Ein europäischer Grauwolf in freier Wildbahn
Ein europäischer Grauwolf in freier Wildbahn Imago/Martin Wagner

Deutschland ist längst wieder Wolfsland, im Jahr 2000 wurde der erste Nachwuchs in der Muskauer Heide in Sachsen geboren. Von 0 auf 1175 in 22 Jahren: Diese beachtliche Zahl ergab die jüngste Wolfszählung. Die, denen das nicht so gefällt, sind die Landwirte. Denn auch die Attacken der Raubtiere auf Nutztiere nehmen zu. Wolfsland Nr. 1 ist inzwischen Brandenburg.

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Im Untersuchungszeitraum 2020/2021 wurden bundesweit 161 Wolfsrudel bestätigt und damit drei mehr als ein Jahr zuvor, wie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in Bonn am Montag bekannt gab. Zudem wurden 43 Wolfspaare nachgewiesen, nach 35 im Jahr davor. Die Zahl der gesichteten Einzelwölfe blieb mit 21 nahezu konstant.

Nach wie vor lebt der Großteil der Wölfe in einem breiten Streifen von Sachsen in nordwestlicher Richtung über Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen. Weitere Wolfsterritorien wurden in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen nachgewiesen.

Die meisten Wolfsrudel leben in Brandenburg (47), gefolgt von Niedersachsen (34) und Sachsen (31)

Insgesamt wurden in den Wolfsterritorien 1175 Tiere sicher bestätigt. Die tatsächliche Gesamtzahl kann aber davon abweichen, weil nicht die Einzeltiere primär erfasst werden und die Rudelgrößen stark variieren.

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Die meisten Wolfsrudel lebten im Beobachtungszeitraum zwischen Mai 2021 und April 2022 in Brandenburg (47), gefolgt von Niedersachsen (34) und Sachsen (31). Die Periode deckt sich mit einem biologischen Wolfsjahr von der Geburt der Welpen bis zum Ende des ersten Lebensjahres.

Insgesamt 148 Wölfe wurden in dem Untersuchungszeitraum tot aufgefunden. Davon verendeten 102 durch Verkehrsunfälle. Bei 18 Wölfen war die Todesursache natürlichen Ursprungs, 13 Wölfe wurden illegal getötet. Bei acht Wölfen war die Todesursache unklar, und zwei Wölfe wurden im Rahmen von Managementmaßnahmen gezielt getötet. In fünf Fällen wird die Todesursache noch untersucht.

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Das BfN veröffentlicht jedes Jahr einen Bericht zu den Wolfsvorkommen in Deutschland, der auf den von den zuständigen Behörden der Länder gemeldeten Zahlen beruht. Dafür wurden mehr als 30.000 Hin- und Nachweise ausgewertet.

Zwei miteinander kämpfende Grauwölfe
Zwei miteinander kämpfende Grauwölfe Imago/Blickwinkel

Der in Deutschland einst ausgerottete Wolf breitet sich seit Ende der 1990er-Jahre wieder aus, was zu Konflikten vor allem mit Nutztierhaltern führt. Das streng geschützte Tier darf nur in Ausnahmefällen mit behördlicher Genehmigung gejagt oder eingefangen werden.

3374 Nutztiere wurden von Wölfen getötet oder verletzt

Denn auch die Zahl der Attacken auf Nutztiere, vor allem auf Schafe und Ziegen, hat zugenommen, wie RBB24 berichtet. Im Jahr 2021 wurden insgesamt 975 Angriffe von Wölfen mit 3374 verletzten, vermissten oder getöteten Nutztieren gemeldet. Im Vorjahr waren es nur 942.

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Für die Nutztierhalter gibt es in Deutschland allerdings in fast allen Bundesländern mit etablierten Wolfsvorkommen staatliche Zuschüsse für den Herdenschutz. Empfohlen werden Elektrozäune oder Hütehunde. Bundesweit sind dafür 2021 gut 16,6 Millionen Euro ausgegeben worden, heißt es in dem Bericht. Außerdem zahlten Behörden 2021 knapp eine halbe Million Euro Schadenersatz an Eigentümer von Nutztieren.