Die Komödie am Kurfürstendamm im Schiller-Theater bangt um ihre Zukunft. imago/Zeitz

Alarmstufe Rot in der Komödie am Kurfürstendamm. Ende 2022 muss die Bühne aus dem Schiller-Theater, wo sie zurzeit spielt, ausziehen. Die Komische Oper soll dann das Haus an der Bismarckstraße belegen. Deren Spielstätte in der Behrenstraße muss dringend saniert werden. Die Komödie sucht also nach neuen Räumen. Ihre eigenen Theater am Kurfürstendamm wurden bereits abgerissen. Und nun?

Die Situation ist kritisch, dabei wäre das Theater am Kurfürstendamm am 8. Oktober 100 Jahre alt geworden. Theater-Chef Martin Woelffer und sein Team wissen: „Der Theaterneubau am Kurfürstendamm wird Ende 2022 noch nicht fertiggestellt sein. Die Pandemie, ein zwischenzeitlicher Eigentümerwechsel und Materialengpässe haben die Bauarbeiten verzögert. Aber auch wenn das neue Theater dann mal fertig ist, brauchen wir immer noch Büros, eine Probebühne und Platz für die Theaterwerkstatt, denn all das wird es für uns in den neuen Räumen am Kurfürstendamm nicht geben.“ Der KURIER wollte wissen, wie es mit der bedrohten Traditionsbühne weitergeht. Muss das Haus womöglich sogar ganz schließen?

Berliner KURIER: Herr Woelffer, Sie beschönigen nichts, die Lage ist dramatisch: Was ist schiefgelaufen?

Martin Woelffer: Schiefgelaufen ist bisher lediglich, dass es coronabedingte Verzögerungen auf der Baustelle für unser neues Theater am Kurfürstendamm geben wird. Das heißt, wir werden nicht, wie geplant, dort 2023 eröffnen können.

Die Politik wird Sie doch nicht am langen Arm verhungern lassen?

Ich denke, wir sind eine zu wichtige Kulturinstitution für Berlin, das wird nicht passieren. Aber wir werden bei der Suche nach einer weiteren Übergangsspielstätte Hilfe vom Senat benötigen.

Haben Sie einen Plan B für den möglichen Fall, dass keine neuen Räume gefunden werden?

Ohne Theater ist ein Theater kein Theater. Die Option, nicht zu spielen, gibt es nicht.

Woher nehmen Sie eigentlich die Kraft und die Mittel, jeden Tag neu um Ihr Haus zu kämpfen?

Leider muss man sagen: Wir sind krisenerprobt, uns haut dementsprechend nichts so schnell um. Kraft geben mir persönlich mein tolles Team von Mitarbeiter:innen und Künstler:innen und natürlich das Publikum. Es ist schön, in begeisterte Gesichter zu schauen. Dafür lohnt es sich.

Der Kampf  ums Überleben geht weiter

Und so geht der Kampf weiter. Der letzte Vorhang ist noch längst nicht gefallen. Jetzt möchte Woelffer erst mal mit seinen Leuten und seinen Zuschauern am 7. Oktober in den 100. Geburtstag hineinfeiern: mit der Wiederaufnahme von „Vorhang auf für Cyrano“. „Eine Inszenierung, die für diesen Anlass genau die richtige ist, denn das Stück ist eine Liebeserklärung an das Genre Theater, in dem wir alle mit viel Herzblut arbeiten.“

Das Stück erzählt die fiktive Entstehungsgeschichte von „Cyrano de Bergerac“. Woelffer: „Dass der Vorhang sich zur Premiere hebt, grenzt an ein Wunder, aber die Kummer gewohnten Theaterleute geben alles, denn: The Show must go on!“