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Der Spargel wächst und die Ernte 2020 rückt in Sicht. Doch wer soll das edle Gemüse stechen? Helfer aus Osteuropa wollen wegen der Corona-Pandemie nicht nach Deutschland oder werden an den Grenzen gestoppt. Viele Landwirte in Brandenburg haben jetzt Angst, dass ihre Ernte liegen bleibt. Das wäre für sie eine Katastrophe.  

Stündlich Absagen von Erntehelfern

Beim Beelitzer Spargelverein wird mit dem Schlimmsten gerechnet. Der Vorsitzende Jürgen Jakobs beklagt, dass wegen der Virus-Krise und den Grenzschließungen Hunderte Helfer aus Rumänien nicht  kommen können. Jede Stunde erreichen ihn und seine Kollegen Absagen, so Jakobs. Von etwa 2300 eingeplanten Erntehelfern sollten 85 Prozent aus Rumänien kommen, der Rest aus Polen. Aber bisher seien erst 20 Prozent der erwarteten Arbeiter in Brandenburg eingetroffen. 

Sorgen macht sich auch Pächter René Falkenthal (42) vom Spargelhof Märkerland in Beelitz-Schlunkendorf. Er erwartet zunächst sieben, dann insgesamt 14 Helfer aus Polen. „Ich kläre gerade, ob ich die Einreise vereinfachen kann, wenn ich ihnen die Arbeitsverträge vorab rüberschicke“, sagt Frankenthal. Für Erntearbeiter aus Polen sei es zum Glück leichter über die Staatsgrenzen zu kommen als für Rumänen. 

Gastronomie kauft weniger Spargel ein 

Ein anderes Problem sieht Frankenthal darin, dass wegen der Schließungen in der Gastronomie die Abnehmer wegbrechen könnten. „Wir überlegen, ein Drittel unserer zehn Hektar Fläche nicht abzuernten“, so Frankenthal. Das hieße aber, dass auch ein Drittel des Umsatzes verloren gehen könnte. 

Die Landwirte und ihre Verbände suchen jetzt händeringend nach Auswegen. Spargelverein-Chef Jakobs fordert eine Art „Passierschein“ für die gebuchten Erntehelfer. Sie sollten freies Geleit bis nach Brandenburg bekommen.

Er habe gehört, dass sich in Rumänien Busunternehmer und Fahrer weigern, den Weg nach Deutschland anzutreten. Sie würden an der Grenze von Ungarn und Österreich meist nicht durchgelassen. Ein Grund dafür seien fehlende Bestätigungen, dass die Bus-Insassen nach Deutschland zur Ernte fahren. Jakobs regt an, dass die deutsche Botschaft in Rumänien den Arbeitern vorab „Passierscheine“ ausstellen sollte.

Verbände fordern Finanzspritzen

Die Landwirtschaftsverbände fordern auch die Bundesregierung zur Hilfe auf. Sie wollen, dass der Erntehelfer-Job mit Finanzspritzen attraktiver gemacht wird. Denkbar sei eine Verbesserung der Hinzuverdienst-Möglichkeiten für Arbeitslose, aber auch für Asylbewerber und für Leute, die in der Corona-Krise zu Kurzarbeit verdonnert worden sind.  

Probleme haben aber nicht alle Betriebe. Die Gollwitzer Agrar GmbH in Brandenburg/Havel etwa kommt ohne Saisonkräfte aus. Auch eine Corona-Ansteckung fürchte man nicht. Eine Sprecherin: „Am Trecker arbeitet man meist allein.“ (mit dpa)