Sonntag am Berliner Müggelsee: Die Polizei fordert in Lautsprecherdurchsagen Menschen auf, die Eisfläche zu verlassen. Foto:

Es ist kalt, viele sind froh, dass sie ihre Corona-Spaziergänge auf Alternativrouten verlegen können: auf das Eis der Seen und Flüsse, das auch in den kommenden Tagen trotz Tauwetters relativ geschlossen bleiben dürfte. Soweit so ungut. Ein Vorkommnis vom Wochenende zeigt jedoch, in was für einer merkwürdigen Gesellschaft wir mittlerweile leben. Um die Spaziergänger vom Eis des Müggel-, des Lietzen- und des Schlachtensees zu vertreiben, setzte die Polizei erstmals ihren Hubschrauber ein, mit dem sie im Tiefflug Lärm, Wind und Schneetreiben erzeugte, verbunden mit der Lautsprecherdurchsage, man möge bitte das gefährliche Eis verlassen.

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Dafür haben die Ordnungshüter derzeit freie Kapazitäten. Denn wegen Corona müssen sie keine Anreisen von Fußballfans begleiten, keine Veranstaltungen betreuen; und auch Großdemos gab es am Wochenende nicht. Polizei und Feuerwehr belassen es nicht mehr bei ihren – berechtigten – Warnungen, die Eisflächen zu betreten. Obwohl Gefahrenabwehr eine Staatsaufgabe ist, drängt sich im Rotorengeknatter der Gedanke auf, dass die Polizei zum Sicherheitsorgan eines ausufernden Nanny-Staates wird, der die Menschen vor sich selbst beschützen will, so wie er sie schon in Bezug auf gesundheitsschädliche Gewohnheiten reglementiert.

Das kann man berechtigt finden, muss es aber nicht, will man nicht in einem Helikopterstaat leben, der einem vorschreibt, welche Risiken man nicht eingehen darf. Der Autor dieser Zeilen wagte sich am Wochenende nicht auf das knackende Eis und sah entsetzt, wie viele Leute arglos dort herumspazierten - manche bis dicht an die Fahrrinne der Berufsschifffahrt und das unverantwortlicherweise mit ihren Kindern. Doch wie bei der Corona-Achtsamkeit gilt auch hier das Prinzip Eigenverantwortung. Der Helikopter kann da wenig helfen.