Flüchtlinge im Winter

Hotels und andere Herbergen in Berlin: Senat sucht verzweifelt Unterkünfte für Geflüchtete

Jeden Tag kommen Hunderte Menschen an, doch in Berlin sind Unterkünfte Mangelware. Katja Kipping sucht Alternativen. Vor Weihnachten droht eine neue Unterbringungskrise. 

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Katja Kipping (Die Linke), Sozialsenatorin Katja Kipping  bei einer Pressekonferenz im Ukraine-Ankunftszentrum Tegel, Terminal C, im ehemaligen Flughafen Tegel. 
Katja Kipping (Die Linke), Sozialsenatorin Katja Kipping bei einer Pressekonferenz im Ukraine-Ankunftszentrum Tegel, Terminal C, im ehemaligen Flughafen Tegel. Carsten Koall/dpa

Für die Unterbringung von täglich mehreren Hundert neu in Berlin ankommenden Geflüchteten insbesondere aus der Ukraine sucht Berlins Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke) dringend Unterkünfte. „Wir wissen nicht, wann es wieder einen sprunghaften Anstieg der Wintermigration aus der Ukraine gibt“, sagte sie am Donnerstagmorgen im RBB-Inforadio. „Deswegen haben wir alle Verantwortlichen zusammen geholt.“

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Kontakt gebe es demnach auch mit dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, um herauszufinden, wo etwa geschlossene Hotels genutzt werden könnten. „Und wir haben Hotels angeschrieben und gefragt, wo können wir kontingentweise 50 bis 100 Menschen rein bringen“, sagte Kipping. Hier gebe es erste Erfolge.

Wenn Tegel wegfällt, gibt es Probleme

Sorge bereitet der Senatorin der voraussichtliche Wegfall von bis zu 1900 Unterkunftsplätzen in den Terminals A und B des früheren Flughafens Tegel. Auf diese zu verzichten sei „verdammt schwierig“, sagte sie. In die Terminals soll ab dem kommenden Jahr die Hochschule für Technik umziehen. „Der jetzige Stand ist, dass wir bis mindestens Mitte Januar dort bleiben können“, sagte Kipping. „Für alles weitere gibt es noch keine Einigung im Senat.“

Terminal C des Ukraine-Ankunftszentrums Tegel, im ehemaligen Flughafen Tegel. 
Terminal C des Ukraine-Ankunftszentrums Tegel, im ehemaligen Flughafen Tegel. dpa/Carsten Koall

Unterkünfte in Turnhallen schloss die Senatorin aus. Diese Orte wolle der Senat nicht dem Schulsport entziehen. „Deswegen unternehmen wir alles, überall zu schauen, wo man noch andere Unterkünfte akquirieren kann.

Demnächst sollen in Containern, die in Hangars des alten Flughafens Tempelhof aufgebaut werden, weitere 800 bis 900 Plätze entstehen. Doch diese reichen nicht aus, wenn jeden Monat 6000 Menschen nach Berlin kommen, wie de Sprecher des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten, Sascha Langenbach sagt. 

Personalmangel verschärft die Lage im LAF

„Land unter.“ So beschreibt Anne-Marie Braun vom Verein „Schöneberg hilft“ die Lage gegenüber dem rbb. 95 Prozent der Menschen würden derzeit nach einer Unterkunft fragen. Auch kämen immer öfter Klagen aus den Massenunterkünften an, erklärt Braun dem rbb.  „‚Hilfe, wir sind schon drei Wochen hier!‘, ‚Hilfe, hier brennt 24 Stunden am Tag Licht!‘, ‚Hilfe, ich habe Morbus Crohn, Diabetes!‘, ‚Hilfe, ich habe vier Kinder!‘" - Das sei einfach eine scheußliche Situation.

Ein weiteres Problem ist die knappe Personallage beim LAF: man kommt mit der Registrierung der Asylsuchenden nicht nach. Auch hier gibt es viele Krankmeldungen. 1.800 Registrierungen liegen noch unbearbeitet. Sozialsenatorin Kipping hat alle Mitarbeitenden ihrer Verwaltung gebeten, wenn möglich freiwillig im LAF auszuhelfen.