Für 9 Euro kann man jetzt einen Monat lang Bus, Straßen-, U-, S- und Regional-Bahn fahren. Mit den 4,57 Litern Diesel für das gleiche Geld kommt man höchstens 100 Kilometer weit. dpa

Es ist wahr geworden: An den meisten der rund 300 Berliner Tankstellen sind die Preise für Benzin und Diesel am Mittwochmorgen deutlich zurückgegangen. Einen Tank-Ansturm gab es aber trotz reduzierter Steuer nicht. Auch, weil der Sprit nicht im erwarteten Umfang billiger geworden war.

In Berlin war gegen 8 Uhr Super E10 an der Tankstelle Finckensteinallee (Lichterfelde) mit 1,779 Euro / Liter am günstigsten (Quelle: Tank-App „1-2-3 Tanken“), während bei einer freien Tankstelle am Tempelhofer Weg (Neukölln) noch 2,218 aufgerufen wurden. Bei Diesel wurden ausweislich der Tank-App um die gleiche Zeit Preise zwischen 1,829 Euro an der Hauptstraße (Buchholz) und 2,179 Euro am Kronprinzessinnenweg (Wannsee) verlangt. Bei den übrigen Stationen lagen die Benzinpreise um die 1,90 Euro herum, bei Diesel um die 1,95 Euro.

Berliner Tankstellenverband erwartet, dass der  Rabatt erst in ein paar Tagen voll wirkt

Danach gab es eine Wellenbewegung der Preise mit Tendenz nach unten, sagte Hans-Joachim Rühlemann (71), Vorstand des Verbands des Garagen- und Tankstellengewerbes Nord-Ost, dem Berliner KURIER.

Er erwartet, dass es noch ein, zwei Tage dauern wird, bis der komplette Tankrabatt bei den Autofahrern ankommt: „Die Mineralölfirmen wollen den teuren Treibstoff ohne Steuerermäßigung, der zum Beispiel noch am Dienstag bei den Tankstellen angeliefert wurde, erst noch verkaufen.“

Rühlemann geht davon aus, dass Benzin am Ende um die 35 Cent pro Liter billiger wird, Diesel um die 20 Cent.

Der Verbandschef, der die Hälfte der Berliner Tankstellen vertritt, lobte die Berliner Autofahrer und die Pendler aus Brandenburg: Sie hätten ihre Tanks nicht leergefahren.

„Wir hatten dazu aufgerufen, dass die Berliner am Mittwoch noch mindestens ein Viertel Sprit im Tank haben, Pendler die Hälfte.“ So sollte vermieden werden, dass Tankstellen leergekauft werden, wenn alle im Rudel mit dem letzten Tropfen an die Zapfsäulen kriechen. Rühlemann, selbst Pächter einer Station in Reinickendorf: „Die Leute haben aber vernünftig getankt.“ Deshalb sei der befürchtete Ansturm auch ausgeblieben. In Bayern beispielsweise gab es dagegen an einigen Stationen Rückstaus bis auf die Straße.

Das waren die Preise an einer Aral-Station in Mitte am frühen Nachmittag des 31.Mai. Gerd Engelsmann
Und so stellten sich die Preise am Vormittag des 1. Juni dar. Der Preisrückgang bei Benzin war mit 25 Cent / Liter viel größer als bei Diesel (4 Cent). Gerd Engelsmann

Für den Verbandschef ist die Steuererleichterung viel zu spät gekommen, hätte schon im März greifen müssen. Insbesondere die Pächter in der Nähe zu Polen, wo die Preise früh gesenkt worden waren, hätten Umsatzeinbußen von 75 Prozent erlitten und nur durch Unterstützung durch die Mineralölfirmen überlebt.

In Berlin seien die Umsätze der Tankstellen seit März um etwa 20 Prozent zurückgegangen, sagt Rühlemann. Er hat beobachtet, dass die Autos auf den Autobahnen rund um Berlin langsamer und spritsparender fahren, und auch der Verkehr in der Stadt habe zuletzt nachgelassen.

Für den Taxifahrer ist Diesel immer noch viel zu teuer, Altenpflegerin freut sich über Tankgutschein

Für den Taxifahrer Mesut Kilinc sind die Dieselpreise nach wie vor zu hoch. Gerd Engelsmann

Für den Kreuzberger Taxifahrer Mesut Kilinc, der am frühen Nachmittag auf einer Station an der Oranienstraße Diesel in seinen Mercedes füllt, reicht die Preissenkung nicht, „jedenfalls nicht auf kurze Sicht“. 10 bis 15 Liter verbraucht der Wagen pro Schicht, je nach den Fuhren, und da schlägt auch der ermäßigte Preis von 1,979 Euro / Liter heftig ins Kontor.

Carola Mrozinski darf sich über einen Tank-Zuschuss ihrer Firma freuen. Gerd Engelsmann

Nebenan betankt die Altenpflegerin Carola Mrozinski ihren alten Ford Fiesta. Sie sagt zu den neuen Preisen, dass sie ein bisschen besser seien, „aber es ist immer noch eine Menge für alle, die viel fahren müssen“. Zuletzt habe sie E5-Super für 2,20 Euro den Liter getankt, jetzt für 1,959 Euro – aber immer noch kein Vergleich zu Hochzeiten der Corona-Pandemie: „Da waren es 1,20, 1,30“. Sie ist froh, dass sie und ihre Kollegen neuerdings von der Firma monatlich 25-Euro-Tankgutscheine bekommen, wenn sie ihre Privatautos beruflich nutzen.