Doris Hollnagel (65) fertigt in ihrem Galerie-Cafe leckere Kuchen für die Gäste. Von ihrer Blindheit lässt sie sich dabei nicht irritieren. Foto: Gudath 

Dass alle Welt bei Holly anhält, um ihren leckeren Kuchen zu probieren, ist Segen und Fluch zugleich. Die 65-Jährige steht den lieben langen Tag in der Küche und backt und backt, und wenn sie ihr kleines Garten-Café am Spree-Radweg um 17 Uhr zuschließt, ist sie fix und fertig. Doch aufhören und sich zur Ruhe setzen? Das kommt für die 65-jährige Doris Hollnagel nicht in Frage.

„Ich sag du zu dir, wie zu allen meinen Gästen“, stellt Holly gleich klar, als sie aus ihrer Küche im Hof in der Schulstraße in Hartmannsdorf kommt. „Ich sehe dich ja eh nicht.“ Die zehn bis vierzehn Sorten Blechkuchen am Wochenende, die sie für ihre Gäste zaubert, sind schon unter normalen Umständen eine Herausforderung. Für jemanden, der sie blind backt, umso mehr.

Doris Hollnagel lässt nichts anbrennen, wenn es um ihre Kuchengäste geht. Foto: Gudath 

Doch genauso wenig wie es heute in Frage kommt, nicht zu backen, wollte sich Holly einigeln, als sie mit gerade mal 40 Jahren  in Rente gehen musste. Die Augen machten da schon nicht mehr richtig mit. Doris Hollnagel leidet am Grünen Star, mittlerweile sieht sie fast gar nichts mehr.

Doch in ihrer Küche kennt sie sich aus, weiß wo sich die Butterpäckchen im Kühlschrank stapeln, wo sich Mehl und Hefe befinden. Auch die Maisstärke für den glutenfreien Kuchen hat sie sofort parat. Seit zehn Jahren liegen die Zutaten für ihre Köstlichkeiten immer an der gleichen Stelle.

Das Durchhalten hat sie von ihrem Vater gelernt. Ein Zimmermann, der ebenfalls erblindete. Auch er machte einfach weiter, ließ sich nicht unterkriegen. „Ich möchte zeigen, dass man auch als Behinderte mitten im Leben stehen kann, nicht nur sein Schicksal betrauert.“, sagt Holly. Weil sie nicht mehr ohne Hilfe vom Hof kann, holt sie sich eben die halbe Welt nach Hartmannsdorf. Gäste aus Australien, Korea, Südafrika waren schon da. „Mein Mann ist ein eher schweigsamer Typ“, sagt Holly, sie aber genieße den Kontakt mit den Vorbeikommenden. Hollys Sohn Christian unterstützt sie dabei und sorgt sich immer öfter um seine Mutter, die manchmal schon um vier Uhr früh in der Küche steht. „Nicht, dass es ihr doch irgendwann zu viel wird“, sagt er. Unter der großen Buche, die Hollys Oma vor über 100 Jahren pflanzte, hat Doris Hollnagel nicht lange Ruhe. Die ersten Gäste kommen, sie muss noch einen Teig rühren.

Obstkuchen vom Blech, immer drei, vier Stück Kuchen und Kaffee reicht Sohn Christian aus der Küche. Für fünf Euro. Holly’s Café Dienstag 10 bis 17 Uhr, Montag ist für Holly Ausruhtag

Holly's Galeriecafé, Schulstraße 2, 15528 Spreenhagen