Uwe Holmer, Theologe und Pfarrer, hatte 1990 Erich Honecker bei sich aufgenommen. dpa/Bernd Wüstneck

Die Geschichte der brandenburgischen Siedlung Lobetal wäre ohne ihre Asylanten schwer zu schreiben gewesen. Jetzt wird eine dieser vielen Asylgeschichten fürs Fernsehen aufbereitet. Honeckers Unterbringung bei Pastor Uwe Holmer im Jahr 1990.

Nach 32 Jahren kommt ein besonderes Kapitel deutscher Geschichte ins Fernsehen – das Asyl des gescheiterten DDR-Staatschefs Erich Honecker (1912–1994) bei Pastor Uwe Holmer in Lobetal (Barnim). Der Film „Honecker und der Pastor“ soll Ende März im ZDF ausgestrahlt werden, sagte eine Sprecherin des Mainzer Senders.

Lobetal, das ist jener Ort vier Kilometer nördlich von Bernau, in dem über Jahrzehnte etliche Kirchenleute politisch Verfolgten Unterschlupf gewährten. Gegründet worden war Lobetal 1905 von Pfarrer Friedrich von Bodelschwingh. Der wollte sich auf einem gepachteten Gut um das Elend der Obdach- und Arbeitslosen von Berlin kümmern.

Ganz in der Nähe Spezialeinheiten der DDR-Truppen

Zur Zeit des Nationalsozialismus setzte sich Pastor Paul Gerhard Braune gegenüber der Reichskanzlei für den Schutz der „nicht-arischen“ Christen ein. Allerdings konnte er nicht verhindern, dass Juden aus Lobetal deportiert wurden.

Ganz in der Nähe der Siedlung sollen Spezialeinheiten der NVA zu DDR-Zeiten Guerilla-Truppen für Afrika und Südamerika ausgebildet haben, was bis heute nicht restlos geklärt ist.

Januar 1990: Der ehemalige Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker und seine Ehefrau Margot verlassen am frühen Morgen das Krankenhaus Charité in Ost-Berlin. dpa

Echte Berühmtheit erlangte Lobetal aber erst nach dem Mauerfall. Pastor Uwe Holmer ließ das Ehepaar Honecker vom 30. Januar an etwa zehn Wochen bei sich im Haus wohnen. Holmer war 1983 Leiter und Bürgermeister der Hoffnungstaler Anstalten Lobetal geworden, die sich vor allem um die Patienten des Lobetaler Fachkrankenhauses für Neurologie, Psychiatrie und Epileptologie kümmerten.

Ex-DDR-Chef Honecker wurde mit dem Tode bedroht

Für die Honeckers hatte sich der legendäre DDR-Rechtsanwalt Wolfgang Vogel eingesetzt. Vogel bat bei der Kirchenleitung Brandenburg um eine Bleibe für den am 18. Oktober 1989 abgesetzten Partei- und Staatschef und dessen Frau. Sie hatten keine Bleibe mehr, nachdem sie aus der Polit-Siedlung Wandlitz ausgezogen waren. Angeblich sei der kranke Erich Honecker von wütenden DDR-Bürgern mit dem Tode bedroht worden. Nach dem Einzug des prominenten DDR-Paars wurde das Haus des Pfarrers regelrecht belagert. Holmer selbst bekam es infolge seines Akts der Nächstenliebe mit Anfeindungen und wüsten Beschimpfungen zu tun.

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Vor diesem historischen Hintergrund hat das ZDF nun einen spannungsgeladenen Film gemacht. Bemerkenswert daran ist weniger die Filmförderung, die das Medienboard Berlin-Brandenburg übernahm. Bemerkenswert ist, dass Schauspieler Jan Josef Liefers Regie führte. Den DDR-Regierungschef Erich Honecker spielt Edgar Selge, seine Frau Margot wird von Barbara Schnitzler verkörpert.

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Und der heute 92 Jahre alte Pastor Holmer? Der ist offenbar ganz gerührt, dass die Tage von einst noch einmal wild aufflackern. Holmer sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Das Anliegen von damals ist im Film gut getroffen.“ Und: Die Unterbringung der Honeckers habe er bis heute nicht bereut. „Man sollte seine politischen Gegner nie so verachten, dass man später nicht mehr mit ihnen zusammenarbeiten kann“, so Holmer, der über die Ereignisse von damals ein Buch geschrieben hat („Der Mann, bei dem Honecker wohnte“, Hänssler Verlag).