Ex-Puhdy Dieter „Quaster“ Hertrampf


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Die Wessis und die Ossis: Haben sie es nach 30 Jahren Deutscher Einheit noch immer nicht geschafft, ihre Unterschiede zu überwinden und zueinander zu finden? Ist das wirklich so schwer, das Leben des jeweils anderen zu respektieren und akzeptieren? Offenbar ja, glaubt man Entertainer Wolfgang Lippert (68), der als ehemaliger DDR-Bürger gerade dafür wieder wirbt, im wiedervereinten Land die Leistungen der Ostdeutschen mehr zu würdigen (KURIER berichtete). Doch hat er recht?

Ohne Frage, Lippert wird Zustimmung bekommen. Gerade dieser Satz, den der Star jetzt anlässlich des 30. Jahrestages der Deutschen Einheit an die Menschen in Richtung Westen richtet, wird garantiert den Nerv der Menschen im Osten treffen: „Als Alt-Bundesländler sollte man sich mal vorstellen, wie schwer es für ganz viele Menschen war, die Einheit vor 30 Jahren zu vollziehen.“

Wolfgang Lippert stösst eine neue Ost-West-Debatte an: Die Leistungen der Ostdeutschen würden noch immer kaum gewürdigt, meint er. Foto: imago-images/Tinkeres

Es stimmt, was Lippert sagt, so Stefan Wolle, wissenschaftlicher Leiter des DDR-Museums in Berlin. „Die Wiedervereinigung Deutschlands führte die Menschen aus der DDR in ein neues, leistungsorientiertes Gesellschaftssystem“, sagt Wolle. „Für die Westdeutschen, die in diese Verbindung gingen, war das nichts Neues. Sie waren damit aufgewachsen, lebten damit. Die DDR-Bürger mussten aber erst in dieses System hineinwachsen.“ Dass viele Betriebe dabei kaputt gingen, Menschen ihre Arbeit verloren, so wie Lippert den schweren Einheitsweg der Ostdeutschen beschreibt: Das alles gab es, „und es war der Preis des historischen Umbruchs“, sagt Wolle.

Historiker Stefan Wolle, wissenschaftlicher Leiter des DDR-Museums. Foto: ZB

Allein, dass das Thema noch immer aufkeime, zeige, dass die Diskussion darüber in der Gesellschaft noch nicht beendet sei, so der Historiker. Obwohl man sich im geeinten Deutschland in den vergangenen drei Jahrzehnten sehr wohl mit den Menschen aus der DDR beschäftigt hätte. „Vor allem in der Literatur oder in den Filmen von Leander Haußmann oder Andreas Dresen“, sagt Wolle. Im wiedervereinten Deutschland hätten die Ostdeutschen ihre Wurzeln nie verloren. „Plötzlich waren die Stars von einst, wie Karat oder Silly, recht schnell wieder gefragt.“

Das waren auch die Puhdys. „Was gut ist, setzt sich durch“, sangen sie im fünften Jahr der Deutschen Einheit. Der Song, den viele Ostdeutsche auch als Werbung für ihr in der DDR geleistetes ansahen, war ursprünglich als Reklame für eine Ost-Berliner Biermarke gedacht, die nun 1995 wieder richtig auf den Markt kommen sollte. Doch leider habe sich im wiedervereinten Deutschland nicht alles durchgesetzt, was aus dem Osten kam und gut war, meint Ex-Puhdys-Gitarrist Dieter „Quaster“ Hertrampf (75).

Ex-Puhdy Dieter „Quaster“ Hertrampf in seinem Studio: „Ich jammere nicht,  sondern packe neue Projekte an.“


Foto: Uhlemann

„Lippi hat recht“, sagt er. „Die Leistungen der Ostdeutschen werden auch jetzt nicht gewürdigt.“ Allein, wie man mit DDR-Künstlern umginge, deren Songs im Radio kaum gespielt werden. „Und wenn, dann wird es oft, wie bei den Puhdys, nur auf das Lied ,Alt wie ein Baum' reduziert, als hätten wir keine anderen Hits gehabt“, sagt Quaster. „Ich nehme es so, wie es ist“, sagt Quaster. „Ich jammere nicht, sondern packe neue Projekte an.“ Wie hatte Lippi so schön gesagt: „Der Bürger Ost musste elastisch sein“, um sich im vereinten Land zurechtfinden zu können.

Der Entertainer würde die Ost-West-Debatte völlig zu recht führen, meint Sven Heinemann (41), der für die SPD im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt. Der Politiker ist kein Kind der DDR. Er ist gebürtiger Baden-Württemberger, war 11 Jahre, als Deutschland wiedervereinigt wurde. Als Heinemann nach Berlin kam, ging er in den Osten. „In meinem Wahlkreis Friedrichshain sehe ich, welche Folgen der Umbruch für die Ostdeutschen hatte“, sagt der Politiker. „Die VEB Gummiwerke an der Boxhagener, das VEB Bremsenwerk, das RAW an der Warschauer, das Glaswerk Stralau – diese Betriebe sind alle damals über Nacht weggebrochen, die Menschen Arbeit und Lohn gaben.“

Im Westen geboren, im Osten macht er Politik: SPD-Politiker Sven Heinemann sieht Nachholebedarf bei der Würdigung der Leistungen der Ostdeutschen. Foto: SPD/Berlin

Nun, nicht aller Betriebe waren wirklich zu retten gewesen. Aber es wäre endlich an der Zeit aufzuarbeiten, wie die Treuhand wirklich die DDR-Wirtschaft abwickelte, so Heinemann. Schließlich hatte die Politik damals den Menschen blühende Landschaften versprochen.. „Das ist aber nicht geschehen, auch in Berlin nicht.“ Sicher sei der Aufbau der Wissenschaftsstadt Adlershof einer der Erfolge der Einheit gewesen. „Nur, es hätte mehr davon geben müssen“, sagt der SPD-Mann.