Sein Leben war die Bühne: Über 80 Jahre stand er auf den Brettern, die die Welt bedeuten, spielte in Fernseh- und Kinofilmen mit.  Foto: imago

Vor dem Tod hatte Herbert Köfer keine Angst. „Ich weiß nur, dass es ja nicht ewig mit mir so weitergeht. Irgendwann ist einfach Schluss“, sagte der beliebte Schauspieler im KURIER-Gespräch, als er im Februar 100 Jahre alt wurde. Die große Feier musste wegen Corona ausfallen. Doch keine Angst, versprach Köfer: „Im Sommer werde ich meinen 100. Geburtstag als Sommerfest nachholen.“ Die Familie, Kollegen und Freunde freuten sich bereits darauf. Nun trauern sie zusammen mit den Fans um einen der größten Schauspieler des Landes. Dessen Herz jetzt aufhörte zu schlagen.

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Am Sonntagabend teilte Ehefrau Heike (59) mit, dass ihr Mann am Vortag friedlich eingeschlafen sei. Es falle ihr momentan sehr schwer, über das Geschehene zu berichten, schrieb die Witwe dem KURIER am Montag. Sobald es einen Termin für die Trauerfeier gebe, werde er bekannt gegeben.

Herbert Köfer mit seiner Frau Heike vor dem Schlosspark-Theater: Das Paar war seit 20 Jahren verheiratet. Foto: imago/Photopress Müller

Herbert Köfer: Seine Heike war seine große Liebe

Über 20 Jahre waren Heike und Herbert Köfer verheiratet. Es war die dritte Ehe des Künstlers, der aus den vergangenen zwei Beziehungen zwei Kinder hatte: die Schauspielerin Miriam Köfer (48) und den Kameramann Andreas Köfer (72).  Für Herbert Köfer war seine dritte Frau die große Liebe. „Heike ist mein zweites Herz, mein zweites Gedächtnis, überhaupt mein alles“, sagte er einmal.

Enge Freunde berichten, dass es nach dem 100. Geburtstag um Köfer ruhiger wurde. Der Mann, der sonst auf Facebook sehr aktiv war, meldete sich in dem sozialen Netzwerk seltener. Mario Behnke (59), der 20 Jahre lang Veranstaltungen mit Köfer durchführte, berichtet dem KURIER, dass der Schauspieler in den vergangenen Monaten zweimal im Krankenhaus gewesen sein soll.  „Das kann schon einmal vorkommen, wenn man so alt wie Herbert ist“, sagt Behnke. So war es ja auch 2018, als Köfer eine künstliche Herzklappe bekam. „Altwerden ist nichts für Feiglinge“, sagte der Star zu seinem 100. Geburtstag. Obwohl er sich etwa auf dem Hometrainer fit halte, „stellen sich nach und nach die verschiedensten Zipperlein ein, die einem mal mehr, mal weniger zu schaffen machen“.

Bei den Dreharbeiten zu dem TV-Film „Krauses Zukunft“ (2020): Regisseur Bernd Böhlich und Horst Krause gratulieren Herbert Köfer zum 80. Bühnenjubiläum.   Foto: Heike Köfer

„Egal, was war: Herbert tat alles, um wieder auf der Bühne zu stehen“, so  Veranstalter Behnke. „Doch in jedem Leben gibt es leider ein Ende. Ich werde Herbert als einen besonders guten Menschen, großartigen Schauspieler und ganz lieben Freund in Erinnerung behalten.“

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„Bei Herbert dachten alle, den Köfer wird es ewig geben“

Die Nachricht von Köfers Tod überraschte alle. „Natürlich muss man damit rechnen, dass ein Mensch in diesem hohen Alter eines Tages nicht mehr da ist“, sagt Regisseur Bernd Böhlich (64) dem KURIER. „Nur bei Herbert dachten alle, den Köfer wird es ewig geben.“

Herbert Köfer mit Carmen-Maja Antoni beim Dreh des TV-Films „Krauses Zukunft“ im September 2020: Im kommenden Winter sollte die Fortsetzung der Reihe mit beiden Stars gedreht werden. Foto: Heike Köfer

Noch vor Wochen hatte der Macher und Erfinder der „Horst-Krause“-TV-Reihe mit Köfer und seiner Frau telefoniert. „Herbert freute sich, dass ich bereits die ersten zwei Szenen mit ihm für den neuen Krause-Film geschrieben habe, der zu Weihnachten spielt und der zum Jahresende 2022 in der ARD laufen soll.“

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Die Dreharbeiten mit Köfer sollten im Januar/Februar starten. Einen Ruhestand gab es für den Künstler auch mit 100 Jahren nicht, der bis zu seinem Tod den Rekord hielt, ältester aktivster Schauspieler der Welt zu sein. „Horst Krause, das ganze Team freute sich schon wahnsinnig auf Herbert Köfer“, sagt Böhlich. „Herbert wird nun von oben auf uns schauen. Wir alle werden diesen großartigen Schauspieler vermissen.“

