In einem Berliner Klassenraum steht ein Luftfilter. dpa/Christophe Gateau

Es darf doch nicht wieder so sein wie letztes Jahr, doch die Situation erinnert erschreckend daran: In der zweiten Augustwoche kehren die Berliner Kinder in die Schulen zurück, die allermeisten von ihnen sind noch nicht gegen das Coronavirus geimpft, die Inzidenzen in der Stadt steigen und nun klagt auch noch die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), dass zu wenig Luftreinigungsgeräte in den Berliner Klassenzimmern zur Verfügung stehen. Wurde der Schulstart in der Hauptstadt schon wieder verpennt?

GEW fordert mehr Luftfilter für Berliner Schulen

„Was wir dem Senat vorwerfen ist, dass die Ausstattung der Schulen zu schleppend vorangeht“, sagte der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann. „Wenn es jetzt heißt, gut 7000 Luftreinigungsgeräte für 20.000 Klassenräume, die wir schätzungsweise in Berlin haben, dann wird das leider nicht reichen“, so der Gewerkschafter. „Ich kenne Schulen, die haben fünf solcher Geräte. Wird dann gelost, welcher Kollege oder welche Klasse eins bekommt? Das ist Quatsch – es ist einfach zu wenig.“

Erdmann plädierte dafür, möglichst schnell weitere Geräte anzuschaffen. „Momentan kann man ja noch lüften. Aber spätestens im Herbst wird das kaum noch eine Option sein“, so der GEW-Vorsitzende. „Und dann stehen wir vor derselben Situation wie im letzten Jahr, dass wir irgendwann wieder Unterricht im Anorak machen müssen.“

GEW: Luftfilter wären auch nach der Pandemie sinnvoll

Erdmann sagte, man dürfe das Thema auch nicht nur unter dem Pandemie-Aspekt sehen. „Generell ist die Luftqualität in deutschen Klassenräumen sehr schlecht, sodass auch ohne Corona Luftreinigungsgeräte ihre Berechtigung haben und eine gute Investition in Schulen wären“, erläuterte der GEW-Vorsitzende. „Vielleicht fällt es dem einen oder anderen Finanzpolitiker dann auch leichter, den Daumen dafür zu heben.“

Die mobilen Luftreinigungsgeräte sollen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie dazu beitragen, Aerosole in den Unterrichtsräumen zu verringern. Bereits im Lauf des vergangenen Schuljahrs waren mehr als 4200 Geräte an die Schulen gegangen und dann weitere gut 3500 angeschafft worden, von denen ein Großteil noch vor Ferienbeginn ausgeliefert wurde. Bildungssenatorin Sandra Scheeres hatte Anfang der Woche angekündigt, dass noch einmal 3000 Luftfilter bestellt werden sollen.

Wirkung von Luftfiltern wird kontrovers diskutiert

Die Wirkung von mobilen Luftfiltern, über die seit Monaten immer wieder diskutiert wird, ist umstritten. Das Umweltbundesamt (UBA) empfahl die Geräte zunächst nur als Ergänzung fürs Lüften. Anfang Juli erklärte ein UBA-Experte, mobile Luftfilter seien hilfreich gegen Viren, wenn es sich um geprüfte Geräte handele und sie richtig im Klassenraum aufgestellt seien.

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Von einer Impfung sind die meisten Schulkinder hingegen noch weit entfernt. Für Kinder unter zwölf Jahren gibt es noch gar keinen Impfstoff. Die Vakzine von Biontech und Moderna wurden nun zwar beide von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA für Kinder zwischen zwölf und 16 Jahren freigegeben, doch das Paul-Ehrlich-Institut empfiehlt den Einsatz der Impfstoffe für diese Altersgruppe noch nicht uneingeschränkt.