Diese Berlinerinnen und Berliner organisieren die Demo am kommenden Sonntag. Foto: Berliner KURIER / Markus Wächter

Es gibt Berufszweige, die noch schwer mit der Corona-Krise zu kämpfen haben. Schwer gebeutelt ist etwa die Kunst-Szene: Musiker, Artisten und Schauspieler, aber auch Veranstalter stehen vor dem Ruin. Nun gehen die Betroffenen auf die Straße.

Eine bunte Parade soll am 9. August durch die Stadt ziehen – mit allerlei Künstlern, die sonst für Unterhaltung sorgen. Momentan sind sie vor allem eines: wütend. „Anderen Leuten wird geholfen, damit sie die Krise überstehen. Aber wir werden vernachlässigt“, sagt Katharina Micada, die zu den Organisatoren der Demo gehört.

Aufträge und Engagements brachen weg, als die Kulturbetriebe zu Beginn der Krise schlossen. Die erste Soforthilfe-Runde, bei der pro Person 5000 Euro ausgezahlt wurden, sei noch hilfreich gewesen, doch seitdem herrscht Ebbe in der Kasse. Denn die Reserven sind aufgebraucht – und in der zweiten Runde gab es zwar 9000 Euro, diese durften aber nur für Betriebskosten verwendet werden. „Aber die haben wir nicht. Wir müssen vor allem unsere Lebenshaltungskosten bezahlen können“, sagt Micada.

Berlin schmückt sich immer mit der vielfältigen Kunstszene. Aber es ist doch immer so: Wenn eine Krise kommt, wird zuerst der Schmuck verkauft.

Fabio Zimmermann, Jongleur und Akrobat

Unverständlich sei auch, dass es ein 50 Milliarden Euro schweres Soforthilfe-Paket der Bundesregierung gibt, davon wurde aber ein großer Teil noch nicht ausgeschüttet. Stattdessen werde auf die Grundsicherung verwiesen. „Kunst wird nicht als systemrelevant anerkannt“, sagt Fabio Zimmermann, der als Jongleur und Akrobat arbeitet. „Berlin schmückt sich mit der vielfältigen Kunstszene. Aber wenn eine Krise kommt, wird zuerst der Schmuck verkauft.“

Viele Künstler hätten sich bereits andere Jobs suchen müssen, um überleben zu können. Eine Gefahr – auch für die gesellschaftliche Aufgabe der Kunst. „Wir sind auch dafür da, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten und Diskussionen anzustoßen“, sagt Artistin Petra Tobies. „Aber wenn sich alle mit Nebenjobs durchschlagen müssen, kann es zukünftig auch keine Gesellschaftskritik mehr geben.“

Am Sonntag gehen die Künstler auf die Straße. Der Zug setzt sich um 13 Uhr am Kudamm in Bewegung, um 17 Uhr ist eine Kundgebung am Brandenburger Tor geplant. „Wir wünschen uns ein Existenz-Geld, mit dem wir unseren Lebensunterhalt decken können“, sagt Katharina Micada. Und, genauso wichtig: Man brauche eine Perspektive. Denn die Künstler gehörten zu den Ersten, die in der Pandemie auf dem Abstellgleis landeten. Und sie werden mit die Letzten sein, die in ein normales Leben zurückkehren können.