Blumen und Kerzen haben trauernde Berliner an die  Stelle nahe des Breitscheidplatzes abgelegt,  wo die Amokfahrt geschah. imago/Jürgen Ritter

Die Amokfahrt am Breitscheidplatz: Eine Lehrerin wurde getötet, über 30 Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt. Ein Gericht wies den Fahrer Gor V. (29) vorläufig in ein psychiatrisches Krankenhaus ein. Der Deutsch-Armenier soll an eine paranoide Schizophrenie leiden. Jetzt wurde bekannt, dass Gor V. bereits seit Jahren psychologische Probleme hatte und dies den Behörden bekannt gewesen sein soll, wie der RBB berichtet. Hätte man die Amokfahrt verhindern können?

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Die Staatsanwaltschaft wirft Gor V. einen vollendeten Mord und 17 versuchte Mordtaten vor. Anfangs warf man dem Amokfahrer 32 Mordversuche vor, der am Mittwochvormittag am Breitscheidplatz mit einem Renault-Clio in eine Menschengruppe fuhr. Doch dann wurde der Antrag abgeändert. Für „weniger schwer verletzte Personen“ werde „ein Tötungsvorsatz nicht mehr angenommen“, hieß es.

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Wie berichtet, war der Amokfahrer Gor V. bei der Polizei kein Unbekannter – etwa durch kleine Diebstähle fiel der Mann schon vor über zehn Jahren auf, der in Charlottenburg bei seiner Schwester und bei seiner Mutter wohnt. Es habe sich um Bagatellfälle gehandelt. So soll Gor V. 2014 nach dem Jugendstrafrecht eine „richterliche Verwarnung wegen Diebstahls“ bekommen haben, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag.

Sebastian Büchner, Sprecher der Staatsanwaltschaft dpa

Amokfahrer fiel den Behörden schon vor Jahren auf

Nach Informationen des RBB sollen einige dieser Taten offenbar einen psychologischen Hintergrund gehabt haben. Die Polizei hätte damals, wie in solchen Fällen üblich, den sozialpsychiatrischen Dienst des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf informiert. Sozialstadtrat Detlef Wagner (CDU) bestätigte dem RBB, dass der Deutsch-Armenier 2014 für relativ kurze Zeit in klinischer Behandlung gewesen sei.

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Gor V. soll noch einmal vor zwei Jahren vor zwei Jahren psychologisch auffällig geworden. Der letzte Vorfall habe sich Anfang des Jahres 2020 ereignet, sagte Wagner dem RBB. Der psychiatrische Dienst des Bezirks sei daraufhin tätig geworden. Laut RBB soll V. bereits schon damals an eine psychiatrische Klinik überstellt worden sein, wo eine Einweisung geprüft werden sollte. Wie es anschließend mit dem Mann weiterging, ist nicht bekannt, heißt es.

Aufgrund dieser bekannten Auffälligkeiten stellt sich die Frage: Hätten die Behörden die Amokfahrt am Breitscheidplatz nicht verhindern können?  „Hätte es weitere Auffälligkeiten gegeben, hätte der Dienst informiert werden müssen“, sagte Stadtrat Wagner dem RBB. Da dies offensichtlich nicht der Fall gewesen ist, sehe er weder bei der Polizei noch beim sozialpsychiatrischen Dienst, wo eine Möglichkeit bestanden hätte zu intervenieren.

Täter Gor V. nach der Amokfahrt privat

Gor V. sollte schon 2020 in eine Klinik

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Gor V. am Mittwoch gegen 10.30 Uhr am Breitscheidplatz „bewusst in zwei Menschengruppen“ gefahren sei. Die Untersuchungen und Vernehmungen laufen weiter. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Sebastian Büchner hatte erklärt: „Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass es eine psychische Beeinträchtigung bei dem Beschuldigten gab, die auch Anlass war für die Tat.“ Er erklärte aber auch: Es gebe bisher keine Erkenntnisse, dass der Mann schon einmal psychisch auffällig war.

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Die Ermittler gehen derzeit von einer Schuldunfähigkeit des Amokfahrers aus. Bei der Durchsuchung der Wohnung, in der Gor V. lebt, habe man Medikamente des Mannes  gefunden. „Insofern spricht recht viel für eine paranoide Schizophrenie“, sagte Büchner.

Ob nun diese auch für die Amokfahrt des Deutsch-Armeniers ursächlich sei, müssen die weiteren Untersuchungen der Mordkommission klären. Fest steht, dass Gor V. bis zu einem Prozessbeginn in der psychiatrischen Klinik bleiben soll.