Nach Ostern könnten die Infektionszahlen wieder drastisch steigen. Foto: Imago/Sabine Gudath

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hat Erwartungen gedämpft, zu Ostern könnten Verwandtenbesuche und Urlaubsreisen ans Mittelmeer problemlos möglich sein. „Wir müssen uns auf eine schwierige Zeit rund um Ostern einstellen“, sagte Kalayci am Montag bei der Sitzung des Gesundheitsausschusses im Abgeordnetenhaus. Es seien keine rosigen Aussichten, so die SPD-Politikerin, die vor einem deutlichen Anstieg bei der Zahl der Corona-Fälle in Berlin warnte.

Kontaktbeschränkungen müssen weiterhin eingehalten werden

Kontaktbeschränkungen müssten weiter eingehalten werden, sagte Kalayci. Und auch beim Osterurlaub plädierte die Senatorin für Zurückhaltung, auch wenn Reisen etwa nach Mallorca wieder ohne Quarantäne und Testpflicht nach der Rückkehr möglich seien: „Die erstbeste Möglichkeit zu nutzen, finde ich schwierig.“

Kalayci wies darauf hin, dass die 7-Tage-Inzidenz und die Zahl der Neuinfektionen wieder gestiegen seien. Der R-Wert, der angibt, wie viele andere ein Infizierter im Schnitt ansteckt, liege über 1, der Anteil der Virusvarianten in Berlin mittlerweile bei 60 Prozent. „Auch wenn die Inzidenz in Berlin leicht unter Bundesdurchschnitt ist, ist das absolut keine Entwarnung,“ sagte die SPD-Politikerin.

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Es sei davon auszugehen, dass der Anstieg der Fallzahlen, den das Robert Koch-Institut (RKI) prognostiziere, auch für Berlin anzunehmen sei. Das RKI hatte am Samstag für die Woche nach Ostern höhere Neuinfektionszahlen als rund um Weihnachten vorhergesagt. Nach dem RKI-Lagebericht vom Freitagabend könnte die 7-Tage-Inzidenz in der Woche ab Ostermontag bei 350 liegen. „Wir sehen diese Dynamik nach oben hin“, sagte Kalayci. „Es gibt absolut keinen Grund in einer Metropole wie Berlin anzunehmen, dass diese Entwicklung an uns vorbeigeht.“

Es habe zwar bei der Belegung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten auch in Berlin einen Rückgang gegegeben. „Wir merken aber, dass das stagniert“, sagte Kalayci. Und bei einem exponentiellen Anstieg der Infektionszahlen in einer dritten Welle sei denkbar, dass auch die Zahl der Covid-Patienten auf den Intensivstationen wieder deutlich steige, warnte die Gesundheitssenatorin.

Kalayci: An der Impfreihenfolge sollte nichts geändert werden

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Berlin lag laut Lagebericht vom Sonntag zuletzt bei 73,6, die Berliner Corona-Warnampel zeigt hier auf Rot. Ein gelbes Signal gab es bei der Belegung der Intensivbetten mit Corona-Patienten. Der Wert lag bei 16,7 Prozent.

Die Impfreihenfolge sollte aus Kalaycis Sicht derzeit nicht geändert werden, für einen späteren Zeitpunkt sei das aber durchaus überlegenswert. „Ich finde es richtig zum jetzigen Zeitpunkt, wo wir die chronisch Kranken und die über 70-Jährigen noch nicht geimpft haben, dass wir an der Priorisierung festhalten“, sagte die Senatorin. Aber sie sehe auch den Zeitpunkt kommen, an dem sich das ändern könne. „Es ist schon sehr bürokratisch, wie das momentan vorgesehen ist“, räumte Kalayci ein.

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Wenn deutlich mehr Impfstoff zur Verfügung stehe, die niedergelassenen Ärzte impften und die wichtigsten Gruppen geschützt seien, müsse man sehen, ob man dann sage: «Jetzt gehen wir in die Breite». Das könne Berlin aber nicht alleine entscheiden, das müsse bundeseinheitlich passieren, so die Gesundheitssenatorin.