Kerstin Behrend vor und nach ihrem Gewichtsverlust Fotos: privat/Gerd Engelsmann

Sie steht in schwarzen Pumps vor dem Spiegel und dreht sich in ihrem roten Kleid. „Ich habe mich lange nicht mehr so gut gefühlt“, sagt Kerstin Behrend. Ausgerechnet im Jahr der Pandemie hat sie ein neues Leben begonnen. Die Mitarbeiterin des Berliner Senats hat in nur sieben Monaten 44 Kilo abgenommen. Eine Magenbypass-Operation hat ihr dabei geholfen.

Kerstin Behrend hat sich für ihre Wohnung einen Crosstrainer angeschafft, auf dem sie täglich trainiert, um fit zu bleiben.
Foto: Gerd Engelsmann

118 Kilo wog die 54-Jährige aus Lichtenberg, als sie sich dazu entschloss, etwas Gravierendes zu ändern. „Wenn ich an einem Schaufenster vorbei ging und dort meine Silhouette in den Scheiben sah, war ich entsetzt. Ich konnte mich selbst nicht mehr im Spiegel sehen“, sagt sie.

Hinzu seien gesundheitliche Probleme gekommen. Sie habe ständig Rückenschmerzen gehabt und auch ein Knie habe ihr weh getan. „Wenn ich schneller gegangen bin, habe ich stark geschwitzt und hatte sofort ein knallrotes Gesicht“, erinnert sich Behrend. Sie habe zunächst unzählige Diäten ausprobiert, doch sie hätten alle nicht geholfen und am Ende habe sie sogar noch mehr Gewicht drauf gehabt als vorher. 

Im März wagte Kerstin Behrend endlich den Schritt, sich an ein Adipositas-Zentrum zu wenden. Dort erfuhr sie von der Magenbypass-Operation. Bei dem Eingriff wird ein großer Teil des Magens und ein Stück des Dünndarms entnommen. Der Restmagen und der Restdünndarm werden wieder miteinander verbunden. Somit wird die Nahrungspassage verkürzt und es wird weniger Nahrung verdaut. Eine solche Operation wird nur bei schwerer oder krankhafter Adipositas durchgeführt.

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Kerstin Behrend ließ sich schließlich über die Methode im Helios-Klinikum Berlin-Buch beraten und bekam für Ende April einen Termin. Doch aufgrund der Einschränkungen in der Corona-Krise konnte die Operation nicht wie geplant vor Ort stattfinden.

Ihr behandelnder Arzt, Dr. Oliver Stumpf, Chefarzt Adipositas- und Metabolische Chirurgie, machte ihr aber den Vorschlag, ins Helios-Klinikum Zerbst nach Sachsen-Anhalt auszuweichen. Dort ließ sich Kerstin Behrend schließlich erfolgreich von dem Berliner Experten operieren. „Mit einem chirurgischen Eingriff kann man den Stoffwechsel verändern und dem chronisch kranken, adipösen Patienten helfen, ein gesünderes Leben zu führen“, erklärt Dr. Stumpf.

„Ich durfte die ersten Wochen nur flüssige Nahrung und Brei zu mir nehmen und war sechs Wochen krank geschrieben, aber es hat sich gelohnt“, sagt sie heute. Sei sei ein ganz anderer Mensch geworden und fühle sich in ihrer eigenen Haut endlich wohl.

Jeden Morgen steige sie nach dem Aufwachen zuerst auf die Waage, um ihr Gewicht zu überprüfen. 74 Kilo sind das gerade. Wie viele Kilos noch runter sollen? „Ich höre da genau in meinen Körper hinein und denke bei 60 Kilo soll Schluss sein“, verrät sie. Das Schöne an ihrem neuen Leben sei, dass sie endlich Röcke und Kleider tragen könne und hochhackige Schuhe. Sie werde jetzt ganz anders wahrgenommen, wenn sie auf die Straße ginge. „Ich war schon immer ein Pummelchen und hatte das Gefühl, dass mich die Menschen komisch ansahen“, erzählt sie. 

Dennoch sei die Gewichtsreduzierung trotz Operation dauerhaft nur mit sehr viel Selbstdisziplin möglich, schildert Behrend. Zwar habe sie ein viel geringeres Hungergefühl als früher und esse viel weniger, aber sie achte auch sehr auf ausgewogene und regelmäßige Mahlzeiten am Tag. „Vor meiner Operation habe ich oft nur einmal am Tag gegessen und hatte dann richtige Fressanfälle. Heute esse ich lieber bis zu fünf kleine Portionen am Tag.“  Es gebe Tage, da könne sie noch nicht mal mehr eine ganze Mini-Pizza oder eine Scheibe Toastbrot auf einmal esse.

Im März kommenden Jahres wird Kerstin Behrend ihren Lebensgefährten André heiraten, mit dem sie seit zehn Jahren zusammen ist. Der Hochzeitstermin habe ihr einen besonderen Motivationsschub gegeben. „Wenn ich heirate, dann möchte ich mich auch in meinem Kleid wohlfühlen. Das war mir immer klar“, so Kerstin Behrend. Sie ist glücklich mit ihrem neuen Leben, wie sie sagt und freut sich auf die Zukunft.