Im vergangenem Jahr hatte Köfer bei den Dreharbeiten zu dem Film „Krauses Zukunft“, der zum 100. Geburtstag des Stars gezeigt wurde, sein 80. Bühnenjubiläum gefeiert. Am 11. September 1940 unterschrieb der in Prenzlauer Berg geborene Schauspieler im Alter von 19 Jahren am Stadttheater in Brieg (heute Polen) seinen ersten Arbeitsvertrag. Seine erste Rolle war der junge „Alte Fritz“ im Theaterstück.

Herbert Köfer in seiner ersten Rolle als Kronprinz Friedrich im Bühnenstück „Katte“ am Stadttheater Brieg. Das war im September 1940, der Schauspieler war 19 Jahre alt. Foto: privat/Archiv Köfer

Herbert Köfer plante noch Sommerfest

Köfers Leben war die Bühne. Und so sollte nun sein 100. Geburtstag als Sommerparty auf dem Hof des Theater Ost in Adlershof nachgefeiert werden – so wie es Köfer angekündigt hatte. „An dem Ort, wo er jahrzehntelang wirkte“, sagt Intendantin Kathrin Schülein. Denn ihr Theater befindet sich in dem einstigen Gebäude des DDR-Fernsehens, in dem sich das Studio der „Aktuellen Kamera“ befand, wo Köfer 1952 als erster Nachrichtensprecher seine TV-Karriere begann. Als Nachrichtensprecher hielt er allerdings nur eine Woche durch, wurde danach aber Mitglied der Schauspieler-Ensembles des DDR-Fernsehens.

Herbert Köfer und Franks Schöbel bei der Aufzeichnung der letzten Silvester-Show des DDR-Fernsehens  (1991):  „Mein lieber Herbert, du warst und bleibst – mein lieber Freund“, schreibt Schöbel über seinen verstorbenen Schauspieler-Freund. Foto: imago

Geliebt und gefeiert wird Köfer für seine legendären Rollen in den TV-Serien „Rentner haben niemals Zeit“ (1978), „Geschichten übern Gartenzaun“ (1982) oder „Familie Neumann“ (1984). Als vor Jahren auf dem einstigen Areal des DDR-Fernsehens das Theater in Adlershof öffnet, ist der Schauspieler dort ein immer wieder gern gesehener Gast, vor allem, wenn er auf der Bühne etwa aus seiner Biografie „99 und kein bisschen leise“ liest, die 2020 im Eulenspiegel-Verlag erschien. „Mit Herbert Köfer geht eine Schauspielerlegende von uns, die viele Menschen begeistert hat“, sagt Theater Ost-Chefin Schülein.

Helga Göring und Herbert Köfer: Sie waren die Stars in der DDR-Fernsehserie „Rentner haben niemals Zeit“. Foto: DDR-Fernsehen

Wolfgang Lippert: „Herbert, du bist ein großartiger Mensch gewesen“

Köfer begeistert im wiedervereinten Deutschland nicht nur die Menschen im Osten. Er ist in TV-Serien wie „In aller Freundschaft zu sehen“, brilliert in der Komödie „Pension Schöller“, in der er jahrelang in der Komödie am Kurfürstendamm den herrlich irren Hausherren spielt. Zu seinen wichtigsten Filmen zählt „Nackt unter Wölfen“ (1963). In der Rolle als SS-Offizier beweist Köfer, dass er auch in ernsten Rollen das Publikum überzeugen kann.

Schauspieler Herbert Köfer und Moderator Wolfgang Lippert beim Textlernen: „Deine Wärme wird mir sehr fehlen“, schreibt Lippert über seinen verstorbenen Freund. Foto: Imago/Köhler

Die Trauer um Köfer ist groß. „Mein lieber Freund, du bist einer der großartigsten Kollegen gewesen und ein wunderbarer Mensch. Du wirst mir sehr fehlen, deine Wärme wird mir sehr fehlen“, erklärt Entertainer Wolfgang Lippert, (69), der mit Köfer eng befreundet war. „Mach‘s jut Herbert“, schreibt Angelika „Lütte“ Mann (72) auf Facebook. Schlager-Star Frank Schöbel (78) nimmt von Köfer Abschied mit den Worten:  „Auf dich treue Seele war immer Verlass. Du warst und bleibst – mein lieber Freund.“ Schlagersänger Bernhard Brink (69) würdigt den Verstorbenen auf Facebook: „Welch eine Karriere – welch ein Leben – 100 Jahre! Herbert, Deine Bühne ist jetzt eine andere.“