Ein toller Anblick: Ein Storch hebt in der untergehenden Sonne ab.
Ein toller Anblick: Ein Storch hebt in der untergehenden Sonne ab. dpa/Pleul

Vor ein paar Tagen erst segelte ein Weißstorch direkt vor uns majestätisch über die Straße, zog hoch und landete geschickt im Horst. Auf einem Dach, wo schon das Jungtier wartete. Auf Futter wahrscheinlich. Wer mit dem Auto zwischen Kremmen und Linum im Brandenburgischen unterwegs ist, sieht sie öfters. Störche, die auf Dächern und alten Schornsteinen Junge aufziehen. Aber es werden immer weniger. Auch die wunderschönen Tiere haben mit der Trockenheit und dem Klimawandel zu kämpfen.

Die Zahl der Weißstörche in Brandenburg ist nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Es fehle durch die Trockenheit an Nahrung bei der Aufzucht von Jungen. Außerdem ist auch hier der Osten im Nachteil: Störche, die über die Westroute etwa über Frankreich und Spanien in wärmere Gefilde ziehen, sind sozusagen die reicheren Verwandten. Mehr Futter, besseres Wetter, mehr Kinder.

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Weißstörche, die auf ihrem Zug in den Süden die Westroute nehmen, sind gegenüber den „Ostziehern“ im Vorteil. In Spanien etwa finden sie gute Bedingungen und brauchen nicht bis Nordafrika zu fliegen. Zudem brüten die Tiere erstmals mit etwa zwei Jahren in einem jüngeren Lebensalter als die „Ostzieher“, die das erste Mal mit vier Jahren Junge bekommen. Damit sei die Reproduktion der Weißstörche im Westen Deutschlands höher.

Im Storchendorf Rühstädt haben die Storchenexperten in diesem Jahr nur 19 Jungstörche gezählt.
Im Storchendorf Rühstädt haben die Storchenexperten in diesem Jahr nur 19 Jungstörche gezählt. dpa/Grimm

In dem bekannten Storchendorf Rühstädt an der Elbe verzeichnen die Naturschützer in diesem Jahr einen deutlichen Rückgang der Brutpaare und auch der Jungtiere pro Paar. Gab es dort 2013 noch mehr als 70 Jungstörche und 37 im vergangenen Jahr, so haben die Storchenexperten in diesem Jahr in der Prignitz nur 19 Jungstörche gezählt. Die Gründe: Klimawandel, Wassermanagement und die intensive Landwirtschaft in Brutgebieten.

Der Nabu-Weißstorchexperte für Südbrandenburg, Holger Teichert, berichtet, dass die Zahl der Jungstörche in dieser Region um etwa zehn Prozent abgenommen habe, in einigen Landkreisen sogar um 15 Prozent. Waren es im vergangenen Jahr noch 568 Junge, ging die Zahl ihm zufolge in diesem Jahr auf schätzungsweise 512 zurück. Teichert beringt die Tiere auch. „Störche, die nicht satt werden, verhalten sich anders im Nest, und Jungtiere werden von den Alttieren entfernt.“

Auf Futtersuche: Zwei Störche landen auf einem abgemähten Feld bei Leegebruch.
Auf Futtersuche: Zwei Störche landen auf einem abgemähten Feld bei Leegebruch. Imago/Lakomski

„Es ist schon schwierig für Störche, in diesem Jahr bei der Trockenheit ausreichend Futter zu finden“, schätzt Teichert ein. Hinzu komme die Hitze, die Weißstörche in ihren Horsten nicht so gut vertragen. Für die Aufzucht der Jungen müssten sie viel Wasser aus nahen Gräben holen, die aber derzeit häufig ausgetrocknet seien.

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Dabei kann sich der Storch dem Fachmann zufolge durchaus veränderten klimatischen Bedingungen anpassen. „Aber das hat auch irgendwann Grenzen.“ So hat der Storch seine Speisekarte verändert. Statt der Storchen-Delikatesse Frosch fressen die Vögel heutzutage auch Heuschrecken und Feldmäuse. Diese seien derzeit aber auch nicht in großer Zahl zu finden, auch die Feldmaus-Population schwanke, so Teichert. Hinzu komme, dass für die Jungtiere zunächst kleine Insekten und Regenwürmer auf dem Speiseplan stehen, solche Nahrung sei durch Trockenheit aber immer weniger zu finden.