Die Hoffnungen auf die Corona-Selbsttests sind groß - aber was können die Tests überhaupt leisten? Foto: Imago/Martin Wagner

Sonniges Wetter, offene Biergärten, Osterurlaub am Strand oder in den Bergen - wie schön könnte das Leben im Frühling sein, denken gerade wohl viele. Wäre da nur nicht der Corona-Lockdown. Um Öffnungen möglich zu machen und abzusichern, sollen auf breiter Front deutlich mehr Tests kommen, die nicht erst ins Labor geschickt werden müssen: Kostenlose Schnelltests durch geschultes Personal etwa in Praxen oder Apotheken und dazu Selbsttests zur Anwendung direkt für zu Hause. Die Hoffnungen sind groß - aber was können die Tests überhaupt leisten?

Was hat die Politik vor?

Das erklärte Ziel lautet: Öffnungen und Tests verbinden. „Eine intelligente Öffnungsstrategie ist mit umfassenden Schnelltests, gleichsam als Freitesten, untrennbar verbunden“, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Wie das gehen soll, will sie mit den Ländern am kommenden Mittwoch festlegen. Ein Start am 1. März, den Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schon verkündete, kommt nicht. Merkel sagt: „Es wird aber im März sein.“

Was verspricht die Politik den Menschen perspektivisch?

Seit Tagen immer lauter konkrete Öffnungsschritte - obwohl sich die ansteckendere Virusvariante, die London im Winter lahmlegte, weiter ausbreitet. Am Donnerstag gab es mit 11.869 gemeldeten Neuinfektionen binnen eines Tages 1662 mehr als eine Woche zuvor. Die Zahl der neuen Fälle pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen stieg auf 62. Allerdings sollen jetzt auch die Impfungen stark anziehen. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte der Rheinischen Post: „Ich gehe davon aus, dass wir im Sommer wieder im Biergarten sitzen können und die nächste Bundesliga-Saison auch wieder im Stadion verfolgen werden.“

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Was sagen Verantwortliche in den Bundesländern?

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hofft auf eine bundesweit einheitliche Regelung zur vorsichtigen Öffnung der Gastronomie und des Tourismus - auch im Zuge der besseren Verfügbarkeit von Schnelltests. Niedersachsens Wirtschaftsminister und Vize-Regierungschef Bernd Althusmann (CDU) setzt auf Impfen und Testen und dadurch eine vorsichtige Öffnung des Tourismus zu Ostern.

Warten die Bundesländer bis zu einer gemeinsamen Linie ab?

Nicht überall. Das Saarland kaufte bereits 2,5 Millionen Selbsttests, Berlin 2 Millionen. Laien müssen dafür einen Abstrich vorn in der Nase machen. Zum Beispiel Schülerinnen und Schüler sollen sie verwenden. Schnelltests mit tieferen Abstrichen durch geschultes Personal kommen in Berlin bereits bei Schulpersonal, Erzieherinnen und Erziehern zum Einsatz. Auch in Mecklenburg-Vorpommern wurden Testangebote für Lehrer ausgeweitet. Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen - Thüringens Corona-Hotspot Nummer eins - wurden kostenlose Schnelltests von mehr als 1200 Menschen genutzt. Bei den seit Montag laufenden Tests wurden neun Infizierte entdeckt, deren Ergebnisse PCR-Tests bestätigten.

Aber wie sollen Öffnungen an Schnelltests gekoppelt werden?

Leicht zu organisieren ist das nicht. Das eine sei ja ein Angebot, dass sich jeder nach eigener Einschätzung testen lassen könne - etwa auch mit einem Ergebnis-Nachweis für Reisen, erläuterte Spahn im Deutschlandfunk. In Österreich oder Dänemark nutzten so etwas etwa zweieinhalb Prozent der Bevölkerung am Tag, das sei auch finanziell und organisatorisch darstellbar. Wenn man aber auch bestimmte Öffnungsschritte an Tests knüpfe - etwa Besuche von Veranstaltungen oder Geschäften - wäre der Testbedarf natürlich deutlich höher.

Wie ist ein breiter Einsatz der Selbsttests denkbar?

Wahrscheinlich kaum als Basis staatlicher Lockdown-Lockerungen. Denn ob man sich getestet hat, bleibt Vertrauenssache, außer es geschieht unter Aufsicht. Denkbar wäre womöglich, dass zum Beispiel Restaurants ein Zelt vor die Tür stellen - als private Selbsttest-Station. Spahn zeigte sich überzeugt, dass „die allermeisten Bürgerinnen und Bürger“ einen positiven Test nicht einfach ignorieren - dann sollte man ihn per PCR-Test überprüfen. Es gebe keinen anderen vernünftigen Weg, als bei Selbsttests auf Selbstverantwortung zu setzen, wie der Name schon sage. „Wir können ja nicht in jeder Küche kontrollieren.“

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Welche Restrisiken bleiben bei Schnelltests?

Die Politik und auch das Robert Koch-Institut (RKI) betonen, dass die genauesten und zuverlässigsten PCR-Tests der „Goldstandard“ bleiben. Die schnellen Tests ohne Labor-Auswertung gelten als ergänzende Instrumente, am besten bei regelmäßigem Einsatz. Auch ein negatives Ergebnis sei aber „kein Freibrief“, sich etwa nicht mehr an Abstand zu halten, erklärte das Gesundheitsministerium. Der CSU-Fachpolitiker Stephan Pilsinger mahnte im Bundestag: „Jetzt auf ungezielte Massentests zu bauen, kann gefährlich sein.“ Selbsttests bräuchten verständliche Gebrauchshinweise, denn falsch angewendete Test brächten ein negatives Ergebnis.

Wie geht es weiter?

„Schnelltest sollten möglichst schnell, flächendeckend und kostenfrei zur Verfügung gestellt werden“, forderte die Geschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands, Ingrid Hartges. Aber wie schnell Kapazitäten hochgefahren werden können, muss sich zeigen. In manchen Pflegeheimen gibt es Probleme wegen knappen Personals. Bei den Tests selbst rechnet der Bund mit genügend Nachschub: Gesichert sind bis zu 800 Millionen Stück für dieses Jahr. Erste Selbsttests sollen bald in Apotheken, anderen Geschäften und online zu haben sein. Im Bundestag wurden Rufe nach Gratis-Angeboten laut. „Geben Sie jedem Bürger jede Woche zwei kostenlose Selbsttests“, forderte Janosch Dahmen von den Grünen. Die SPD-Abgeordnete Hilde Mattheis schlug vor, Schüler sollten sich eine Wochenration kostenlos in Apotheken abholen können.