Christine Stüber-Errath überreicht Hilde Lehmann die WM-Medaille. Um ihrer Freundin zum 105. ohne Gefahr gratulieren zu können, hatte der DDR-Eiskunstlauf-Star vorab einen Corona-Schnelltest gemacht. 

Foto: Wächter

Auf ein Käffchen wollte sich der KURIER mit Christine Stüber-Errath (64) treffen. Eine Jubelparty wurde es. Der DDR-Eiskunstlauf-Star lotste uns am Donnerstag zum Charlottenburger Wilhelm-Stift, wo Hilde Lehmann 105 Jahre alt wurde. Unter Einhaltung aller Corona-Abstandsregeln hatte Stüber-Errath vorm Eingang der Senioren-Residenz eine kleine Geburtstagsfeier im Freien für die Jubilarin mitorganisiert. „Mit Hilde verbindet mich eine besondere Freundschaft. Sie ist mein großes Vorbild.“

Vor dem Heim spielt  Leierkastenfrau Jubel-Jette „Hoch sollst du leben“, als das Geburtstagskind mit Tochter Sabine (76) erscheint. Bekannte, Freunde sind gekommen. Sogar Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) ist da, überreicht Glückwünsche der Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und des Regierenden Bürgermeisters – und eine Flasche Wein als Geschenk.

Freudentränen gibt es, als Hilde Lehmann die goldene Weltmeister-Medaille von Stüber-Errath als Präsent erhält, die sie bei der Eiskunstlauf-WM 1974 in München erkämpft hatte. Dieser Titel war der größte Triumph in der Karriere des Eis-Stars. „Hilde hat sich die Medaille verdient. Was sie für den Sport geleistet hat, ist weltmeisterlich.“

2018 bei einer Weihnachtsfeier: Christine Errath und Hilde Lehmann haben viel Spaß auf dem Eis. Foto: Patrick Hennigs

Die Jubilarin erzählt, dass sie ein begeisterter Eis- und Rollschuhkunstlauf-Fan ist. „Schon als Kind liebte ich es, mich mit Schlittschuhen elegant auf dem Eis zu bewegen“, sagt sie. „Leider geht das meist nur im Winter. Daher gefiel mir das Rollschuhlaufen besser, das kann man fast immer.“

1949 kam Lehmann, geboren in Freiberg/Elster (Brandenburg), zum Sportclub Charlottenburg (SCC). Ein Profi, der um Titel kämpfte, wurde sie nicht. Dafür arbeitete sie im Verein über 37 Jahre lang als Übungsleiterin, trainierte Mädchen und Jungen, brachte ihnen die hohe Kunst des Schlittschuh- und Rollschuhlaufens bei - alles ehrenamtlich, neben ihrem Beruf als Verkäuferin.

Hilde Lehmann lebt für den Sport. Noch im hohen Alter lief sie Roll- und Schlittschuh, unterstützte den SCC bei Veranstaltungen. „Mit über 90 Jahren half Mama als Streckenposten beim Berlin-Marathon mit“, sagt Tochter Sabine. Die Jubilarin ergänzt: „Ich habe nicht nur für die Versorgung der Läufer gesorgt, sondern auch so einige von ihnen getröstet, wenn es bei ihnen nicht so gut lief. ,Dabeisein und Kämpfen ist das Wichtigste‘, sagte ich immer.“

Auf einer Eisfläche nahe der Avus: Hilde Lehmann als junge Frau mit ihrer Tochter Sabine beim Schlittschuhlaufen. Foto: privat

Die Liebe zum Eislauf führte dazu, dass  Lehmann und Stüber-Errath sich vor zehn Jahren kennenlernten. „Hilde kam 2010 in die Kulturbrauerei, als mein Buch ,Die Pirouettenkönigin‘ Premiere feierte, in dem es um meine Trainerin Inge Wischnewski ging. Hilde kannte Inge, hatten sich in den 50er-Jahren auf Rollschuhlauf-Veranstaltungen getroffen.“

Christine Stüber-Errath und Hilde Lehmann sind beste Freundinnen. „Ich möchte so werden wie sie“, sagt der DDR-Eislauf-Star. „Es ist toll, wie Hilde noch im hohen Alter für andere da sein will und kämpft, statt aufzugeben.“ Erst jetzt bewies die Jubilarin, dass sie eine Kämpfernatur ist. „Kurz vor Weihnachten erkrankte Hilde schwer an Corona und schaffte es, das Virus zu besiegen“, sagt Stüber-Errath.