Prinz Charles und Herzogin Camilla werden in Schloss Bellevue in Berlin empfangen. Foto: Davids/Darmer

Dass Charles und Camilla Berlin ausgerechnet an dem Tag besuchten, an dem Netflix die neue Staffel seiner Erfolgsserie „The Crown“ startete, ist vielleicht Zufall gewesen. Wahrscheinlich aber ein Glücksfall. Immerhin zeigt „The Crown“ explizit die Leiden der jungen Prinzessin Diana, die schon vor ihrer Heirat mit Charles an Camilla verzweifelte.

Der Prinz lebte – wohl nicht nur emotional – in einer Dreiecksbeziehung und wollte trotz Diana von Camilla nicht lassen. In einem offenen Interview 1995, zwei Jahre vor ihrem Tod, erklärte Diana, sie hätten eine „Ehe zu dritt“ geführt. Ihre Nebenbuhlerin verfolgt diese „Indiskretion“  noch immer, sie brachte ihr nur wenige Sympathien ein. Bis heute – und das, obwohl die gelernte Raumausstatterin längst mit Charles verheiratet ist.

Prinz Charles und seine Ehefrau Camilla tragen sich vor einem Gespräch in Schloss Bellevue in das Gästebuch ein. 
Foto: dpa/Nietfeldt

Dass Netflix diese alte Geschichte aufwärmt, ist heikel, besonders wenn man bedenkt, dass die Royals auf Brexit-Werbetour in Berlin sind – inoffiziell. Charles und Camilla suchen an der Spree neue Verbündete. Gerade jetzt, wo mit Joe Biden ein US-Politiker ins Weiße Haus zieht, der im Gegensatz zu Donald Trump ein erklärter Brexit-Gegner ist.   

Emma Corrin als Prinzessin Diana in "The Crown"
Foto: Des Willie/Netflix

Schmutzige Familienwäsche

Wie also bringt man es fertig, zu strahlen und zu glänzen – schlicht: sympathisch zu sein – , während ein Streamingdienst schmutzige Familien-Wäsche wäscht? Der britische Thronfolger und Herzogin Camilla versuchten es mit Förmlichkeit. Offiziell geriet der Spreebesuch so zu einem Schloss-und-Riegel-Besuch: Man traf sich im Schloss und sprach hinter verriegelten Türen. Erst mal.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) und seine Frau Elke Büdenbender hatten die Royals erst in Schloss Bellevue zu einem Gespräch empfangen, dann ging es im Korso zur Neuen Wache nach Mitte, wo Charles einen Kranz niederlegte.

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Mit dabei am Volkstrauertag waren auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Bundesratspräsident Reiner Haseloff und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (alle CDU). Die Neue Wache ist die zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik. Gedacht wird dort der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft.

Der diesjährige Volkstrauertag zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und an die Toten beider Weltkriege war der deutsch-britischen Freundschaft gewidmet. Die handschriftliche Botschaft auf einer Karte am Kranz von Charles lautete entsprechend: „In everlasting remembrance of all victims of conflict and tyranny. Charles.“ (In ewiger Erinnerung an alle Opfer von Konflikten und Tyrannei.)

Am Nachmittag kam Prinz Charles zur Sache

Am Nachmittag kam der britische Thronfolger dann zur Sache und hielt eine Rerede im Bundestag. Der Prince of Wales betonte dort die Bedeutung der deutsch-britischen Freundschaft – auch über den Brexit hinaus. Er sei „der festen Überzeugung, dass die zentralen Bande zwischen uns stark bleiben werden“, so der 72-Jährige im Plenarsaal des Bundestags. „Wir werden immer Freunde, Partner und Verbündete sein“, sagte Charles.

Prinz Charles und Camilla waren am Samstagabend im Hotel Adlon eingetroffen. Es war das erste Mal, dass ein Mitglied der Königlichen Familie an der zentralen Gedenkfeier zum Volkstrauertag teilnahm.