Einen großen Teil der Corona-Unsicherheit bekommen derzeit Deutschlands Ärzte und Ärztinnen, Pfleger und Pflegerinnen ab. Foto: imago images / localpic

Berlin - Sie gehören zu den Engeln der Corona-Krise - und sorgen dafür, dass auch angesichts der Epidemie die Versorgung aller Erkrankten gesichert ist: Jene Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, die täglich in Arztpraxen und Krankenhäusern  bis zum Umfallen schuften. Nun steigt die Zahl der Infizierten immer weiter - und die ersten Mitarbeiter der Kliniken wenden sich mit verzweifelten Hilferufen an die Bevölkerung. Sie bitten darum, dass so viele Deutsche wie möglich zu Hause bleiben, denn nur so kann die Ausbreitung des Virus weiter verhindert werden, nur so kann die Belastung des medizinischen Personals im Rahmen bleiben.

"14 Stunden panische Menschen, Menschen, die mich anschreien"

Eine Ärztin aus Lippstadt, die unter dem Namen "Doktor Ela" auf Instagram unterwegs ist, berichtete etwa von extremen Zuständen, weil viele Menschen auf das Virus panisch reagieren. "Heute hatte ich den schlimmsten Dienst in meinem Leben, in einem Kleinstadtkrankenhaus. Ich kann nicht mehr, ich bin echt fix und fertig, nach nur einem KV-Dienst in der Notaufnahme", schreibt sie. "14 Stunden panische Menschen, Menschen, die mich anschreien, weil ich sie nicht auf Covid teste, Menschen, die mich fragen warum ich nicht meine Schutzausrüstung ablege, wenn ich keine Angst vor Covid hätte, Menschen, die panische Angst haben um ihre Gesundheit."

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Heute hatte ich den schlimmsten Dienst in meinem Leben • in einem Kleinstadtkrankenhaus • ich kann nicht mehr • ich bin echt fix und fertig • nach nur einem KV-Dienst in der Notaufnahme • 14 Stunden panische Menschen • Menschen, die mich anschreien, weil ich sie nicht auf Covid teste • Menschen, die mich fragen warum ich nicht meine Schutzausrüstung ablege, wenn ich keine Angst vor Covid hätte • Menschen, die panische Angst haben um ihre Gesundheit • junge Menschen •••• Wir schließen Grenzen, öffentliche Einrichtungen und Schulen nicht, weil Covid eine tödliche Seuche ist, sondern weil wir die Rasanz der Ausbreitung bremsen wollen. Wir wollen vermeiden viele krankenhauspflichtige Patienten gleichzeitig zu haben um die wir uns nicht gleichzeitig kümmern können. Ich trage eine Schutzausrüstung damit ich mich auch noch in 2,4,6 und 8 Wochen um kranke Menschen kümmern kann und nicht selbst in Quarantäne bin. Wir können nicht alle Menschen mit Erkältungssymptomen auf einmal testen. Dafür ist unser Gesundheitssystem nicht ausgelegt und selbst wenn man heute noch negativ ist, kann man morgen schon positiv sein + weniger als 20 % junger gesunder Erwachsener haben Symptome. Kinder sind fast immer asymptomatisch •••• bitte lasst uns gemeinsam die schnelle Ausbreitung von Covid verhindern • bleibt cool und gebt Acht auf alte und kranke Mitmenschen • bleibt Ihnen zur Liebe zu Hause • helft mit und teilt meinen Beitrag • für Fragen stehe ich selbstverständlich zur Verfügung #fightagainstcorona #fightagainstcovid #covid_19 #covid #coronavirus #notaufnahmelive #panik #aufklärung #robertkochinstitut #coronafacts #helftmit #stayhome #staycool #staysave #weare #antivirus #ärzte #doctorsdiary #doktorela #atwork #womeninmedicine @womeninmedicine

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Grenzen und öffentliche Einrichtung würden nicht geschlossen, weil Covid eine tägliche Seuche sei, sondern weil die Ausbreitung gebremst werden müsse. "Wir wollen vermeiden viele krankenhauspflichtige Patienten gleichzeitig zu haben um die wir uns nicht gleichzeitig kümmern können. Ich trage eine Schutzausrüstung damit ich mich auch noch in 2,4,6 und 8 Wochen um kranke Menschen kümmern kann und nicht selbst in Quarantäne bin. Wir können nicht alle Menschen mit Erkältungssymptomen auf einmal testen." Sie appelliert an die Deutschen: "Bitte lasst uns gemeinsam die schnelle Ausbreitung von Covid verhindern. Bleibt cool und gebt Acht auf alte und kranke Mitmenschen. Bleibt Ihnen zur Liebe zu Hause!"

