Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Foto: dpa/Bensch

Hausverbot für Angela Merkel, Olaf Scholz und Michael Müller: Als Reaktion auf die verordnete Schließung aller Gaststätten ab diesem Montag wollte die legendäre Berliner Polit-Kneipe „Ständige Vertretung“ (StäV) der Bundeskanzlerin, dem Finanzminister und weiteren Spitzenpolitikern kein Kölsch mehr ausschenken und auch kein Eisbein mehr servieren.

Die erneute Zwangsschließung sei eine Katastrophe für die Gastronomie, sagte Geschäftsführer Jörn Peter Brinkmann der Deutschen Presse-Agentur am Sonnabend und warf der Bundesregierung bei ihrer Corona-Politik Aktionismus statt überlegtes Handeln vor.

StäV-Geschäftsführer Jörn Peter Brinkmann (links) und Jan Philipp Bubinger.  
Foto: Britta Pedersen/dpa

In einem Video auf Facebook erklärten Brinkmann und sein Partner Jan Philipp Bubinger, die Politik habe die Zeit seit April nicht genutzt, um das Land auf eine zweite Corona-Welle vorzubereiten. Die StäV etwa habe dagegen aufwendig Vorsorge getroffen, um ihre Gäste zu schützen. Eine Schließung der Gaststätten sei nicht nachzuvollziehen. Brinkmann rief seine Kollegen in der Gastronomie auf, sich dem Hausverbot gegen die Politiker anzuschließen.

Restaurant am Schiffbauerdamm: Die Ständige Vertretung sperrt Politiker aus.
Foto: Imago Images

Der Bann der StäV traf auch Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller und Gesundheitssenatorin Dilek Kalyci (beide SPD) sowie Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). Merkel und Scholz seien bereits in der Stäv gewesen, von Söder wisse er es nicht genau, sagte Brinkmann.

Allerdings zeigte sich der Wirt am Sonntag schon wieder versöhnlich. Würde die Kanzlerin irgendwann dennoch zur StäV kommen („Jetzt geht es ja nicht, wir müssen ja schließen“) würde er zunächst das Gespräch mit ihr suchen. „Die Besuche der aktiven Politiker mit ihren Mitarbeitern und Gästen aus den verschiedenen Orten Deutschlands und aus allen Parteien haben auch immer zum gastronomischen Erfolg beigetragen“, erklärten Brinkmann und sein Partner Jan Philipp Bubinger.

Die Stäv mit ihrem rheinländischem Flair neben dem Bahnhof Friedrichstraße war 1997 von zwei Bonner Gastwirten in Berlin gegründet worden – zunächst vor allem für die Umzügler aus Ministerien nach Berlin. Brinkmann und Bubinger hatten das Lokal vor drei Jahren übernommen.