Jörg Steinert ist begeisterter Pilger – er kämpft für die Beschilderung des Berliner Jakobsweges. Foto: Berliner KURIER/Sabine Gudath

„Ich bin dann mal weg“ – nach dem Bestseller von Komiker Hape Kerkeling können das bald auch viele Berliner sagen! Immer mehr Menschen begeben sich alljährlich auf den Jakobsweg. Eine alte Route führt auch durch Berlin, eine Beschilderung gab es bisher nicht. Das ändert sich nun: In Tempelhof wurde jetzt der erste offizielle Berliner Jakobsweg-Wegweiser eingeweiht. Wer pilgern will, weiß nun, wo es langgeht.

„Deine Reise beginnt hier“ steht auf dem großen Banner, der einen Zaun der Gartenarbeitsschule Tempelhof-Schöneberg schmückt. 2963 Kilometer sollen es von hier bis nach Santiago de Compostela sein, dort liegt das Ziel des Jakobswegs. Das erste Schild, das auf die Pilgerroute hinweist, kommt mit Verspätung: In anderen Bundesländern sind die Wege, die zum Netz gehören, schon lange gekennzeichnet.

Steinert (Mitte) mit Vertretern von Bezirksamt, Jakobus-Gesellschaft und Gartenarbeitsschule. Foto: Berliner KURIER/Sabine Gudath

Initiiert wurde das Projekt von Jörg Steinert, Chef des Berliner Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), seit 2015 Jakobsweg-Fan. „Ich habe mal nachgerechnet: Ich bin inzwischen etwa 5000 Kilometer gepilgert“, sagt er. Nach seinen ersten Touren fiel ihm auf, dass es in seiner Heimatstadt Zwickau in Sachsen bereits Schilder gab – auch dort verläuft die Via Imperii, ein Teil des Weges, der von Stettin über Berlin und Wittenberg nach Leipzig führt.

Im Oktober schrieb er die Bezirksverordnetenversammlung und das Bezirksamt von Tempelhof-Schöneberg an. Grüne, SPD und CDU stellten einen Antrag, der in der BVV beschlossen wurde. Die Hinweisschilder werden nun durch Spenden finanziert, nach Tempelhof-Schöneberg sollen bald weitere Wegteile in anderen Bezirken folgen.

In Berlin sei die Lage schwierig – unter anderem, weil jeder Bezirk eine eigene Entscheidung treffen muss, sagt Frank Leutloff von der Berliner Jakobus-Gesellschaft. „Aber wir hoffen, dass die Beschilderung nach diesem ersten Schritt schnell umgesetzt werden kann.“ Auch die Stromnetz Berlin hilft, bietet Elektrokästen als Träger für Wegweiser an. Dafür sperrt sich bisher der Bezirk Mitte – der Antrag der CDU wurde hier mit Stimmen von Linken und SPD abgelehnt, weil der Weg „keine große Rolle für Berlin spielt“, sagte Thilo Urchs, Fraktionschef der Linken.