Im vergangenen Jahr feuerte die Firma Gorillas Mitarbeiter, die gestreikt hatten. Die Fahrer protestierten. imago/Mike Schmidt

Arbeitssenatorin Katja Kipping (Linke) hat die Personalpolitik von Lebensmittel-Lieferdiensten angegriffen. Der  Lieferdienst „Gorillas“ hatte zuvor angekündigt, sich von der Hälfte seines Verwaltungsapparats zu trennen.

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300 von 600 dort beschäftigten Mitarbeitern müssen über alle Standorte hinweg gehen. Der Personalabbau betreffe die weltweite Hauptverwaltung, teilte das Unternehmen mit. Fahrer seien vom Stellenabbau nicht betroffen. In welchem Land die meisten Mitarbeiter gehen müssen, war zunächst nicht bekannt, allerdings soll nach Medienberichten die kürzlich eröffnete Welt-Zentrale in Amsterdam schon wieder schließen.

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Gorillas soll sich auf fünf Länder konzentrieren

Gorillas-Chef Kagan Sümer schrieb in einer Botschaft an die Mitarbeiter, man werde sich auf Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und die USA konzentrieren. Für die Gorillas-Aktivität in Italien, Spanien, Dänemark und Belgien prüfe man „strategische Optionen“. Das ist Management-Kauderwelsch für Überlegungen, den Laden dort zu dicht zu machen oder zu verkaufen.

Investoren rücken den Lieferdiensten nicht mehr bereitwillig Geld raus

Laut Handelsblatt soll die Firma Schwierigkeiten haben, Geld auf dem Kapitalmarkt aufnehmen zu können. Investoren wollten endlich Gewinnaussichten haben. Das kann man auch aus der Botschaft Sümers lesen, der davon schreibt, seit März hätten Tech-Firmen mit niedrigen Margen oder Verlusten Schwierigkeiten, an Geld zu kommen.

Zuvor seien alle Gewinner gewesen, weil Geld in sie hineingestopft wurde, dann aber sei die „Gier in den Märkten durch Vorsicht ersetzt“ worden.

Zwar habe man das schon vor neun Monaten kommen sehen, behauptet Sümer, und Gegenmaßnahmen ergriffen. Weg vom Wachstum und hin zu mehr Effizienz. Dennoch müsse man leider 300 Leute feuern. Man werde aber die anhaltende Wertschätzung ihres Erbes zum Leitstern der Firma machen ...

Das nahm Senatorin Kipping am Donnerstag zum Anlass, sich zu äußern: „Verschiedene Lebensmittel-Lieferdienste haben die Zeiten von Corona und Home-Office für eine aggressive Expansionsstrategie genutzt.“

Die Pandemiezeit sei für Lieferdienste eine Zeit hoher Nachfrage und damit auch großer Umsätze gewesen.

Kipping zu Lieferdiensten: „Ich halte ein solches Geschäftsmodell weder für nachhaltig noch für sozial“

„Doch so schnell wie sie zu liefern versprechen, so schnell feuern sie auch“, kritisierte Kipping. „Ich halte ein solches Geschäftsmodell weder für nachhaltig noch für sozial.“ Gute Arbeit bedeute sichere Beschäftigungsverhältnisse mit sicheren Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung und guter Bezahlung.

Das Unternehmen Gorillas ist seit seiner Gründung im Jahr 2020 immer wieder wegen Konflikten mit seinen  Fahrern aufgefallen. Diese kritisierten vor allem die Arbeitsbedingungen und verliehen ihren Forderungen mit sogenannten wilden Streiks Nachdruck. Inzwischen haben die Fahrer einen eigenen Betriebsrat.