Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Berlins Regierender Michael Müller eröffnen das Humboldt Forum. Sabine Gudath

Der barocke Teil des Baus ist ebenso umstritten wie seine glatten Betonfassaden. Zudem fliegen dem Humboldt Forum in Berlin schon zur Öffnung seine kolonialen Raubgüter um die Ohren. Sechs Ausstellungen sollen nun mit Inhalten überzeugen.

Soviel Preußen war lange nicht im Herzen Berlins. Der zentrale Lustgarten auf der berühmten Museumsinsel ist nun wieder umgeben von den Mauern des historischen Systems: das Zeughaus, jetzt Hülle für das Deutsche Historische Museum, war einst Waffenarsenal des Militärs. Das Alte Museum steht für die Künste, der Berliner Dom für die Einbindung von Kirche und Religion in absolute Herrschaft. Die Fassade des Stadtschlosses der Hohenzollern markierte den Machtanspruch weit jenseits demokratischer Strukturen. Das ist nun die umstrittene Außenfront des am Dienstag eröffneten Humboldt Forums.

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Kaum weniger Kritik gibt es an den ebenso glatten wie einförmigen Betonflächen, mit denen der italienische Architekt Franco Stella die modernen Teile des 680 Millionen Euro teuren Zentrums für Kunst, Kultur und Wissenschaft gestaltet hat. Sollte es die Corona-Situation irgendwann mal zulassen, können täglich rund 10. 000 Besucher statt aktuell etwa 2400 ins Humboldt Forum geschleust werden. Die dafür notwendige Infrastruktur mit großen Eingängen, weiten Räumen, breiten Gängen und, ja, Rolltreppen hat schon häufig die Assoziation einer Shopping-Mall hervorgerufen.

Das Humboldt Forum ist endlich fertig. Kosten: 680 Millionen Euro Imago/Zeitz

Zur Eröffnung sprach Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) von einer „Arena der demokratischen Streitkultur“, in der „die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte bald eine zentrale Rolle spielen“ werde. Generalintendant Hartmut Dorgerloh will einen „Austragungsort gesellschaftlicher Debatten und Konflikte“, an dem Menschen Dinge in Bewegung setzen und grundlegende Verständigungsprozesse anstoßen.

Für den Neubau musste der Palast der Republik weichen

Um den Ort wird seit fast drei Jahrzehnten gestritten. Hier wuchs aus einer Sumpfwiese ein Stadtteil, Dominikaner errichteten ein Kloster, erst gab es ein Renaissance-, dann das Barockschloss. Die DDR-Oberen sprengten 1950 die Schlossruine, das wiedervereinigte Deutschland entsorgte den asbestverseuchten Palast der Republik.

Für die nun vollendete Bebauung sammelten Schlossfans rund 100 Millionen Euro. Stella baute damit barocke Fassaden an drei Außenseiten, im großen Schlüterhof sowie dem Portalteil des Foyers. Zwischen den Insignien preußischer Macht wie Kronen und Adler sind vereinzelt dunklere Stellen im Stein zu finden - die wenigen originalen Überreste des alten Schlossbaus.

Nach zunächst bau-, dann coronabedingt mehrfach verschobener Eröffnung  werden die Türen in drei Etappen aufgesperrt. Zunächst warten im historischen Keller, im Erdgeschoss und in der ersten von drei Etagen sechs Ausstellungen, für die ersten 100 Tage alles ohne Eintritt. Neben der Sonderausstellung „schrecklich schön. Elefant - Mensch - Elfenbein“ gibt es fünf weitere Präsentationen: unter anderem  die „Berlin Global“-Ausstellung von Stadtmuseum und „Nimm Platz!“ als Ausstellung für Kinder.