Auktionator Andreas Thies zeigt die Ordenskette der weißen Rose von Finnland für Staatsoberhäupter aus dem Besitz Erich Honeckers. Für dieses Objekt wurde bei der Versteigerung der höchste Preis erzielt.  Foto: dpa/Tom Weller 

Die DDR ist seit mehr als 30 Jahren Geschichte, ihr oberster Repräsentant Erich Honecker schon seit 1994 tot. Doch der Handel mit dem Bling-Bling aus Ost-Zeiten und aus Honeckers Nachlass erfreut sich anhaltend großer Beliebtheit. Am Sonnabend versteigerte ein Auktionshaus in Baden-Württemberg ein buntes Sammelsurium an Devotionalien aus Margots und Erichs Erbe.   
120.000 Euro hat das Auktionshaus Thies in Kirchheim unter Teck nahe Stuttgart bei der Versteigerung von Devotionalien des früheren DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker erzielt. Die höchste Summe entfiel dabei auf eine Ordenskette der weißen Rose von Finnland für Staatsoberhäupter, wie Auktionator Andreas Thies mitteilte. Für 8500 Euro ging das Modell eines Segelschiffes weg, das der Emir von Kuwait Honecker geschenkt hatte. Etwa 20 Objekte – darunter viele Orden - kamen in der Online- und Telefon-Versteigerung unter den Hammer. 

Erich Honecker hatte die Schätze kurz vor seinem Tod verkauft 

Thies zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis. "Das ist mehr als ich erwartet habe." Der gebürtige Saarländer Erich Honecker war 1994 in Chile gestorben. Kurz vor seinem Tod hatte er die Erinnerungsstücke einem nicht aus Deutschland stammenden Mann verkauft. Dieser auch nicht mehr ganz junge Kunde habe ihm die historische Sammlung in Kommission gegeben, da sich in dessen Familie niemand dafür erwärmen könne, sagte Thies.

Er betonte, nach einem aus seiner Sicht erfolgreichen Rechtsstreit mit dem Bund bestünden keinerlei Ansprüche an den Objekten. Das gelte auch für etwa 80 weitere, die er im Frühjahr 2021 versteigern wolle. Nach Angaben von Thies erlaubte die Corona-Verordnung für die Veranstaltung 15 Besucher: "Wir haben den Zugang beschränkt auf Kunden, die auch ernsthaft mitbieten." Die Versteigerung konnten Zuschauer auch auf der Webseite verfolgen. Der Auktion war ein Rechtsstreit mit dem Bund zugunsten von Thies vorausgegangen. Da aus Sicht der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben nicht ausgeschlossen werden konnte, dass es sich bei den Gegenständen um ehemals volkseigenes Vermögen handele, war zuvor ein Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gestellt worden.  

Die Orden gehören ins Museum 

Auch der Anwalt und letzte DDR-Innenminister Michael Diestel missbilligt derartige Auktionen. Dem KURIER sagte er in einem Interview: "Die Orden gehören ins Museum und nicht in den Handel." Diestel findet: Ob Karl-Marx-Orden oder Held der DDR: "Die Auszeichnungen, die Honecker oder andere erhielten, sind Bestandteil der deutsch-deutschen Geschichte."

Das Verleihen vor Orden und Ehrenzeichen zu Jubiläen und Festtagen gehörte in der DDR zu den immer wiederkehrenden Ritualen. "Es gab eine regelrechte Ordensschwemme", weiß der Historiker Stefan Wolle vom DDR-Museum in Berlin. In dem 1983 in Leipzig erschienenen Taschenlexikon "Orden und Medaillen der DDR" sind 127 staatliche Auszeichnungen aufgelistet, hat Wolle recherchiert.

Andreas Thies hält in seinem Aktionshaus eine Platte, auf der eine Ordenskette der weißen Rose von Finnland für Staatsoberhäupter und verschiedene Auszeichnungsmedaillen der DDR aus dem Besitz Erich Honeckers liegen. Daneben steht ein Modell eines Segelschiffes, welches ein Geschenk des Emir von Kuweith an Honecker war. Foto: dpa/Tom Weller