Spargel, klassisch serviert mit Kartoffeln und Schnitzel: Da läuft vielen das Wasser im Munde zusammen. dpa

Die Herausforderungen waren gewaltig, doch der Anstich bei der Spargelernte in Berlins Umland ist geglückt: Die ersten Stangen sind geerntet und verzehrfertig. Trotz Corona und Ukraine-Krieg sind wieder Erntehelfer aus Osteuropa in Beelitz und anderen Spargel-Hochburgen fleißig im Einsatz.

Offiziell eröffnet wurde die Saison am Donnerstag auf dem Spargelhof Jakobs in Beelitz (Landkreis Potsdam-Mittelmark). Tatsächlich ist Spargel nach Angaben des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg bezogen auf die Fläche die bedeutendste Gemüsekultur überhaupt im Lande Brandenburg. 2021 wuchs das beliebte Gemüse auf fast 3900 Hektar - das sind allerdings 100 Hektar weniger als 2020. 21.100 Tonnen wurden geerntet, sechs Prozent mehr als 2020. Der Hunger nach den kalorienarmen Stangen ist in der Region kaum zu sättigen.

Die Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa – vor allem aus Polen und Rumänien – sind wie geplant trotz Corona-Pandemie eingetroffen. In der Beelitzer Region werden etwa 2500 bis 3000 ausländische Saisonarbeitskräfte erwartet. Etwa 400 bis 500 Euro kostet nach Angaben des Beelitzer Spargelvereins für jede Arbeitskraft der Mehraufwand, um die Hygienebedingungen einzuhalten.

Soviel soll der erste Spargel aus Beelitz&Co. kosten

dpa (Archivbild)
Polnische Erntehelfer stechen am in Kremmen (Brandenburg) den ersten Spargel.

Die ostdeutschen Spargelbauern gehen in diesem Jahr trotz gestiegener Energiepreise von einem höchstens moderaten Anstieg des Spargelpreises aus. „Die Preise werden sich an denen des Vorjahres orientieren, also zwischen 12 und 14 Euro pro Kilogramm“, sagte Frank Saalfeld, Geschäftsführer des Verbandes der Ostdeutschen Spargel- und Beerenobstanbauer (Vosba).

Nach den Angaben schlägt auch der höhere Mindestlohn zu Buche: Er beträgt seit 1. Januar 9,82 Euro pro Stunde. Zum 1. Juli steigt er planmäßig auf 10,45 Euro. Ein weiterer Anstieg auf 12 Euro pro Stunde ist ab 1. Oktober vorgesehen.

„Material, Energie, Sprit – alles ist teurer geworden“, beklagen die ostdeutschen Spargelbauern. Dennoch geht der Verband der Erzeuger nicht von einer flächendeckenden Preisexplosion aus.

Zu Ostern Spargel für alle da

Bereits jetzt werde heimischer Spargel in den wärmeren Lagen verkauft, sagte Saalfeld. Bleibe es bei dem warmen Wetter, könnte die Haupterntezeit schon Anfang April beginnen. „Zu Ostern sollte schon Spargel zur Verfügung stehen.“ Im vergangenen Jahr hatte bei deutlich niedrigeren Temperaturen die Saison für die meisten ostdeutschen Spargelbauern erst nach Ostern begonnen.

Im Moment geht Saalfeld von einer normalen Ernte aus. „Zumindest sind die Vorzeichen gut: warme Tage, kalte Nächte. Das ist gut für den Spargel. Da wächst er gleichmäßiger.“ Besonders schnell entwickele sich der Spargel zurzeit im nördlichen Sachsen-Anhalt. Dort seien die Böden leichter und erwärmten sich entsprechend schneller als zum Beispiel in Thüringen.

Der erste Spargel ist immer am teuersten

Auch in Brandenburg als größtes ostdeutsches Spargelgebiet erwarten Spargelbauern eine frühe Ernte. Grund sei das derzeit milde Wetter, sagte Jürgen Jakobs, Vorsitzender des Beelitzer Spargelvereins. Er betonte, dass der erste Spargel immer am teuersten sei. Je länger die Saison laufe, desto preiswerter werde er.

Mathias Schertenleib vom Bio-Spargelhof Schertenleib in Ostrau (Landkreis Mittelsachsen) baut in seiner Region den Spargel auf schwerem Lößlehmboden an. Dieser erwärme sich langsamer, speichere die Wärme dann aber länger. Er geht davon aus, dass vor allem der gestiegene Dieselpreis die Kosten erheblich steigern wird. „Wir rechnen mit etwa 30 Prozent Mehrkosten, weil wir mit den Traktoren sämtliche Feldarbeiten erledigen.“ Ein Teil davon werde sicher auf den Endverbraucher umgelegt.

Energie, Mindestlohn, Ukraine-Krieg: Die Preise müssten steigen, aber ...

„Eigentlich müssten die Preise steigen“, sagte auch Vosba-Geschäftsführer Saalfeld. Der Handel verfolge jedoch eine Politik, die „ganz klar in Richtung niedrige Preise ausgelegt“ sei. Insofern sei fraglich, ob der Handel die gestiegenen Kosten mittrage und an den Verbraucher weitergebe. Die Energiepreise und andere Kosten wie der gestiegene Mindestlohn hatten zuletzt einen deutlichen Preisanstieg befürchten lassen. Außerdem hat der Krieg in der Ukraine auch Auswirkungen auf die dringend benötigten Erntehelfer aus Osteuropa. Viele Betriebe können bisher nur schwer planen.

Ein langfristiger Preistreiber könnte für die Erzeuger der höhere Mindestlohn zum kommenden Oktober sein. Es sei zwar nachzuvollziehen, dass künftig zwölf Euro pro Stunde für ausgebildete Fachkräfte gezahlt werden müssten. Doch Betriebe müssten auch ungelernten Arbeiterinnen und Arbeitern und somit Saisonarbeitskräften aus dem EU-Ausland den erhöhten Stundensatz zahlen, erklärten mehrere Erzeuger. Sie warnten vor Wettbewerbsverzerrungen im Vergleich zu anderen Produktionsländern für Obst und Gemüse in Europa. In Spanien etwa liege der Mindestlohn bei der Hälfte des geplanten deutschen Wertes. In Italien gebe es keinen gesetzlichen Mindestlohn.

Umweltschützer laufen Sturm gegen Spargel-Anbau – Spargelbauern reagieren auf Kritik

Angesicht der Kritik von Umweltschützern am Anbau von Spargel unter Folie stellte der Gartenbauverband eine Forschungsreihe des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) in Brandenburg vor, die vom Agrarministerium zum Teil finanziert wurde.

Danach werde die Entwicklung von Bodentieren wie Milben und von Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien in zeitweise abgedeckten Spargeldämmen nicht unterdrückt. Sie werde sogar gefördert, hieß es. „In den Spargeldämmen lebt der Boden“, wird betont. Schwarze oder weiße Folien änderten nichts daran. Die Folien werden zur Steuerung des Spargelwachstums in der Ernteperiode verwendet. Angebliche negative Einflüsse konnten nun durch langfristige Beobachtung und fundierte Untersuchungen widerlegt werden, sagte Andreas Jende, Geschäftsführer des Gartenbauverbandes.

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