Kinder unterm Weihnachtsbaum. Jetzt schon den Baum aufstellen? Viel zu früh, findet unsere Autorin.
Kinder unterm Weihnachtsbaum. Jetzt schon den Baum aufstellen? Viel zu früh, findet unsere Autorin. Imago/MiS

Hilfe, wir sind die Dinos! Ich gebe es zu, bei uns wird der Weihnachtsbaum noch sehr klassisch kurz vor Heiligabend selber geschlagen und erst Heiligabend geschmückt und aufgestellt. Wie bei Hoppenstedts von Loriot. Dafür steht er dann auch bis Mitte Januar. Sehr altmodisch, wie ich lernen muss.  Nur noch etwa jeder achte Weihnachtsbaumkäufer in Deutschland schmückt den Baum erst an Heiligabend, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Viele stellen den Baum inzwischen schon Wochen vorher auf.  Wochen!

Fragen nach Weihnachten werden drängender 

Mit dem Öffnen des ersten Türchens am Adventskalender werden an unserem Küchentisch die Kinder-Fragen nach Weihnachten auch dringlicher. Wir hätten ja schon ganz schön dekoriert, urteilt die Sechsjährige, aber langsam sei es doch auch Zeit für einen Baum, mahnt sie. 

Ein Mädchen dekoriert den Christbaum. Früher mussten Kinder  vor der Stube warten, bis sie gerufen wurden und sahen erst dann den Baum. 
imago/Westend61
Ein Mädchen dekoriert den Christbaum. Früher mussten Kinder  vor der Stube warten, bis sie gerufen wurden und sahen erst dann den Baum. 

Ich wiegele dann immer ab und argumentiere, die Tanne soll doch zum Fest ganz frisch sein und kein vertrocknetes, nadelndes Baumgerippe. Doch nun muss ich feststellen, dass ich mit dieser Ansicht wohl ziemlich allein auf weiter Fichtenschonung stehe.

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O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie früh sind deine Käufer: Millionen Haushalte in Deutschland stellen den Weihnachtsbaum heutzutage viel zeitiger auf als dies hierzulande in vergangenen Jahrzehnten Tradition gewesen ist, heißt es in einer dpa-Meldung. 

Wann kauft man den Weihnachtsbaum am besten? 

Schon Wochen vor dem Fest stünden Lichterbäume heutzutage nicht mehr nur auf Weihnachtsmärkten, in Geschäften, Büroräumen oder öffentlichen Foyers, sondern auch in Wohnzimmern, also den guten Stuben.

Jetzt schon einen Weihnachtsbaum kaufen? Undenkbar. 
Jetzt schon einen Weihnachtsbaum kaufen? Undenkbar.  Moritz Frankenberg/dpa

Wenn ich abends durch die erleuchteten Fenster schaue, sehe ich bei uns in der Gegend noch keine  grünen Baumspitzen. Kann sein, dass hier mehr Traditionalisten wie wir leben. Freunde aber berichten durchaus vom Baumkauf schon an den ersten Adventswochenenden. Da hat man doch viel länger was davon, sagen sie. Ich halte es lieber mit der Vorfreude. Auch auf die Gefahr hin, dass wir nur noch krumme Gewächse abkriegen. Weihnachten und Advent laufen bei uns im Cescendo. Erst der Kranz, dann der Kalender, dann der Glühwein auf dem Markt, dann der Höhepunkt: der Baum in der Stube. 

Gehört zu Heiligabend: das Schmücken des Weihnachtsbaums. 
Gehört zu Heiligabend: das Schmücken des Weihnachtsbaums.  imago/Westend61

„Früher war das letzte Wochenende vorm Fest bei den meisten der Termin, an dem man den Baum kaufte, jetzt ist es eher der Zweite oder Dritte Advent“, sagt Eberhard Hennecke vom Bundesverband der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger (BVWE) der Deutschen Presse-Agentur.  „Das letzte Jahrzehnt hat diesen Trend intensiviert und richtig in Fahrt gebracht, also dass man sich sehr früh den Weihnachtsbaum holt und auch früh entsorgt“, sagt Hennecke. 

Anderswo ist das frühe Aufstellen üblich, lerne ich. In den USA zum Beispiel, stellen viele den Weihnachtsbaum schon kurz nach Thanksgiving auf. Das ist Ende November, da bin ich noch im Herbstmodus. 

Bäume früh kaufen, früh entsorgen

Das frühe Aufstellen der Bäume geht auch mit dem zeitigeren Entsorgen einher. Es gab mal ein Weihnachtsfest, da habe ich schon an Heiligabend die ersten Bäume wieder auf dem Berliner Bürgersteig gesehen. Sie haben mir Leid getan.

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Aktuell ergab eine Umfrage des Portals „Statista“, dass nur noch 12 Prozent der Weihnachtsbaumkäuferinnen und -käufer bis zum 24. Dezember warten, um den Baum aufzustellen. Mehr als die Hälfte der Befragten stellt den Baum dagegen schon Anfang bis Mitte Dezember auf. 33 Prozent der Befragten platzieren und schmücken den Tannenbaum „wenige Tage vor Heiligabend“.

Weihnachten wie bei Loriot 

In den 70ern war Aufstellen und Schmücken des Tannenbaums an Heiligabend wohl noch Normalfall und wichtiger Programmpunkt. In Loriots Sketchfolge „Weihnachten bei Hoppenstedts“ von 1978 sagt der Vater jedenfalls: „Jetzt wird erst der Baum fertig geschmückt, dann sagt Dicki ein Gedicht auf, dann holen wir die Geschenke rein, dann sehen wir uns die Weihnachtssendung im Ersten Programm an, dann wird ausgepackt, und dann machen wir's uns gemütlich...“ Ungefähr so müssen Sie sich das auch bei uns vorstellen, nur ohne das Erste. 

Sepp Maier (FC Bayern München) mit Tochter Alexandra beim Schmücken des Weihnachtsbaums. So sah das 1977 aus. 
Sepp Maier (FC Bayern München) mit Tochter Alexandra beim Schmücken des Weihnachtsbaums. So sah das 1977 aus.  imago/Fred Joch

 „Früher gab es in der Adventszeit mehr Geduld, heute lebt man wochenlang in das Weihnachtsfest hinein“, sagt Weihnachtsbaum-Erzeuger Hennecke.  Wir leben nach dem Fest stattdessen noch weit in den Januar hinein aus dem Weihnachtsfest hinaus. Es dauert, bis alle Geschenke unter dem Baum verschwunden sind, unser Exemplar gehört regelmäßig zu den letzten, die die BSR einsammelt. Einmal haben wir sogar diesen Termin verpasst und den trockenen Baum bis zum Osterfeuer aufbewahrt. Er war uns irgendwie ans Herz gewachsen und sollte einen würdigen Abgang haben.