarf. Sprecherin Frauke Zelt verwies auch auf eine Arbeitsgemeinschaft zu Wasserperspektiven für das östliche Berliner Umland.

Künftig stellt sich die Frage, wer als Erstes das Wasser bekommt

Bei zunehmendem Wassermangel und Bedarf in den kommenden Jahrzehnten stelle sich die Frage, wer als Erstes das Wasser bekomme, beschreibt Turgut Pencereci die Situation. Es gebe viele Nutzer, die das für sich beanspruchten: Wasserversorger, Mineralwasserhersteller, Industrie und Landwirtschaft, der Wald sowie der Naturschutz. Der Fachmann schlägt vor, dass sich jeweils die Beteiligten vor Ort einigen. Konflikte bei der Nutzung sind auch das Thema einer Mitgliederversammlung des Landeswasserverbandstages an diesem Mittwoch. Die Mitglieder des Verbands unterhalten Gewässer und gewährleisten zwei Drittel der Versorgung im Land.

Nach Worten des Geschäftsführers geht es immer mehr darum, sich Gedanken über den Wassergebrauch zu machen. Beispielsweise müsse überlegt werden, wie Wasser nach regionalem Starkregen gespeichert oder wie es wiederverwertet werden könne. Als Beispiel nannte er ablaufendes klares Wasser aus einem Klärwerk, dass nicht in einen Bach geschüttet werde, sondern für die Landwirtschaft genutzt werden könne. Zudem müsse man sich fragen, ob es sinnvoll sei, Wasser über lange Strecken zu transportieren.

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Ein weiteres Problem: In der Bevölkerung fehle es noch deutlich an Bewusstsein, was das Thema Wasserverbrauch angehe, so Pencereci. Schon in der Schule müsse verstärkt eine Umweltbildung stattfinden. Auch das Land müsse mehr informieren. Das Thema sei kein Politikum. „Wasser hat keine Farbe, es geht alle an, alle leben davon“, betonte er. Noch seien die allermeisten Versorger in Brandenburg nicht am Limit, die Wasserqualität sei „okay“. Darauf könne man sich aber nicht ausruhen. „Wir müssen aufpassen, dass das gut bleibt, und das ist eine erhebliche Anstrengung“, sagt er auch mit Blick auf die Zunahme der intensiven Landwirtschaft. Diese bedeute einen verstärkten Nährstoffeintrag in den Boden – und somit ins Grundwasser.