Die angeklagte Mutter musste sich am Mittwoch vor Gericht verantworten. Pressefoto Wagner

Die Mutter nahm das zarte Handgelenk ihres kleinen Mädchens und setzte eine Messerklinge an. Vor Gericht weinte sie nun bittere Tränen.

Eine Frau, die bildhübsch ist und beruflich erfolgreich schien: Tanja U. (31, Name geändert), gelernte Fremdsprachensekretärin. Sie konnte auf ihre Mutter zählen, wenn sie Hilfe benötigte.

Am 13. Juli aber das Drama, das ihr damals zweijähriges Kind nur knapp überlebte. Mit einem Brotmesser griff sie die hilflose Tochter an: „Sie fügte ihr in Tötungsabsicht einen tiefen waagerechten Schnitt an der Innenseite des linken Handgelenks zu.“

Feuerwehr konnte die Kleine noch rechtzeitig retten

Das Mädchen blutete stark. Die Mutter schluchzend zum Richter: „Als ich sie blutend im Bett liegen sah, habe ich telefonisch Hilfe geholt.“ Die Feuerwehr habe ihre Kleine noch rechtzeitig retten können.

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Wie es zu dem Schnitt kam? Der Verteidiger: „Sie kann sich nicht vollständig erinnern.“ Und: „Sie ist sehr betroffen. Ihr Kind hat sie seitdem nicht mehr gesehen, aber sie telefonieren täglich.“

Tanja U. leidet seit einigen Jahren an Psychosen. Es habe mit dem Konsum von Cannabis begonnen – die Drogen könnten den Ausbruch der Erkrankung angeschoben haben. Sie sollte dann regelmäßig Medikamente nehmen.

Auf der Terrasse rauchte die Mutter einen Joint

Am Wochenende vor der Tat war sie mit der Kleinen bei ihrer Mutter, hatte aber ihre Tabletten vergessen. Als sie wieder zu Hause waren, habe sie erneut Stimmen gehört – „sie gingen nicht aus dem Kopf“.

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Nach dem Abend-Ritual – „essen, baden, warmer Kakao, kurzer Zeichentrickfilm“ – habe sie die Kleine ins Bett gebracht. „Dann ging ich auf die Terrasse, rauchte einen Joint.“ Danach habe sie die Stimmen „wegtrinken“ wollen – „ich konnte keinen klaren Gedanken fassen“.

Der Staatsanwalt strebt im Prozess um versuchten Totschlag die Unterbringung der Mutter in der Psychiatrie an. Fortsetzung: 14. Januar.