Manche der sogenannten Partnerfilialen der Post werden mit Paketen geflutet.
Manche der sogenannten Partnerfilialen der Post werden mit Paketen geflutet. imago/Ralph Peters

Mit dem Wort „Postamt“ sind jüngere Menschen ähnlich überfordert wie mit dem Begriff „Wählscheibe“. Statt zum Postamt geht man in Berlin inzwischen in eine „Partnerfiliale“ in Geschäften oder Postbank-Finanzzentren, oder in einen Paketshop. 1999 waren es laut Deutscher Post 165 solcher Anlaufstellen, jetzt um die 1000. Deren Service klappt so lange gut, bis wie kürzlich in Zehlendorf zwei Geschäfte samt Postschalter schlagartig schlossen.

Mit den verschwundenen Filialen am S-Bahnhof Nikolassee und am Mexikoplatz brach im an einen Zeitungs- und Tabakwarenladen angeschlossenen Postladen an der Breisgauer Straße das Chaos aus. Kunden berichten von langen Schlangen besonders von Kunden, deren Pakete und Päckchen nicht zugestellt werden konnten, und die sie abholen wollen. Die Stimmung ist gereizt, weil das Warten in der Kälte vor der Tür nicht angenehm ist.

Ein Leser machte dieses Foto vor der Post-Partnerfiliale in Schlachtensee an der Breisgauer Straße: Eine frierende Warte-Schlange vor der Tür, im Laden hätten weitere fünf, sechs Leute gestanden.
Ein Leser machte dieses Foto vor der Post-Partnerfiliale in Schlachtensee an der Breisgauer Straße: Eine frierende Warte-Schlange vor der Tür, im Laden hätten weitere fünf, sechs Leute gestanden. Privat

Fünf Kilometer gefahren, um eine Sendung abzuholen

Laut einer Mitarbeiterin sei der kleine Laden mit Massen von nicht zugestellten Sendungen verstopft. Und das nicht nur aus dem Bereich der geschlossenen Filialen. Ein Kunde berichtete dem KURIER, er habe von der Sundgauer Straße, wo er wohnt, mal eben fünf Kilometer nach Schlachtensee in die Breisgauer Straße fahren müssen, um eine Sendung abzuholen. Dabei gebe es mehrere andere Filialen, die viel näher liegen.

Das passt nicht gut zu der Aussage der Post, 85 Prozent der Berliner müssten weniger als 500 Meter zurücklegen, um eine Partnerfiliale oder einen Paketshop zu erreichen, und wird inzwischen Thema in der Bezirkspolitik.

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Postsprecher Johannes Nedo erklärte dem KURIER zur Situation in Zehlendorf:  „Leider ist es bislang noch nicht gelungen, geeignete Einzelhändler oder Gewerbetreibende für den Betrieb neuer Partner-Filialen zu finden. Aufgrund der relativ kurzfristigen Geschäftsaufgaben an beiden Standorten resultieren aktuell leider vorübergehend weitere Wege für unsere Kunden zu den nächstgelegenen Standorten, was wir sehr bedauern.“

Mittlerweile tat sich ein neues Problem gleichfalls in Zehlendorf auf: Die Postler müssen Ersatz an der Königstraße im Ortsteil Wannsee finden, weil im Frühjahr die dortige Postbank-Filiale schließt, bei der die Post Untermieter ist. Man sei in Verhandlungen und hoffnungsfroh, eine neue Bleibe für die Post in der Nähe zu finden.

Zehn neue Postfilialen im zweiten Halbjahr 2022

Sprecher Nedo weist darauf hin, dass im zweiten Halbjahr 2022 zehn neue Filialen eröffnet werden konnten, davon zwei (Heinsestraße 42, Hermsdorf, und Bahnhofstraße 57,Lichtenrade) als Ersatz: Postbank-Finanzcenter in der Nähe waren dicht gemacht worden. Lediglich für eine Partnerfiliale am Lichtenrader Damm habe man keinen Ersatz gefunden.

Ganz neu dazu kamen Filialen in der Pichelsdorfer Straße 73 (Spandau), am Hindenburgdamm 92 (Steglitz), in der Oranienburger Straße 25 (Wittenau), Am Ostbahnhof 5, in der Hauptstraße 130 (Schöneberg), in der Reinickendorfer Straße 26 und in der Sprengelstraße 13 (Wedding) sowie an der Frankfurter Allee 104 (Friedrichshain).

Online zu finden sind Post-Einrichtungen unter www.postfinder.de, darunter auch die rund 500 Packstationen.

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