Hella Mewis kann hoffentlich wieder lachen wie auf diesem älteren Foto. Foto: AFP PHOTO /Iraqi art collective Tarkib

Am Ende ging es gut aus: Die in Berlin gebürtige Hella Mewis (48), die am Montag von bewaffneten Männern in Bagdad entführt worden war, wurde am Freitag um 6.25 Uhr Ortszeit von irakischen Sicherheitskräften befreit. Die Umstände sind bislang nicht offiziell bekannt. Ein irakischer Beamter sagte lediglich, der Zugriff sei südöstlich außerhalb der Hauptstadt erfolgt, nachdem dem Geheimdienst der Aufenthaltsort der Frau bekannt geworden sei. Bei der Aktion soll Hella Mewis mit verbundenen Augen vorgefunden worden sein. 

Hella Mewis, der  es den Umständen entsprechend gut gehen soll, wurde in die deutsche Botschaft nach Bagdad gebracht. Außenminister Heiko Maas (SPD), gerade dienstlich in Athen, äußerte Erleichterung.

„Wir hoffen, dass die Entführung nicht ihre Zukunftspläne im Irak ändert“, sagte Sirka Sarsam, die für eine irakische Nichtregierungsorganisation tätig und mit Hella Mewis befreundet ist. „Wir sind froh, den Tag mit so einer Freude über die Befreiung eines Menschen beginnen zu können, der den Irak so sehr liebt.“

Das Auswärtige Amt hatte einen Krisenstab eingerichtet. Ob es Verhandlungen mit den Entführern gab oder ein Lösegeld gezahlt wurde, ist nicht bekannt. Ein Sprecher des irakischen Innenministeriums teilte mit, die Entführer hätten nicht gefasst werden können. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass Geld floss und die Frau danach von den Täter einfach zurückgelassen wurde.

Vor dem Haus des Kunst-Kollektivs Tarkib im Zentrum Bagdads wurde Hella Mewis verschleppt. Foto: Ahmad Al-Rubaye/AFP

Hella Mewis war am Montagabend, als sie ihr Büro in der Innenstadt gerade verlassen hatte, von ihren Entführern  in einen Kleinbus gezerrt worden, wie Bilder einer Überwachungskamera zeigten. Angeblich sollen Polizisten die Tat beobachtet, aber nicht eingegriffen haben.

Hella Mewis in Bagdad auf dem Fahrrad - ein überaus ungewöhnlicher Anblick in der irakischen Hauptstadt. Foto: Tower of Babel for Media Development / AP

Hella Mewis war vor sieben Jahren aus Kairo nach Bagdad gezogen und betreut dort als Kulturvermittlerin junge Künstler. Sie war in Bagdad gut bekannt, weil sie kein Kopftuch trägt, unter Irakern wohnt und sich mit dem Fahrrad durch die Stadt bewegt - für eine Frau dort so unüblich wie ihre Café-Besuche. 2016 hatte sie eine Demo radfahrender Frauen am Ufer des Tigris organisiert, wie ein irakischer Schriftsteller 2017 im Spiegel berichtet hatte.

Wer die Täter waren, ist bislang unbekannt. Es gibt eine Reihe von Mutmaßungen, die Entführung gehe auf das Konto der Terrororganisation IS, schiitischer Milizen, die dem Iran dienstbar sind.  Für eine Entführung aus politischen Gründen spricht, dass Hella Mewis sich in den letzten Monaten verstärkt öffentlich gegen islamisch-konservative Entwicklungen geäußert hatte. Im Herbst 2019 nahm sie an einer Demo gegen die Regierung teil. 

Im Irak wurden nach dem Sturz von Saddam Hussein 2003 mehrfach Deutsche entführt. 2005 wurde die Archäologin Susanne Osthoff verschleppt und nach 23 Tagen Geiselhaft wieder freigelassen. 2006 wurden Thomas Nitzschke und René Bräunlich entführt, Techniker eines Leipziger Anlagenbauers. Sie kamen mehrere Monate später frei. 2007 wurden die Deutsche Hannelore Krause und ihr damals 20 Jahre alter Sohn Sinan in Bagdad entführt. Die Mutter wurde freigelassen. Ob Sinan noch lebt, ist unklar.