Besucher stehen in Berlin vor den Kassen am Tierpark. Als Dank für ihr gesellschaftliches Engagement gibt es für mehr als 10.000 Ehrenamtliche kostenlose oder ermäßigte Kultur- und Freizeitangebote. Foto:  Zinken/dpa

Berliner helfen Berlinern! Das ist nicht einfach irgendein Spruch, sondern es stimmt in der Corona-Zeit wirklich. Offizielle Zahlen belegen, dass  es immer mehr  Ehrenamtliche in der Stadt gibt. Der Senat schätzte die Gesamtzahl schon vor der Krise auf etwa 800.000. Mit Corona dürfte sie auch noch mal gestiegen sein. 

Berlin vergibt außerdem immer mehr Ehrenamtskarten an Helfer. „Wurden im Jahr 2018 noch rund 6400 Ehrenamtskarten an die Organisationen übergeben, so waren es im Jahr 2019 mit rund 12.000 etwa doppelt so viele“, schreibt der Senat in einer Antwort auf eine parlamentarischen Anfrage. Wer so eine Karte bekommen will, muss mindestens 200 Stunden im Jahr ableisten.

Karten-Inhaber bekommen derzeit bei 246 Organisationen in Berlin und Brandenburg Vergünstigungen. Beispielweise kriegen sie einen Rabatt in einigen Museen und Theatern der Stadt. Der Handballverein Füchse Berlin macht seine Tickets bei Heimspielen für Helfer um 30 Prozent günstiger. Der ADAC hat Extra-Angebote. Dazu können sie am jährlichen Aktionstag „Berlin sagt Danke“ an bis 175 kostenlosen oder ermäßigten Freizeit- oder Kulturveranstaltungen teilnehmen. Auch in diesem Jahr nutzten Hunderte das Angebot. Staatssekretärin Sawsan Chebli (41): „Die Leute sind stolz darauf, die Karte zu haben.“

Bernd Schlömer (FDP) hatte die parlamentarische Anfrage gestellt und die Antwort vom Senat bekommen. Er sagt: „In der Corona-Zeit sind Dutzende Initiativen entstanden und das ist sehr erfreulich.“ Er glaubt aber, dass diese Zahl noch ausbaufähig ist. Schlömer kritisiert, dass die BVG nicht als Partner einsteigt und seine Fahrkarte für Ehrenamtliche nicht günstiger macht. „Auch Car-Sharing oder Bike-Sharing sollten Rabatte anbieten. Der Senat muss mehr Anreize für junge Menschen schaffen, damit sie helfen“, sagt er.  

Allerdings gibt es sie: Die jungen Berliner, die jetzt helfen. Sebastian Bartels aus dem Baumschulenweg hatte zu Beginn der Pandemie einen Hilfe-Aufruf in seinem Kiez gesehen und sich sofort angeboten. Seit März geht Bartels für zwei ältere Damen einkaufen. „Die Kommunikation läuft ganz unkompliziert. Beide Nachbarinnen wurden von ihren Kindern mit Smartphones ausgestattet, sie schicken mir ihre Listen – oder wir telefonieren einfach.“ Beim Einkaufen gehe er gerne in Vorkasse, bringe den Bon mit und bekomme dann das Geld von den Damen zurück.

„Ich finde es gut, dass viele Leute so hilfsbereit und solidarisch sind. Und hoffentlich ist genug davon übrig, wenn die Corona-Krise vorbei ist“, sagt der junge Mann, der als Projektleiter arbeitet.

Die BVG denkt im Moment nicht darüber nach, dass Angebot für Helfer auszuweiten. Sprecherin Petra Nelken: „BVG und S-Bahn vergeben pro Jahr 17.000 Fahrscheine an den paritätischen Wohlfahrtsverband, die von dort an Ehrenamtliche vergeben werden.“ Weiter möchte man nicht gehen. Bernd Schlömer reicht das nicht. Er ist der Meinung, dass Berlin mit gezielten Rabatt-Angeboten auf BVG-Tickets noch mehr Ehrenamtliche bekommt als ohnehin schon.