Schnee im Mai: Das blüht nun im Gebirge, doch eine mächtige Hitzewelle könnte zu Monatsbeginn über die Alpen rollen. Imago/Jan Eifert

Was ist das nur für ein Wetter? Wir sind es ja fast schon gewohnt, dass die Temperaturen Ende Mai auf Sommer-Niveau liegen, doch wir erleben einen Frühling, der immer neue Rekorde in Sachen Kälte knackt. Meteorologen erwarten jetzt sogar Neuschnee auf den Alpen. Was ist da los? 

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Pfingstmontag könnte in Berlin die 20-Grad-Marke knacken

Das lange Pfingstwochenende steht ins Haus, Außenterrassen, Freibäder und Freilichtkino sind in Berlin geöffnet. Doch Wetterexperte Dominik Jung (wetter.net) macht keine Hoffnungen auf dazu passende Sonnenschein-Aussichten. Wechselhaft und windig werden die Feiertage: „Besonders im Norden, der Mitte und im Westen gibt es am Samstag stürmischen Wind“, so Jung, der dem Tiefdruckgebiet Marco die Schuld dafür gibt. „Das streift uns ab Freitag und macht ganz schön viel Wind.“ Richtig ungemütlich wird es, Schmuddelwetter mit Schauern und Gewittern. Immerhin: Pfingstsonntag und Pfingstmontag besteht die Chance auf Sonne, die sich immer mal wieder stundenweise zeigen wird – doch dann donnert und schauert es wieder vom Himmel. In unserer Region machen die Wettermodelle Hoffnung, dass wir am Pfingstmontag immerhin mal wieder die 20-Grad-Marke knacken. Doch alles in allem, resümiert Wetterexperte Jung, „bleibt für die Jahreszeit zu kühl. Wir erleben (Stand heute) den kältesten Frühling seit 1987.“ Auch einen so kalten Mai haben wir seit mindestens 10 Jahren nicht mehr gemessen. Der April sei so kalt gewesen wie seit 40 Jahren nicht mehr.

Allerdings ist es nicht überall derart kalt. Selbst in Moskau herrschten zuletzt schweißtreibende Temperaturen, dort ist die Hitzewelle allerdings inzwischen abgeflaut. Nun werden in Südeuropa Höchstwerte zwischen 30 und 35 Grad gemessen. Könnte es sein, dass sich zu Beginn des meteorologischen Sommers am 1. Juni Sahara-Hitze auf die große Reise macht und zu uns strömt?

Sahara-Hitze könnte Anfang Juli zu uns strömen

„Das ist derzeit schwer vorherzusagen“, dämpft Diplom-Meteorologe Jung entsprechende Hoffnungen. Allerdings deutet der Trend darauf hin, dass zum Monatswechsel etwas mehr Wärme zu uns kommen könnte. „Dann wären pünktlich zum Start in den meteorlogischen Sommer auch mal 20 bis 26 Grad möglich.“ Ob aber die ganz große Hitze zu uns kommt, das könne man derzeit noch nicht sagen. „Auf jeden Fall gibt es in der Sahara eine dicke Hitzeblase. Die löst sich und zieht nach Norden und breitet sich zuerst im Mittelmeerraum aus.“ Die Frage ist, ob die Hitze auch den Sprung über die Alpen schafft. Das sei allerdings noch unsicher. Erstmal seien das nur „Wetterkarten der Hoffnung“, so Jung. Die Hoffnung ruht auf dem US-Wettermodell, das diese Hoffnung schürt, andere Berechnungen reichen nicht so weit.

Dann kommt Wetterexperte Jung darauf zu sprechen, was einige angesichts dieser kühlen Temperaturen denken. Wie steht es denn nun um den Klimawandel, ist er vorbei, hat er eine Pause eingelegt, oder ist doch alles nur Wetter, mal zu heiß, mal zu kalt?

Ist der Klimawandel schon vorbei?

Natürlich sei der Klimawandel nicht vorbei, wettert Jung. „Aktuell erleben wir vielfach billigen Populismus, sogar die ein oder andere politische Partei macht dabei mit.“ Was aktuell passiert, ist Wetter. Über einen langen Zeitraum beobachtet, ist es Klima. „In der Regel sind das mindestens 30 Jahre. Da fallen zwei Monate fast überhaupt nicht ins Gewicht.“ Aus dem in Deutschland zu kalten April und Mai nun die Aussage zu basteln, der weltweite Klimawandel sei gestoppt, sei wirklich verrückt und zeige, „dass diese Personen keine Ahnung vom Thema haben“. Mit Blick auf Russland verweist der Wetterexperte auf den sibirischen Permafrostboden, der im rasanten Tempo auftaut. „Die große Wärme ist nicht weg, sie ist nur woanders, und wir in Deutschland sitzen nicht auf einer Insel.“ Die Klimaerwärmung schreite fort, egal wie wir das drehen und wenden. 2020 war weltweit mit eines der wärmsten Wetterjahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen“ konstatiert Dominik Jung.