Der Frauen-Quäler (links) sitzt am Donnerstag vor Gericht. Vor ihm steht ein Dolmetscher. Pressefoto Wagner

Mit letzter Kraft erreichte sie das Fenster – geknebelt, gefesselt, bestialisch verstümmelt. Mehr als neun Jahre nach der Tat steht ihr Ex-Freund vor Gericht.

Es geht um versuchten Mord in zwei Fällen – grausam begangen. Brüste und Nase wurden der Frau abgeschnitten, ihr Genitalbereich verunstaltet. Ihre Tochter wollte er aus Sicht der Anklage verdursten lassen.

Omid R. (54) auf der Anklagebank: Langer Vollbart, Haare zum Zopf gebunden. Geboren im Irak, sein Pass niederländisch. IT-Techniker gab er als Beruf an.

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Der Frauen-Quäler war wegen Gewalt gegen seine Ex-Ehefrau vorbestraft

Mit der Iranerin Banafshe K. war er für kurze Zeit zusammen. Sie, damals 36 Jahre und Mutter einer zehnjährigen Tochter, trennte sich. Omid R. – wegen Gewalt gegen seine Ex-Ehefrau vorbestraft – rächte sich laut Anklage grausam.

Der Staatsanwalt: „Er wollte sie ihrer Attraktivität und ihrer Weiblichkeit berauben.“ Schweres Leid habe er ihr zufügen wollen – aus Eifersucht und erbost über die Trennung.

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Am Morgen des 30. Oktober 2012 drang er laut Anklage in die Wohnung der Iranerin in Schöneberg ein, fesselte und knebelte sie, umwickelte das Gesicht auf Mund-Höhe mit Klebeband.

Auch ihre Tochter wurde gefesselt und geknebelt. Das Mädchen lag dann eingesperrt in einem anderen Zimmer, als ihre Mutter beinahe zu Tode gefoltert wurde. R. soll angekündigt: „Wenn ich dich nicht haben kann, soll dich keiner haben.“

Opfer ist Nebenklägerin im Prozess gegen den Frauen-Quäler

Die Frau, deren Hände und Füße verschnürt waren, soll R. auf das Bett geworfen, vergewaltigt haben. Dann habe er ein scharfes Küchenmesser genommen – „er schnitt ihr erst die Brüste, dann die Nasenspitze und zuletzt den äußeren Schambereich ab“, so der Staatsanwalt.

Omid R. habe Fenster und Türen verrammelt, sei dann in der Überzeugung gegangen: Mutter und Tochter könnten sich nicht selbst retten. Die verunstaltete Frau würde die Verletzungen nicht überleben, ihre Tochter verdursten.

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Die Iranerin ist Nebenklägerin im Prozess, wird durch Anwalt Roland Weber vertreten. Sie habe einen „unbändigen Lebenswillen“, sagte er vor dem Saal. Deshalb habe sie überlebt. Und weil ein Radfahrer reagierte. „Und wegen der überragenden medizinischen Hilfe.“ Dutzende Operationen habe sie hinter sich bringen müssen. Dank der plastischen Chirurgie in Berlin „ist die abgeschnittene Nase sehr gut rekonstruiert“.

Der irre Frauen-Quäler wurde im Iran festgenommen

Gegen 17.45 Uhr war es der lebensgefährlich Verletzten gelungen, ans Fenster zu gelangen. Ein Radfahrer nahm sie wahr, sah das blutverschmierte Gesicht und holte Hilfe.

Polizisten sagten nun als Zeugen aus. Sie müssen die entsetzlichen Bilder beschreiben. Eine Polizistin: „Die abgetrennten Körperteile waren nicht mehr in der Wohnung.“

R. soll in den Iran geflohen sein. Dort wurde er festgenommen und auch wegen der Taten in Berlin verurteilt. Im Mai 2019 kam er frei, im März 2020 Flucht in die Niederlande und Festnahme im Fall der Verstümmelung. R. konterte: Er sei dafür bereits verurteilt, dürfe nicht doppelt bestraft werden. Doch im Juli 2021 dann seine Auslieferung nach Deutschland. Seine Anwälte: „Derzeit äußert er sich nicht.“ Fortsetzung: 27. Januar.