Auf Twitter dokumentiert auch ein Nutzer namens "HerrPfleger" den Arbeitsalltag - und wendet sich mit mehreren Tweets an die Bevölkerung. "Das wir einen Pflegenotstand hier in Deutschland haben ist ja hinlänglich bekannt und durch die Auswirkungen des Corona Virus wird uns die Luft zum Atmen abgeschnürt.. Mehr als arbeiten können wir auch nicht wir sind jetzt schon am Ende unserer Kräfte", schreibt er in einem Beitrag.

User "Narcosedoc" kritisiert die Corona-Ignoranz in großen Teilen der Bevölkerung. "Die Zahlen sprechen eine sehr deutliche Sprache. Brutale Daten. Es sind keine Ferien, da kommt ein echter Tsunami. Sammelt keine Muscheln, sondern bleibt Zuhause", schreibt er auf Twitter. In einem anderen Tweet berichtet er, er habe einen Einsatz als Notarzt in einem Restaurant gehabt. "Rappelvoll die Bude, kein Tisch frei! Was stimmt mit den Leuten nicht? Ist das nur Egoismus oder dieser Gedanke - noch einmal lecker essen vor dem Shutdown?"

Krankenschwester Shelly Pond berichtet von einem Vorfall, über den man beinahe lachen könnte, wenn es nicht so traurig wäre: "Ich wurde gerade beschimpft , weil ich eine Angehörige von Station gebeten habe, da wir ja Besuchsverbot haben. Bester Satz ,Sie dürfen doch auch hier sein, das ist ja unfair'", schreibt sie. Und kommentiert: "Wir können gerne tauschen, Schätzchen."

"Aufhalten werden wir die Pandemie nicht. Aber verlangsamen ist schon viel wert"

Klare Empfehlungen kommen auch von Ricardo Lange, der als Pfleger in einem Krankenhaus arbeitet. "Diesen Corona-Virus sollte man keinesfalls unterschätzen, aber eine Panik ist nicht notwendig und nicht zielführend", schreibt er. Jeder könne mithelfen, die Pandemie zu verlangsamen. "Aufhalten werden wir sie nicht. Aber verlangsamen ist schon viel wert, so können die Krankenhäuser sich um die Erkrankten kümmern ohne überrannt zu werden. Was solltet ihr also tun?" Lange empfiehlt vor allem: "Haltet euch an die Vorgaben der Gesundheitsämter, des RKI. Meidet große Menschenansammlungen, geht nicht mit Kleinkindern zu den Großeltern, wascht euch regelmäßig die Hände." Aber auch: "Nutzt die Zeit zu Hause, spielt und bastelt mit euren Kindern, lest ein schönes Buch und unterhaltet euch mit den Liebsten."

In einem anderen Post bedankt sich Lange aber auch beim Corona-Virus, denn etwas Gutes hat die Pandemie für Deutschland: Sie zeigt, dass große Teile der Gesellschaft funktionieren, weil viele sich opfern. Corona, ich danke dir", schreibt er. "Ich danke dir dafür, das du uns allen gezeigt hast wie wichtig jeder Einzelne von uns ist. Nicht nur wir Krankenpfleger und Ärzte sind hier zu nennen, denn alle anderen sind für mich die wahren Helden. Ich als Krankenpfleger bin es gewohnt mich auf der Intensivstation einem Infektionsrisiko auszusetzen. Aber die Kassiererin an das Kasse, der Bäcker wo ich meine Brötchen kaufe, der Müllmann der meine Tonne leert, die Sachbearbeitung die mir mein Gehalt pünktlich überweist und ja sogar der Polizist der mir heute morgen ein Knöllchen an die Windschutzscheibe gepinnt hat. Was wäre ich ohne euch?" Vielleicht würden viele aus der Krise lernen, den Blick einmal mehr vom Handy zu nehmen. "Vielleicht wird es wieder normal sein seinen Sitzplatz in der Bahn zu räumen, wenn eine ältere Dame oder eine Schwangere den Wagon betritt. Alleine sind wir stark, aber gemeinsam sind wir unbesiegbar."

Bleibt zu hoffen, dass sich möglichst viele Menschen an die Ratschläge des medizinischen PErsonals halten - und dieser Tage vielleicht doch lieber zu Hause bleiben. Zumindest ein Bild macht Hoffnung - weil es in den vergangenen Tagen durch ganz deutschland ging, unzählige Male geteilt wurde: