Der Renault Clio, an dessen Steuer der Täter während der Tat gesessen hatte Berliner Kurier/Markus Waechter

Die Polizei hatte Gor V. (zuvor wurde der Mann aufgrund eines Kommunikationsfehlers als Gor H. benannt) bereits im Visier – allerdings nicht im Zusammenhang mit extremistischen Taten: Was den Deutsch-Armenier – laut rbb hat er sowohl die deutsche als auch die armenische Staatsangehörigkeit –  zu seiner Horrortat bewogen hat, ist weiterhin unklar. Am Mittwochvormittag setzte sich der 29-Jährige ans Steuer des Renault Clio seiner Schwester. Beide sind an einer gemeinsamen Adresse in Berlin-Charlottenburg gemeldet.

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Mit dem silbergrauen Kleinwagen war er mitten in eine Schulklasse gerast, die sich auf einem Berlin-Ausflug befand. Eine Lehrerin starb, mehrere Menschen befinden sich in Lebensgefahr. Eine Tat, die traumatische Erinnerungen an mehrere Vorkommnisse der letzten Jahre in Berlin wachruft: nicht nur das Attentat vom Breitscheidplatz 2016, sondern auch den tödlichen SUV-Unfall in Berlin Mitte 2019 und die Autobahnjagd eines psychisch gestörten Fahrers auf Biker im Jahre 2020.

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Berlins Innensenatorin Spranger dementiert „Bekennerschreiben“, Plakate mit politischer Türkei-Kritik im Auto

Was bewegt einen Menschen zu so einer fürchterlichen Tat? Kurz nach dem Vorfall in der Nähe des Berliner Breitscheidplatzes – dem Ort, an dem Attentäter Anis Amri am 19. Dezember 2016 einen Lkw in die Besuchermenge auf dem Weihnachtsmarkt gelenkt hatte –hatte die Bild von einem angeblichen „Bekennerschreiben“ berichtet. Die Meldung bezog sich auf politische Schriftstücke und Plakate, die in dem Fahrzeug gefunden wurden. Doch Berlins SPD-Innensenatorin Iris Spranger relativierte, die genaue Motivation des Todesfahrers müsse erst noch untersucht werden. Ein „richtiges Bekennerschreiben“ gebe es nicht. Die Plakate richteten sich laut Spranger gegen die türkische Regierung, Einzelheiten nannte sie jedoch nicht.

Die Festnahme von Gor. H. wurde von mehreren Augenzeugen festgehalten und in den sozialen Medien auch auf Türkisch kommentiert.

Nach der Tat hielten den Fahrer zunächst Passanten in Schach, später wurde er von der Polizei festgenommen. Der Mann soll bei der Festnahme verwirrt gewirkt haben. Zeugen berichteten, der gerade Festgenommene habe sich an Passanten gewandt und gerufen: „Bitte Hilfe, bitte Hilfe!“

Spranger bestätigt psychische Probleme beim Täter vom Berliner Breitscheidplatz

Laut Augenzeugen war Gor V. gezielt in die Menschenmenge gerast. Doch die Ermittler gehen nicht von einem Terrorakt, sondern eher von einer Amokfahrt aus.

Ermittler wollten zunächst nicht öffentlich bestätigen, dass, gesundheitliche Beeinträchtigungen des Fahrers zu dem Vorfall geführt haben könnten, doch aus Ermittlerkreisen sickerte durch, dass Gor H. psychische Probleme haben soll. Am Abend bestätigte dann Berlins Innensenatorin Iris Spranger, der Vorfall an der Tauentzienstraße „sei eine Amoktat eines psychisch beeinträchtigten Menschen“.

Immer wieder standen tragische Vorfälle im Zusammenhang mit psychischen oder physischen Beeinträchtigungen der Verursacher. Im September 2019 hatte der Fahrer eines SUV nach einer Gehirn-OP vier Personen in Berlin-Mitte tödlich verletzt. Bei einem 31-jährigen Iraker, der im August 2020 mehrere Biker auf der Berliner Stadtautobahn absichtlich anfuhr und schwer verletzte, wurde eine schwere Psychose festgestellt. Ob psychische Probleme für die Tat vom Mittwoch am Berliner Breitscheidplatz mitursächlich sein könnten, ist noch nicht bekannt.