Um zehn Uhr morgens öffnet die Hitzehilfe und bietet Obdachlosen Schutz vor extremen Temperaturen auf der Straße.
Um zehn Uhr morgens öffnet die Hitzehilfe und bietet Obdachlosen Schutz vor extremen Temperaturen auf der Straße. dpa

Auf der Straße leben heißt: Weitgehend schutzlos extremen Witterungsbedingungen ausgesetzt zu sein. Seit Jahren wird Obdachlosen im Winter geholfen: Die Kältehilfe versorgt Wohnungslose mit warmen Getränken und bietet Obdach für Bedürftige. Steigende Temperaturen setzt Menschen ohne Bleibe zusätzlichen Gefahren aus. Ein neues Angebot bietet Schutz vor Hitze und rettet womöglich Leben.

„Mir ist zu warm“, sagt Ronald und tritt von der Terrasse in einen Raum mit mehreren kleinen runden Tischen und Stühlen. Draußen sind es fast 39 Grad, in dem Zimmer mit den gelben Wänden, das zur ersten Berliner Notunterkunft der Hitzehilfe für Obdachlose gehört, sucht er Schutz vor der derzeit herrschenden extremen Hitze.

Das Leben auf der Straße ist gefährlich, extreme Hitze und extreme Kälte machen es lebensgefährlich."

Berlins Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke)

Hohe Temperaturen sind eine enorme Belastung für den Körper, und das gilt besonders für Menschen, die auf der Straße leben. Das hat auch der Berliner Senat erkannt. „Das Leben auf der Straße ist gefährlich, extreme Hitze und extreme Kälte machen es lebensgefährlich“, erklärte die Berliner Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke) zur Eröffnung des Modellprojekts am Montag. Im Sommer gebe es zudem weniger Rückzugsorte und kaum Zugang zu gekühlten Räumen, ergänzte ihr Sprecher Stefan Strauß.

Bedürftige können sich tagsüber von dem Hitzestress erholen, duschen und sich hinlegen.
epd
Bedürftige können sich tagsüber von dem Hitzestress erholen, duschen und sich hinlegen.

Ronald, kurze graue Haare, schwarzes T-Shirt, sitzt an einem der Tische der Notunterkunft im Berliner Ortsteil Schöneberg und isst Ravioli mit Tomatensoße. Nachdem ihm die Wohnung gekündigt wurde, sei er obdachlos geworden, erzählt der 60-Jährige. Von der Hitze-Einrichtung habe er durch eine andere Hilfsorganisation erfahren. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt er.

Berliner Hitzehilfe versorgt Bedürftige mit Essen, Getränken, Kleidung und Sonnenmilch

Zweimal täglich gibt es in der Einrichtung des Internationalen Bunds (IB) eine warme Mahlzeit, dazu Wasser, Tee und Kaffee. Wer vorbeikommt, kann außerdem Getränke, Kleidung, Schlafsäcke und Sonnencreme mitnehmen. Oder sich zu sozial- oder aufenthaltsrechtlichen Fragen beraten lassen. Zehn Menschen seien am Montag, dem Eröffnungstag, dagewesen, berichtet Projektleiter Artan Zeka. Die Einrichtung werde schnell voll sein, glaubt er. „Am Dienstag standen schon wieder neun Menschen morgens vor der Tür.“

Die Unterkunft ist täglich von 10 Uhr bis 20 Uhr geöffnet. Neben dem Aufenthalts- und Esszimmer gibt es sieben Räume mit Betten, in denen sich insgesamt 30 Menschen ausruhen oder ein paar Stunden schlafen können. Dazu eine Dusche und einen Garten. „Viele nutzen das - gehen duschen und legen sich dann hin“, sagt Zeka. Ein bis zwei Sozialarbeiter sind immer vor Ort, zusätzlich sollen bald ehrenamtlich Helfende unterstützen.

Im zur Einrichtung gehörenden Garten stehen eine Schaukel und ein Holzgerüst mit Rutsche, an einem Zaun hängt ein Basketballkorb - im Gebäude war einmal ein Familienzentrum untergebracht. Dann wurde es im Winter als Kältehilfeeinrichtung genutzt, jetzt hat es der Bezirk für die Wärmehilfe zur Verfügung gestellt. Der Senat unterstützt das Projekt mit knapp 106.000 Euro.

Mobile Hitzehilfe ist auf den Straßen mit klimatisierten Bussen unterwegs

Die bis September geöffnete Hitze-Notunterkunft ist ein Modellprojekt und soll laut Sozialsenatsverwaltung Erkenntnisse über die Bedürfnisse der Betroffenen in den heißen Sommermonaten sammeln. „Wir haben die Chance aufzuzeigen, wo der Bedarf bei den Menschen tatsächlich liegt“, sagt Janette Werner, die Leiterin für die Region Berlin Südwest beim Internationalen Bund. So könne die Hilfe für die nächste Saison angepasst werden.

Denn diese wird angesichts häufiger auftretenden Hitzewellen immer wichtiger. Die Landesregierung hat deshalb auch ihr Angebot für obdachlose Menschen verstärkt und fördert unter anderem mit 400.000 Euro jährlich neben der Notunterkunft auch die mobile Hitzehilfe. So verteilen beispielsweise Helferinnen und Helfer des sozialen Trägers Karuna Wasser und Sonnencreme auf der Straße. Zudem ist die Organisation mit klimatisierten Bussen in der Stadt unterwegs, in denen sich obdachlose Menschen aufhalten und vom Hitzestress erholen können.