Dietmar Glombitza kämpft seit Jahren vor dem Berliner Sozialgerecht in Moabit für ein selbstbestimmtes Leben. Foto: Gerd Engelsmann

Der Kraftakt ist noch nicht vorüber. Dietmar Glombitza wurde wegen eines Arterienverschlusses der linke Oberschenkel amputiert. Seitdem versucht er, sich trotz seines Handicaps zurück ins gesellschaftliche Leben zu integrieren. Immer wieder wurden ihm dabei ausgerechnet von den Behörden Steine in den Weg gelegt. Sein Rententräger hatte ihn gegen seinen Willen zwangsberentet, doch der 60-Jährige aus Kladow hatte erfolgreich dagegen geklagt. Nun kämpft er darum, dass ihm seine Krankenkasse endlich eine alltagstaugliche Prothese bezahlt. 

Dietmar Glombitza ist ein positiv denkender Mensch, der auch nach seinem schweren Schicksalsschlag keine Mühen scheute, sich selbst wieder für den Arbeitsmarkt tauglich zu machen. Doch obwohl er bereits wieder in Vollzeit als Fahrer im brandenburgischen Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft angestellt war und die Probezeit bestanden hatte, hob sein Rententräger, die Knappschaft-Bahn-See, seine Zwangsberentung erst nach Glombitzas erfolgreicher Klage Anfang Januar vor dem Berliner Sozialgerecht auf. 

Dietmar Glombitza arbeitet trotz seines Handicaps als Fahrer im Ministerium in Potsdam. 
Foto: Markus Wächter

Nun könnte diese Geschichte an dieser Stelle zu Ende sein, aber Glombitza muss sich weiter streiten. In dem weiteren Rechtsstreit, den er mit seiner Krankenkasse, der Knappschaft-Bahn-See, führt, geht es um eine alltagstaugliche Prothese. Denn mit der bisherigen ist nur eine Grundversorgung gesichert. „Ich kann damit keine Treppen steigen, keine längeren Spaziergänge machen und auch nicht Fahrrad fahren, weil sie nur auf glatten Oberflächen greift“, sagt er. Deshalb stürze er mit dem neuen Bein auch immer wieder schwer. Hinzu käme, dass er starke Rückenbeschwerden wegen seines schlechten Gangbildes habe und die Prothese immer wieder kaputt gehe. „Alle zwei bis drei Monate reißen die Gelenkbänder und ich stehe wieder beim Orthopädietechniker zur Reparatur auf der Matte.“

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Es gäbe aber eine Lösung, die Dietmar Glombitza den Alltag erheblich erleichtern könnte und mit der er all die oben genannten Dinge wieder machen könnte, doch die wäre kostspielig: eine sogenannte „Rheo XC Prothese“, die ihm ein Gutachter empfohlen hat und die rund 35.000 Euro kosten soll. Dietmar Glombitza hatte sie schon einmal zwei Wochen Probe getragen. Mit gutem Ergebnis. Doch seine Krankenkasse weigert sich, ihm diese Prothese zu finanzieren. Aus diesem Grund stand der Chauffeur in der vergangenen Woche erneut vor Gericht: „Meine Anwältin sagt, dass die Chancen gut stehen, dass ich auch diese Klage gewinne“, sagt er dem KURIER. Die Richterin habe der gegnerischen Partei noch einmal Gelegenheit eingeräumt, die Entscheidung zu überdenken. Dazu soll Glombitza die „Rheo XC Prothese“ zunächst sechs Wochen zur Probe tragen, damit sich seine Krankenkasse erneut ein Bild davon machen kann. „Der Orthopädietechniker wird mich dann im Alltag begleiten und mich damit filmen, um für die Krankenkasse alles zu dokumentieren“, erklärt er. Seine Krankenkasse selbst wollte sich bislang gegenüber dem KURIER nicht öffentlich zum laufenden Verfahren äußern. 

Dietmar Glombitza hofft, dass über seine Klage gegen den Ablehnungsbescheid seiner Krankenkasse schnell und vor allem positiv für ihn entschieden wird, damit er endlich wieder ein normales Leben führen kann. So wie vor seiner schweren Erkrankung 2016, wie er sagt. Er habe große Sorge, dass die Krankenkasse den Prozess nun bewusst verzögert. Das wäre sehr tragisch, da er schon genug gelitten habe. Zudem führe er auch noch ein weiteres Verfahren wegen Amtspflichtverletzung gegen den Rententräger aufgrund seiner monatelangen Zwangsberentung. „Meine Frau leidet seit Jahren mit unter meinen erheblichen Belastungen. Ich hoffe, dass wir bald mal zur Ruhe kommen können“, so Dietmar Glombitza. Solange wolle er weiter kämpfen. Für ein selbstbestimmtes Leben.