Anouk bei ihrem Tandem-Gleitschirmflug. Foto: privat

„Ich hatte am Anfang ganz doll Herzrasen. Aber als wir dann so nah an den Bergen entlang geflogen sind, habe ich mich plötzlich so wahnsinnig frei gefühlt“, sagt Anouk (15). Gerade hat sie ihren ersten  Gleitschirm-Tandemflug erlebt. Für die Schülerin war das ein sehr magischer Moment. Ermöglicht hat ihn ihr der Hellersdorfer Unternehmer Mario Ruder (51). Sein besonderes Geschenk an die schwer kranke Schülerin hat ihr neuen Lebensmut geschenkt, den sie im harten Überlebenskampf gegen den Knochenkrebs, so dringend benötigt. 

Ein Tandem-Gleitschirmflug war der große Traum der  krebskranken Anouk.
Foto: privat

Als Anouk vor vier Tagen in Brauneck (Oberbayern) mit ihrem Fluglehrer startete, waren die Wetterbedingungen für einen Gleitschirm-Flug nicht  besonders gut. „Es war sehr windig und ich hatte schon Sorge, dass wir nicht starten können“, sagt Anouk. Doch dann konnte die Schülerin gemeinsam mit ihrem Fluglehrer, mit dem sie durch einen speziellen Paragliding-Gurt in der Luft verbunden war, doch noch abheben. Am Anfang habe es noch ein wenig geholpert, weil Anouk, wie sie lachend verrät, sich beim Anlaufen mit einem Mal reflexartig auf den Hintern setzte. „Dann waren wir sogar 35 Minuten bei 800 bis 1000 Höhenmetern unterwegs und die Zeit verging rasend schnell. Es kam mir aber vor, als wären es nur zehn Minuten gewesen“, erinnert sich das Mädchen. Ihre Mutter, Kerstin Larf, ergänzt:  Ihr Fluglehrer Christian sei sehr empathisch und mitfühlend und von Anouk sehr beeindruckt gewesen.

Der Hellersdorfer  Unternehmer Mario Ruder (u.) half dabei, Anouks Wunsch wahr werden zu lassen. Foto: Berliner KURIER/Gerd Engelsmann

Dass Anouk diesen Flug nach ihren Torturen der letzten 24 Monate nämlich überhaupt erleben konnte, ist wohl so etwas wie ein Wunder. Ausgerechnet an ihrem 13. Geburtstag bekam sie plötzlich unerträgliche Schmerzen im Nacken und Fieber und an ihrem Schlüsselbein hatte sich eine Beule gebildete, die in etwa so groß wie ein Tennisball war.

Bereits Wochen zuvor habe ihre Tochter über Nackenschmerzen geklagt und sie hätten auch einen Orthopäden aufgesucht, als es nicht besser wurde. Doch der habe sie nach einem MRT, auf dem er keine Auffälligkeiten fand,  wieder nach Hause geschickt. Erst Anouks Kinderarzt sei hellhörig geworden, als er sie untersuchte. Er überwies sie in eine Kinderklinik und dort bekam der Teenager die schreckliche Diagnose Knochenkrebs.

Anouk mit dem Gleitschirmpiloten Christian, der sie auf einer Runde mitnahm. Foto: privat

„Die stark ausgeprägte Beule war ein Tumor an ihrem Schlüsselbein. Das war ein riesiger Schock für uns“, so die Mutter. Nach einem kurzen Aufenthalt im Hamburger Universitätsklinikum in Eppendorf ließen die Eltern ihr Kind auf Empfehlung einer Bekannten ins Helios-Klinikum nach Berlin-Buch verlegen.

Dort verbrachten Mutter und Tochter gemeinsam mit nur wenigen Unterbrechungen die letzten zwei Jahres ihres Lebens. Anouk erhielt 16 Chemotherapien und 48 Bestrahlungen, die den bösen Krebs besiegen sollten. Doch im Juni bekam die Waldorfschülerin erneut Knochenschmerzen, diesmal an der Hüfte. Ihre behandelnden Onkologen stellten eine Metastase in der Hüfte fest. Ein herber Rückschlag für das tapfere Mädchen, das nun erneut ums Überleben kämpfen muss.

Doch sie hat nicht nur liebevolle Menschen an ihrer Seite, die fest an sie glauben, sondern auch selbst eine sehr positive Lebenseinstellung und einen eisernen Willen, der sie nun sogar von Berlin bis nach Oberbayern führte. Ihre Ärztin, Dr. Gabriele Strauss, aus dem Helios-Klinikum in Buch brachte sie auf ihre Reise. „Sie erklärte mir: Anouk, ich finde, Du musst jetzt einmal etwas Positives machen“, erzählt das Mädchen.

Die 15-Jährige vor dem Start. „Ich hatte ganz doll Herzrasen“, sagt sie. Foto: privat

Die Onkologin bat den Berliner Verein „Kolibri Hilfe für krebskranke Kinder Deutschland e.V “um Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Pläne und es kam ein Kontakt mit dem Hellersdorfer Küchen-Unternehmer Mario Ruder zustande, der Anouk ihren Herzenswunsch erfüllte. Und so konnte Familie Larf mit ihrer Tochter nach Oberbayern reisen. „Ich habe selbst drei Kinder und da ist mir Anouks Erkrankung sehr nahe gegangen. Ich kann zwar nicht gesundheitlich helfen, aber ihr wenigstens ein paar Glücksmomente schenken“, betont Ruder. 

Von diesen Glücksmomenten kann Anouk nun zehren. Sie will trotz des Rückschlags weiterhin positiv bleiben. Wer einen Tandem-Gleitschirmflug vier Wochen nach erneuter Strahlentherapie schafft, der schafft auch noch ganz andere Dinge. Ihr nächstes Ziel ist noch ein wenig entfernt, aber schon fest in ihrem Kopf. „Ich möchte Tierärztin werden, weil ich Hunde so sehr liebe“, sagt Anouk.