Wegen der dramatischen Pflegesituation an Klinderkliniken sollen planbare OPs verschoben werden.
Wegen der dramatischen Pflegesituation an Klinderkliniken sollen planbare OPs verschoben werden. Imago/Jose Luis Carracosa

Die Lage ist mehr als dramatisch. Zu wenig Ärzte, zu wenig Pfleger, aber immer mehr kranke Kinder – das Personal auf den Stationen in den Berliner Kinderkrankenhäusern arbeitet am Limit. Besonders angespannt ist derzeit die Lage, weil die Zahl der schweren Atemwegserkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern ansteigt. Um die Versorgung kritischer Fälle zu gewährleisten, sollen Kinderkliniken nun planbare Operationen verschieben, so die Senatsgesundheitsverwaltung.

Das teilte am Montag  Gesundheitsstaatsekretärin Armaghan Naghipour im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses mit. Demnach habe es bereits Ende November ein Treffen zwischen Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) mit Chefärzten von Kinderkliniken und Feuerwehr gegeben, um kurzfristig durchführbare Maßnahmen zu besprechen, um die Situation auf den Kinderstationen zu entlasten. So sollen unter anderem planbare und weniger dringende Eingriffe nach Möglichkeit verschoben werden, um die Versorgung einer zunehmenden Anzahl kritisch kranker Kinder zu ermöglichen.

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Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne)
Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) dpa/Christoph Soeder

Personal aus der Erwachsenenpflege soll auf den Kinderstaionen aushelfen

Außerdem soll fehlendes Personal auf den Kinderstationen durch Krankenschwestern und Pflegern aus dem Erwachsenenbereich ersetzt werden. Das Bilden von sogenannten gemischten Teams aus Kinder- und Erwachsenenpflegern werde geprüft, so Staatssekretärin Naghipour.

In diesem Zusammenhang sollen die Kliniken prüfen, ob sie Betten, die wegen akuten Pflegekräftemangels stillgelegt wurden, nun wieder zum Einsatz kommen, wenn durch „Amtshilfe“ mehr Pflegepersonal auf den Kinderstationen arbeitet. Die Staatssekretärin erklärte im Ausschuss, dass für eine bessere Verteilung erkrankter Kinder auf die Kliniken die Charité eine zentrale Koordinierungsstelle einrichten wird.

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Mehrere Ärzte- und Pflegeverbände hatten Ende vergangener Woche in einem offenen Brief an Gesundheitssenatorin in Gote geschrieben, dass sie die Sicherheit der kleinen Patienten ernsthaft in Gefahr sähen. Nicht nur in den zentralen Notaufnahmen, sondern auch in der ambulanten und der stationären Pädiatrie herrschten zunehmend unverantwortbare Zustände.

Im Ausschuss wies Staatsekretärin Naghipour  die Kritik zurück. Als Ursachen für die aktuelle Situation nannte sie die „strukturelle Unterfinanzierung der Kinder- und Jugendmedizin in Verantwortung des Bundesministeriums für Gesundheit“, einen Mangel an Pflegekräften und „aktuell verschärfend“ eine Vielzahl an Atemwegsinfektionen.

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Berlin habe sich darüber hinaus gemeinsam mit anderen Bundesländern dafür eingesetzt, dass der Bund ein zukunftsfähiges Vergütungssystem für die Finanzierung der Kinderkliniken vorlege. Verbesserungen sollen ab 2023 umgesetzt werden, es gehe um insgesamt etwa 300 Millionen Euro.

Naghipour zufolge sollte es am (heutigen) Montagnachmittag ein weiteres Treffen von Staatssekretär Thomas Götz mit Berufsverbänden geben. Auch Senatorin Gote sei zu weiteren Gesprächen bereit.