„Bis zum nächsten Mal, Ihr Heinz, der Quermann!“ Der DDR-Kult-Entertainer Heinz Quermann im Jahr 1991. Foto: dpa/Klaus Franke

Er gilt als „Kulenkampff des Ostens“ oder „Dieter Bohlen der DDR“. Schon lange vor Bohlen entdeckte er in seiner Show „Herzklopfen kostenlos“ im DDR-Fernsehen Talente, von denen viele danach Stars im sozialistischen Teil Deutschlands wurden. Aber dies war nur einer seiner vielen erfolgreichen Jobs. Heinz Quermann war einer der einflussreichsten Macher in der DDR-Unterhaltung.

Laut Handbuch „Wer war wer in der DDR?“ gestaltete er insgesamt rund 2500 Sendungen in Rundfunk und Fernsehen. Dennoch blieb Quermann bodenständig und volksnah. Am 10. Februar wäre er 100 Jahre alt geworden.

Vom Bäckerlehrling zum Medienstar

Geboren wurde Quermann im Westen Deutschlands – in Hannover. Bevor er ein Mann der Bühne wurde, ging es in die Backstube: als Bäckerlehrling. Nebenher nahm er Violin- und Schauspielunterricht.

Dann ging es rasant aufwärts mit der künstlerischen Karriere: Mit erst 24 Jahren setzten die Sowjets Quermann 1945/46 als Intendanten am Theater in Köthen im heutigen Sachsen-Anhalt ein. Ab 1947 war er Leiter der Abteilung Unterhaltung beim Mitteldeutschen Rundfunk Leipzig, außerdem Redakteur und Sprecher.

Im Radio entwickelte der umtriebige Unterhaltungskünstler mehrere Sendeformate, die er selbst moderierte. Ab 1953 gab es die Schlagerlotterie, die ab 1958 Schlagerrevue hieß. Über die Laufzeit dieser Sendung frotzelte Quermann: „länger als lebenslänglich“. Genau 1731-mal lief die legendäre Rundfunk-Hitparade, immer montags.

Nur einmal musste Quermann „wegen eines Schnupfens“ pausieren. Der Abschiedsgruß nach jeder „Schlagerrevue“ ist legendär: „Bis zum nächsten Mal, Ihr Heinz, der Quermann!“ Nach reichlich 36 Jahren gab es schließlich kein nächstes Mal mehr. Radio DDR I wurde im Jahr 1990 eingestellt.

„Da lacht der Bär“ war die erste Live-Sendung

Der „kleine Mann mit der großen Schnauze“, wie er sich selbst nannte, war auch Erfinder der ersten Live-Sendung im Rundfunk der DDR: „Da lacht der Bär“ war eine Kombination von Show und Kabarett, mit drei „Mikrofonisten“ aus Ost und West: Quermann, Gustav Müller (Rheinland) sowie abwechselnd Herbert Köfer (Ost-Berlin) und Gerhard Wollner (West-Berlin).

„Da lacht der Bär“! Die drei „Mikrophonisten“ Heinz Quermann, Gustav Müller, Herbert Köfer (v.l.) in der beliebten Unterhaltungssendung. Foto: Berliner Verlag/Kerber

Mit der Losung „Deutsche an einen Tisch“ hatte die SED zur Verhandlung über die deutsche Einheit – mit Sozialismus auch im westlichen Teil – ohne Einbeziehung der Siegermächte aufgerufen. Die Sendung, die später ins Fernsehen wechselte, sollte ihren Beitrag dazu leisten. Wenige Jahre nach dem Mauerbau wurde sie eingestellt.

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Deutlich länger gab es die ebenfalls von Quermann erfundene Casting-Show „Herzklopfen kostenlos“. Seit 1958 war sie zu sehen, schnell auf dem begehrten TV-Sendeplatz am Samstagabend. Mehr als 1200 Künstler stellten sich dort einem großen TV-Publikum vor. Lang ist die Liste der Kandidaten, die später Stars wurden: Frank Schöbel, Chris Doerk, Monika Hauff und Klaus-Dieter Henkler, Regina Thoss, Monika Herz, Michael Hansen oder Dagmar Frederic.

Zwar wurde auch diese Sendung nach dem Mauerfall eingestellt – aber sie überlebte bis heute als Bühnen-Show im Osten Deutschlands. In der Jury sitzt auch Quermanns Tochter Petra.

Heinz Quermann mit Tochter Petra Werner bei der Verleihung der Goldenen Henne 2000 im Friedrichstadt-Palast in Berlin. Foto: Imago/teutopress

In TV-Rente auf „Gänsebraten“-Tournee

Auch zu Weihnachten hatte der Unterhaltungskünstler jahrzehntelang einen Dauerbrenner im DDR-Fernsehprogramm: „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“. Seit 1957 stand er gemeinsam mit Moderatorin Margot Ebert immer am 1. Weihnachtsfeiertag punkt 11 Uhr im Studio vor dem Weihnachtsbaum. Bis zum Mittagessen gab es Musik und Humor. Präsentiert wurden etwa Stars wie Andy Borg, Spejbl & Hurvinek, Karel Gott oder Frank Schöbel.

Schöbel schildert der dpa kurz vor Quermanns 100. Geburtstag, wann dieser sich auf die beliebte Weihnachtssendung vorbereitete: „Ende Mai machte Heinz schon die Besprechung für seinen ‚Gänsebraten‘ im TV. Eigentlich lief er erst am 1. Weihnachtsfeiertag, aber er machte das immer frühzeitig, überließ nichts dem Zufall.“ Das habe er von Quermann gelernt: „Ich schrieb das Buch für meine Weihnachtssendungen auch immer schon ab Anfang Januar für den Heiligabend“, so Schöbel.

Heinz Quermann im Nachthemd und Schauspielerin Helga Piur mit Feuerwehrhelm spielen einen Sketch in der Show „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“ 1998. Foto: Imago/Eckehard Schulz

Mit der Abwicklung des DDR-Fernsehens Ende 1991 wurde auch diese Quermann-Show eingestellt – und der fleißige Unterhalter, der in mindestens 20 Sendereihen in TV und Rundfunk Millionen begeisterte, wurde in die Fernseh-Rente geschickt. Auf Drängen zahlreicher Fans zog er aber später zur Weihnachtszeit auf „Gänsebraten“-Tournee durch 19 ostdeutsche Städte.

In seinem Memoiren, die er nach dem Mauerfall verfasste, schreibt „Heinz, der Quermann“ über sich: „Ich habe mich des Öfteren quergelegt, lag gelegentlich schief, aber ich wusste immer, wo es langgeht.“

Der Entertainer mit seinen Memoiren „Ihr Heinz, der Quermann“  1998. Foto: Imago/Rolf Zöllner

Frank Schöbel beschreibt „unseren Dicken“ so: „Ehrgeizig, Arbeitstier, wenn man Hilfe brauchte, war er sofort da – als väterlicher Freund, ein freundlicher, aber bestimmter Chef im ‚TV Ring‘.“

Am 14. Oktober 2003 starb Heinz Quermann im Alter von 82 Jahren in seinem Haus in Berlin-Köpenick.