Alex Molter in seiner Werkstatt. Er fertigt Gitarren an, lässt sie von Bands unterschreiben und versteigert sie für die Rettung der Berliner Clubs. Foto: Berliner KURIER / Benjamin Pritzkuleit

Viele Branchen der Stadt wurde von der Corona-Krise schwer getroffen – dazu gehören auch die Berliner Clubs. Ein neues Kunstprojekt soll nun zumindest einen kleinen Teil zur Rettung der bedrohten Musiklokale beitragen. Der Berliner Alex Molter fertigt dazu in einer Werkstatt Gitarren mit den Namen berühmter deutscher Bands, lässt sie signieren und von den Clubs versteigern. Dem KURIER erzählt er, wie er auf die Idee kam – und warum ihm die Rettung der Läden am Herzen liegt.

Molter, 46 Jahre alt, ist selbst Musiker, spielt seit fünf Jahren in einer Band namens „Lautstark“. Bis zur Pleite der Airline AirBerlin arbeitete er hauptberuflich als Flugbegleiter – danach trat die Kunst in sein Leben. 2018 gründete Molter das Label „Roxxta“, unter diesem Titel fertigt er Kunstwerke für Rockstars und ihre Fans, stellte in der Vergangenheit etwa auf dem Metal-Festival „Wacken“ aus.

Berühmte Bands: Rammstein, Knorkator und Die Ärzte machen mit

„In der Corona-Zeit habe ich eine Gitarre mit dem Schriftzug unserer Band gebaut – und als sie fertig war, beschlossen wir, sie zu versteigern“, sagt er dem KURIER. „Das Geld sollte an die Hafenbar gehen, einen kleinen Laden, den wir unterstützen wollten.“ 200 Euro kamen zusammen – die Initialzündung für ein größeres Projekt. „Denn ich dachte mir: Wenn jemand so viel Geld für eine Gitarre unserer Band bezahlt – wie sieht es dann erst bei den wirklich berühmten Musikgruppen aus?“

Aus seiner Vergangenheit als Musiker kannte er einige bekannte Bands – und fing an, immer mehr der Gitarren-Kunstwerke zu bauen. Rammstein, Die Ärzte, Beatsteaks, Knorkator – Molter schrieb die jeweiligen Manager an, fragte nach Unterschriften. „In kurzer Zeit kamen sehr viele positive Rückmeldungen.“ Knapp 30 der rot-schwarzen Gitarren mit den Namen der Bands hat er nun gebaut. Die Idee: „Sie werden von den Musikern signiert und dann jeweils einem Club zur Verfügung gestellt, den die Bands selbst auswählen können“, sagt er. „Die fertigen Kunstwerke übergebe ich den Clubs – und die können sie dann versteigern und den Erlös behalten.“

Auch die Berliner Band Culcha Candela unterstützt die Aktion.

Foto: Facebook

Molter weiß, wie wichtig es ist, etwas für die Berliner Szene zu tun. Denn er und seine Bandkollegen bekamen die Einschläge der Pandemie selbst zu spüren. „Im Frühjahr haben wir uns erstmal nur noch draußen zum Proben getroffen, spielten mit 1,50 Metern Abstand nur mit der Akustikgitarre“, sagt er. „Dann war relativ schnell klar, dass es Auftritte in diesem Jahr kaum geben wird.“

Molter will ein Zeichen für die bedrohte Club-Szene setzen

Für ihn sei die Musik nur ein Zeitvertreib. „Aber ich bin natürlich auch Musik-Fan – und dementsprechend genervt, dass ich nicht mehr zu Konzerten gehen kann“, sagt er. Der Wegfall von Festivals treffe aber auch seine Arbeit als Künstler schwer.  „Man muss einfach ein Zeichen setzen für die bedrohte Clubszene. Ich werde mit meiner Aktion natürlich keinen Club der Stadt retten können, denn was dabei rumkommen wird, ist sicher nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt er. „Aber man muss die Menschen für die Lage der Läden sensibilisieren.“

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Gerade ein zweiter Lockdown würde die Clubs, deren Leben sich in den vergangenen Monaten in Außenbereichen abspielen musste, noch mehr schaden. „Wenn wieder alles geschlossen werden muss, wird es manche Läden richtig hart treffen“, sagt Molter. „Jeder sollte darüber nachdenken, ob er nicht etwas für die Lokale tun kann – und wenn es einfach das Feierabendbier ist, dass eher dort getrunken wird.“