Imker Sebastian Seusing bei der Übergabe von vier Tonnen mit dem Pflanzengift Glyphosat verseuchten Honigs am Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Berlin. imago/snapshot/F.Boillot

Viele wissen gar nicht, dass Honig oftmals mit dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat belastet ist. Jetzt gibt es möglicherweise ein bahnbrechendes Gerichtsurteil aus Brandenburg, das Verbraucher aufhorchen lässt. 

Es könnte ein Urteil mit Signalwirkung sein: Erstmals muss ein Agrarunternehmen einem Imker für mit Glyphosat belasteten Honig Schadenersatz zahlen. Doch Kläger und Naturschützer wollen mehr.

Im Prozess um die Klage eines Imkers wegen des Einsatzes des Unkrautvernichters Glyphosat muss das beklagte Agrarunternehmen vollumfänglich Schadenersatz leisten. Das Landgericht Frankfurt (Oder) verurteilte das Unternehmen am Montag dazu, dem Kläger rund 14.500 Euro für den entstandenen Schaden zu zahlen. Zudem muss es die Prozesskosten tragen.

Das Gericht entschied hierbei in einem Einzelfall. Die Bienenstöcke seien aus Sicht des Gerichts für jedermann sichtbar gewesen. Angesichts der Intensität der Kontamination sei eine Rechtswidrigkeit festgestellt worden, erläuterte ein Gerichtssprecher. Zudem habe das Agrarunternehmen fahrlässig gehandelt. Das Eigentum des Imkers sei verletzt worden. Gegen das Urteil können Rechtsmittel eingelegt werden.

Agrarunternehmen muss Schadenersatz an Imker zahlen

Die Entscheidung des Gerichts stütze seine Branche, sagte Kläger und Imker Sebastian Seusing der Deutschen Presse-Agentur. „Für alle Imker ist das eine neue Situation, sie können sich jetzt auf dieses Urteil berufen, und viele Imker werden sich trauen, ihren Honig überprüfen zu lassen oder gegen den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu klagen.“

Seusing hatte für seinen verunreinigten Honig Schadenersatz gefordert. Im Frühjahr 2019 hatte er seine Bienenkästen neben einer von dem Agrarunternehmen bewirtschafteten Fläche aufgestellt. Ende April 2019 behandelte die Firma die Fläche mit glyphosathaltigen Unkrautbekämpfungsmitteln.

Den glyphosatbelasteten Nektar beziehungsweise die belasteten Pollen trugen die Bienen in den Bienenstock. Wachs und vier Tonnen Honig mussten vernichtet werden. Seinen Betrieb hatte der Imker aufgeben müssen. Er arbeitet seitdem auf einem Biohof in Schleswig-Holstein.

Das Urteil sei ein wichtiges Signal an die Landwirte bei der Anwendung des Unkrautvernichters Glyphosat, für die es Beschränkungen gebe, sagte der Rechtsanwalt des Imkers, Georg Buchholz. „Man geht um mit Giftstoffen, man muss dafür sorgen, dass man niemanden schädigt, und potenzielle Geschädigte sind Imker, Bienen und Verbraucher“, machte er klar. Landwirte müssten dafür sorgen, dass umstrittene Pflanzenschutzmittel nicht in andere Lebensmittel gelangten.

Schadenersatz-Urteil für Imker hat einen Haken

Das Landgericht traf an diesem Montag allerdings keine generelle Entscheidung darüber, ob Landwirte bei einem Glyphosat-Einsatz grundsätzlich damit rechnen müssen, dass Bienenstöcke in der Nähe sind. Und ob Imker Landwirte informieren müssen, wenn sie Bienenwagen aufstellen, ist mit der Gerichtsentscheidung auch nicht geklärt.

Die Aurelia-Stiftung, die den klagenden Imker unterstützt, kritisierte das Urteil als Einschränkung einer Lösung für ein gravierendes Problem. Es gehe um grundlegende Fragen der Agrarpolitik, sagte der Vorstand der Stiftung, Thomas Radetzki. „Wir hätten uns gewünscht, dass die Richterin in ihrer Begründung schreibt, dass Bienen zur Landwirtschaft dazugehören und der Landwirt immer damit rechnen muss, dass das, was er spritzt, Bienen erreicht.“

Radetzki wies auf ein anderes Problem hin. Durch die intensive Landwirtschaft, die Pestizide in großen Flächen einsetzt, bewege sich der Imker auf „dünnem Eis“. 130.000 Freizeitimker gebe es in Deutschland, viele verkauften auch ihren Honig. Sie unterlägen dem Lebensmittelgesetz und müssten gewährleisten, dass das Produkt „verkehrsfähig“ sei, erklärte Radetzki.

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Wenn der Imker Anlass habe, eine Belastung anzunehmen, müsse er den Honig testen lassen, sonst mache er sich strafbar. „Wir brauchen eine Agrarwende“, forderte Radetzki auch deshalb. Die Anwendung von Pestiziden in blühenden Pflanzenbeständen müsste grundsätzlich verboten werden.